Eike Immel muss trotz 107 Fällen nicht ins Gefängnis
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Justiz

Eike Immel muss trotz 107 Fällen nicht ins Gefängnis

Der frühere Fußball-Nationaltorwart Eike Immel ist im Berufungsverfahren zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Landgericht Marburg würdigte sein Geständnis und die offene Schilderung seiner Kokainsucht – der 65-Jährige muss nicht ins Gefängnis.

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Eike Immel (65) muss doch nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Marburg verurteilte den früheren Fußball-Nationaltorwart am Mittwoch im Berufungsverfahren zu zwei Jahren Haft auf Bewährung, wie der Bericht der Tagesschau zum Urteil zeigt.

Damit entgeht der frühere VfB- und Dortmund-Keeper einer unbewährten Haftstrafe: Das Amtsgericht Marburg hatte ihn im August 2025 noch zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Immel sich in 107 Fällen Geld von Bekannten lieh und es nicht zurückzahlte – jedes Mal soll er von einem finanziellen Engpass gesprochen haben. Der Schaden liegt bei rund 34.000 Euro; sein früherer Berater hatte ihn angezeigt und ihm über Monate Beträge zwischen 80 und 1.000 Euro geliehen.

Kokain-Beichte im Berufungsprozess

Im Berufungsprozess legte Immel zu Beginn ein Geständnis ab. Er räumte ein, das ergaunerte Geld für seine Kokainsucht gebraucht zu haben. Zeitweise habe er regelmäßig Drogen konsumiert; sein Anwalt berichtete von Rückfällen – zuletzt vor wenigen Wochen.

Er entschuldigte sich bei den als Zeugen geladenen Geschädigten. Zu ihnen gehörten auch der 2025 verstorbene Weltmeister Andreas Brehme und dessen Lebensgefährtin.

Ich kann es nur wiederholen, dass es mir wahnsinnig leidtut. Im Grunde kann ich dankbar dafür sein, dass ich angezeigt wurde. Ich gebe alles zu. Ich will nicht mehr lügen. Ich hoffe, dass ich eine zweite Chance bekomme, wirklich zu zeigen, dass ich das auch mache, was ich gesagt habe.
Eike Immel, Ex-Nationaltorwart

Mit dieser offenen Beichte traf Immel genau den Ton, den das Gericht später honorierte. Seine Reue war einer der Gründe, warum die Richter von einer Haftstrafe absahen.

Urteil: Bewährung, Therapie und 200 Arbeitsstunden

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten gefordert. Immels Verteidiger Burkhard Benecken plädierte auf Bewährung – und das Landgericht folgte der Verteidigung, wie die Agenturmeldung der FAZ berichtet.

Das Gericht setzte die Bewährungszeit auf vier Jahre fest und ordnete eine Drogenentzugstherapie, regelmäßige Drogentests sowie 200 Stunden gemeinnützige Arbeit an.

Der Vorsitzende Richter Dominik Balzer würdigte Immels Offenheit: „Er hat die Hosen runtergelassen, auch in Angelegenheiten, zu denen er sich nicht hätte äußern müssen.“ Zugleich warnte er: „Wenn Sie sowas in der Zukunft bringen, wissen Sie jetzt auch selbst, dass Sie in allerkürzester Zeit in der JVA landen.“

Gerettet habe Immel vor allem seine offene Reue und die Entschuldigung bei einem Opfer, dem er allein rund 20.000 Euro abgenommen hatte.

Vom Nationaltorwart zum Betrugsfall

Immel, der zwischen 1980 und 1988 19 Länderspiele für die DFB-Auswahl bestritt und 1980 zum Kader des Europameisters gehörte, wurde 1992 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister. Später spielte er für Manchester City, wo er 1997 wegen Hüftarthrose seine Karriere beendete.

Finanziell ging es danach steil bergab: 2008 meldete Immel Privatinsolvenz an, weil sich Bauherrenmodelle als Totalverlust erwiesen, und nahm am RTL-Dschungelcamp teil. Im selben Jahr wurde er in Marburg wegen Betrugs zu einer Geldstrafe von rund 5.000 Euro verurteilt.

Bereits 2012 musste er sich wegen Kokainvorwürfen vor Gericht verantworten, das Verfahren endete mit einem Freispruch.

Immels Abstieg: Die wichtigsten Stationen

  1. 1980 – 1988
    19 Länderspiele und EM-Titel

    Immel gehört 1980 zum Kader des Europameisters und bestreitet 19 Länderspiele.

  2. 1992
    Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart

    Immel gewinnt die Bundesliga-Meisterschaft.

  3. 1997
    Karriereende bei Manchester City

    Hüftarthrose zwingt ihn zum Aufhören.

  4. 2008
    Privatinsolvenz und erste Betrugsverurteilung

    Immel meldet Privatinsolvenz an und erhält eine Geldstrafe von rund 5.000 Euro.

  5. August 2025
    Amtsgericht verurteilt zu Haft

    Das Amtsgericht Marburg verurteilt Immel zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft.

  6. 9. September 2026
    Bewährung statt Gefängnis

    Das Landgericht Marburg mildert die Strafe auf zwei Jahre Haft mit Bewährung.

Was Immel jetzt droht

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft kann Revision einlegen. Für Immel bleibt die Bewährung an strikte Auflagen geknüpft – ein Verstoß würde ihn direkt ins Gefängnis bringen.