Swetlana Schönfeld wäre heute 75 – ihre Gulag-Kindheit blieb lange verschwiegen
Ihre Mutter schwieg ein Leben lang über das Straflager – Swetlana Schönfeld brach das Schweigen spät. Jetzt wäre die Schauspielerin 75 geworden, im Mai starb sie mit 74.
Swetlana Schönfeld (†74) hätte an diesem Mittwoch ihren 75. Geburtstag gefeiert. Doch die Schauspielerin starb bereits am 17. Mai 2026 in Berlin – nach kurzer, schwerer Krankheit, wie rbb24 über ihren Tod berichtete.
Geboren wurde Schönfeld am 9. September 1951 in einem Straflager in Kolyma, einem der gefürchtetsten Gulag-Gebiete der Sowjetunion. Ihre Mutter Betty Schönfeld, eine überzeugte deutsche Kommunistin, war 1937 verhaftet und zu zehn Jahren Lager verurteilt worden.
Den Vater, einen russischen Kommunisten, lernte die Mutter im Lager kennen – er wurde ermordet, als Swetlana ein Jahr alt war. Mit sechs Jahren kam das Mädchen 1957 mit Mutter und Schwester nach Ost-Berlin. Über diese Herkunft wurde in der Familie kaum gesprochen.
Erst spät sprach Schönfeld öffentlich über ihre Kindheit. In einem Interview 2019 sagte sie über ihre Mutter, die ihr das Lager verschwieg:
„Sie wollte nicht, dass wir diese Schrecken mit in unser Leben nehmen.“
Swetlana Schönfeld über ihre Mutter Betty Schönfeld
Diese Familiengeschichte wurde zum Stoff für den Kinofilm „Und der Zukunft zugewandt“ (2019) von Bernd Böhlich. Schönfeld übernahm darin die Rolle der Mutter der Filmheldin – und gab damit auch ihrer eigenen Mutter ein Gesicht.
Karriere zwischen Theater und „Tatort“
Ihre Bühnenlaufbahn begann am Maxim-Gorki-Theater Berlin, dem Schönfeld von 1973 bis 1993 als Ensemblemitglied angehörte. Später spielte sie am Deutschen Theater, an der Schaubühne und am Berliner Ensemble, arbeitete mit Regisseuren wie Thomas Langhoff, Andrea Breth und Robert Wilson. 1977 erhielt sie den Ernst-Zinna-Preis der Stadt Berlin.
Nach der Wende war Schönfeld in über 90 Film- und Fernsehproduktionen zu sehen – von „Polizeiruf 110“ über „In aller Freundschaft“ bis zu „Ein starkes Team“. Einem Millionenpublikum wurde sie von 2008 bis 2012 als Inge Saalfeld bekannt, die Mutter der von Simone Thomalla (61) gespielten Kommissarin Eva Saalfeld im Leipziger „Tatort“.
Die wichtigsten Stationen
9. September 1951
Geburt im Gulag
Swetlana Schönfeld kommt im Straflager Kolyma zur Welt, einem der härtesten Gulag-Gebiete der Sowjetunion.
1957
Umzug nach Ost-Berlin
Mit sechs Jahren kommt sie mit Mutter und Schwester in die DDR.
1973 – 1993
Maxim-Gorki-Theater
Zwanzig Jahre Ensemblemitglied in Berlin, später weitere Bühnen.
2008 – 2012
Leipziger „Tatort“
Als Inge Saalfeld wird sie einem Millionenpublikum bekannt.
2019
Kinofilm „Und der Zukunft zugewandt“
Ihre Familiengeschichte wird verfilmt; Schönfeld spielt die Mutter der Heldin.
17. Mai 2026
Tod in Berlin
Schönfeld stirbt nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren.
Tod und posthume Erinnerung
Am 17. Mai 2026 starb Schönfeld nach kurzer schwerer Krankheit in Berlin. Die Todesursache wurde nicht genannt; die Beisetzung war im engen Kreis geplant. Erst Ende Mai wurde der Tod öffentlich.
An ihrem 75. Geburtstag erinnern Medien an die Schauspielerin, die am Mittwoch 75 geworden wäre, aber im Mai gestorben ist. Auch die Tageszeitung „junge Welt“ würdigte Schönfeld. Ihr Leben zwischen Lager und Bühne bleibt ein Beispiel dafür, wie politische Verfolgung über Generationen nachwirkt – und wie spät das Schweigen gebrochen werden kann.