Prinzessin Leonor (20) startet Politikstudium an der Universität Carlos III
Nach drei Jahren Militärausbildung beginnt Prinzessin Leonor (20) am 7. September 2026 ihr Bachelorstudium der Politikwissenschaften an der Universität Carlos III in Madrid. Als Studentin will sie den Alltag teilen – doch ein Sicherheitsplan begleitet jeden Schritt.
Am Montag, 7. September 2026, begann Prinzessin Leonor (20) ihr Bachelorstudium der Politikwissenschaften an der Universität Carlos III in Madrid. Nach drei Jahren Militärausbildung an den drei Akademien Spaniens begann für die Thronfolgerin ein neuer Lebensabschnitt – als zivile Studentin auf dem Campus in Getafe.
Vor dem Adolfo-Posada-Gebäude wurde die älteste Tochter von König Felipe VI. und Königin Letizia von Studierenden und Kamerateams empfangen. Sie trug eine weiße Kurzarm-Bluse, dunkelblaue Jeans mit weitem Bein und weiße Turnschuhe, die blonden Haare zu einem geflochtenen Zopf zurückgebunden. Auf die Frage, wie sie sich fühle, antwortete sie knapp: „Wirklich motiviert.“
Rektor Ángel Arias, Vizerektorin Pilar Otero und Dekan Antonio Descalzo begrüßten sie an der Tür. Arias sagte, die Prinzessin sei aufgeregt, ruhig und voller Vorfreude. Für den Dekan ist der Studienbeginn eine große Verantwortung für die Universität Carlos III von Madrid.
Derselbe Lehrplan für die künftige Königin
Leonor erhielt ihre Zulassung über das Early-Admission-Verfahren, weil sie das International Baccalaureate am UWC Atlantic College in Wales abgeschlossen hatte. Damit musste sie die spanische Hochschulzugangsprüfung EBAU nicht ablegen. Wie ein Bericht über ihren Studienstart in Getafe festhält, absolviert sie nun dasselbe Curriculum wie ihre Kommilitonen – mit denselben Dozenten und ohne gesonderte akademische Sonderbehandlung.
Etwa 40 Studierende belegen den Studiengang gemeinsam mit ihr. Das vierjährige Studium verbindet Politikwissenschaft mit Verfassungs- und Verwaltungsrecht, Geschichte, politischer Theorie, Soziologie und Geisteswissenschaften; hinzu kommen spanische, europäische und internationale Politik sowie öffentliche Verwaltung und Wahlfächer. Nach einer Einführung besuchte Leonor ihre erste Vorlesung im Fach Rechtstheorie bei Professor Rafael de Asís Roig.
„Der erste Tag wird völlig normal verlaufen, genau wie für die übrigen Studierenden.“
Angel Arias, Rektor der Universität Carlos III
Dekan Descalzo stellte klar, dass es weder bei Professoren noch bei Studierenden ein Auswahlverfahren gegeben habe. Die Auswahl basiere auf der Hochschulzugangsprüfung, das Lehrpersonal sei dasselbe wie in den Vorjahren. Damit will die Universität den Eindruck vermeiden, die Thronfolgerin erhalte eine Sonderbehandlung.
Sicherheitsplan und Pizza für Erstsemester
Hinter dem Unialltag lief ein monatelang vorbereiteter Sicherheitsplan. Der Sicherheitsdienst des Königshauses hatte das Gelände geprüft, Schwachstellen analysiert und Rückzugspläne erstellt. Trotzdem soll sich Leonor auf dem Campus wie jede andere Studentin bewegen können, berichtet El Economista.
Für den 8. September war ein großer Kennenlerntag geplant. Auf dem Programm standen ein Spiel zum emotionalen Wohlbefinden, ein Workshop zum Erkennen von Warnsignalen, Cooxymetrie-Tests, Infos zu Gemüsepflanzen und Erasmus, Bibliotheksführungen, Schach, Gebärdensprache und eine sportliche Gymkhana. Mittags sollte Pizza Margherita ausgegeben werden.
Studenten auf dem Campus reagierten gelassen, wie Augenzeugen auf dem Campus berichten. Der 22-jährige Hugo Pérez sagte, er habe sie als ganz normale Studentin gesehen; ohne das Wissen um ihre Herkunft könnte man sie für eine Studentin aus einem höheren Semester halten. BWL-Studentin Icíar Romero nannte es eine Ehre, Campus, Freundschaften und Unterricht mit ihr zu teilen.
Alltag statt Staatsbesuch
Anders als andere Thronfolger reiste Leonor nicht zur Beerdigung von König Harald nach Norwegen. Diese Verpflichtung übernahmen andere europäische Thronfolger, darunter Amalia der Niederlande und Christian von Dänemark. Leonor nahm ihre erste Studienwoche bewusst als Präsenzzeit an der Universität wahr.
Mehr als 3.000 neue Studierende haben mit ihr am Campus Getafe begonnen; insgesamt studieren dort mehr als 12.000 Menschen, an der gesamten Universität mehr als 20.000. Der Fotograf des Königshauses begleitete sie am ersten Unitag. Viele Schaulustige zückten ihre Handys, um die künftige Königin zu fotografieren. Erst im Juli hatte das kühle Wiedersehen mit Barça-Star Gavi für Schlagzeilen gesorgt – nun steht wieder der Alltag im Mittelpunkt.
Bis zum 11. Dezember dauert ihr erstes Semester, die Lehrveranstaltungen liegen meist zwischen 9 und 14 Uhr. Für den darauffolgenden Dienstag standen die Vorlesungen „Forschungsmethodik“ und „Grundlagen der Politikwissenschaft“ auf dem Programm. So begann für die Prinzessin von Asturien der Alltag einer Studentin, die zugleich künftige Königin von Spanien ist.