BND-Präsident Jäger wird 62 und warnt vor Bedrohung der Republik
Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes feiert heute seinen 62. Geburtstag. Der frühere Botschafter in Kiew warnt vor einer Gleichzeitigkeit von Kriegen und will den Dienst offensiver aufstellen.
Martin Jäger, der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, wird heute 62 Jahre alt. Der am 9. September 1964 in Ulm geborene Spitzenbeamte steht seit genau einem Jahr an der Spitze des deutschen Auslandsgeheimdienstes – und warnt vor einer Gleichzeitigkeit von Kriegen, Krisen und feindseligen Akteuren.
Seine Karriere begann nicht in der Geheimdienstwelt: Jäger wuchs auf dem Hochsträß auf der Schwäbischen Alb auf, machte 1984 in Ulm Abitur und lernte nach dem Wehrdienst den Beruf des Fotografen. Anschließend arbeitete er als freier Journalist, bevor er in München Völkerkunde und Politikwissenschaften studierte.
Der Einstieg in den diplomatischen Dienst folgte 1994. Schon zwei Jahre später wurde Jäger Redenschreiber von Außenminister Klaus Kinkel, der ihn einen „hochintelligenten Kerl“ nannte. Über Stationen im Kanzleramt und als Sprecher von Frank-Walter Steinmeier führte sein Weg 2008 zum Autobauer Daimler, wo er die Außenbeziehungen verantwortete.
Botschafter in Kabul, Bagdad und Kiew
2013 übernahm Jäger erstmals einen Botschafterposten – in Afghanistan. Es folgten Jahre in Bundesministerien, darunter als Staatssekretär im Entwicklungsministerium. 2021 ging er als Botschafter in den Irak, im Juli 2023 nach Kiew, wo er regelmäßig deutsche Spitzenpolitiker am Hauptbahnhof empfing.
In Kiew galt er als einer der wichtigsten Diplomaten der Bundesrepublik. Die tagesschau schrieb in ihrem Porträt über den Krisendiplomaten, Jäger habe oft in der zweiten Reihe gestanden – und immer wieder am Bahnhof von Kiew, wenn Kanzler, Minister und Parteichefs ankamen.
Offensiver BND mit neuen Befugnissen
Seit dem 15. September 2025 ist Jäger Präsident des BND und damit Nachfolger von Bruno Kahl. Der Dienst mit rund 6.500 Mitarbeitern ist direkt dem Bundeskanzleramt unterstellt. Beim Festakt zum 70-jährigen Bestehen in Berlin machte Jäger klar, wohin er den Dienst führen will.
„Wir müssen und werden Deutschlands erste Verteidigungslinie sein.“
Martin Jäger, Präsident des Bundesnachrichtendienstes
Der BND-Chef warnte, eine Gleichzeitigkeit von Kriegen, Krisen, Technologiesprüngen und feindseligen Akteuren bedrohe 'die nationale Sicherheit und letztendlich möglicherweise sogar den Bestand der Bundesrepublik Deutschland'. Diese Warnung fällt in eine Debatte über ein neues BND-Gesetz, das dem Dienst erstmals operative Befugnisse wie Sabotage und Cyberoperationen geben soll, wie die Tagesschau über das Gesetz berichtete.
Im Bundestag scherzte Jäger über die neuen Möglichkeiten: „Das heißt nicht, dass wir Bonanza spielen oder jetzt zu James Bond werden, keine Sorge.“ Zugleich verteidigte er die Pläne mit dem Hinweis, sie seien eine notwendige Reaktion auf hybride Bedrohungen.
Berliner Netzwerker mit Spitznamen „The Brain“
Jäger ist seit 1994 CDU-Mitglied, verheiratet mit der Journalistin Helena Reich und Vater von zwei Kindern. In Berlin hat er sich über viele Stationen den Spitznamen „The Brain“ erarbeitet. Während der Euro-Krise, als er unter Wolfgang Schäuble im Finanzministerium arbeitete, sagte er: „Wenn man bei der Bundesluftwaffe Vielfliegermeilen sammeln könnte, wäre die letzte Woche eine gute gewesen.“
Für den 62-Jährigen beginnt das neue Lebensjahr mit der Debatte über die Ausweitung der BND-Befugnisse. Die Frage, ob der Dienst künftig offensiver gegen Sabotage und Cyberangriffe vorgehen darf, dürfte den Geheimdienstchef auch in den kommenden Monaten beschäftigen.