Deniz Yücel wird 53: Vom Silivri-Häftling zum PEN-Sprecher
Bild: KI-generiert
Meinungsfreiheit

Deniz Yücel wird 53: Vom Silivri-Häftling zum PEN-Sprecher

An seinem 53. Geburtstag ist der Journalist und PEN-Berlin-Sprecher so streitbar wie nie: Nach 367 Tagen Haft in Silivri, einem EGMR-Urteil gegen die Türkei und dem Abschied von der „Welt“ diskutiert er über Heimat – am Samstag in Parchim.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

367 Tage saß Deniz Yücel in türkischer Haft, 290 davon in Einzelhaft. An diesem Donnerstag wird der Journalist und Schriftsteller 53 Jahre alt – und redet weiter über Heimat, Grenzen und die Freiheit des Wortes.

Seit Juni 2022 ist Yücel Sprecher des PEN Berlin; im April dieses Jahres verließ er nach elf Jahren die „Welt“. Am Samstag, dem 12. September, diskutiert er in der Parchimer Kulturmühle mit der Schriftstellerin Adriana Altaras und dem früheren Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse die Frage: „Ist das noch/schon mein Land?“

Deniz Yücel – die wichtigsten Stationen

  1. 10. September 1973
    Geburt in Flörsheim am Main

    Als Sohn türkischer Gastarbeiter geboren, besitzt er die deutsche und türkische Staatsbürgerschaft.

  2. 27. Februar 2017
    Haftbeginn in Silivri

    Als Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe wird er ohne Anklage in Untersuchungshaft genommen.

  3. 16. Februar 2018
    Freilassung nach 367 Tagen

    Nach politischem Tauziehen zwischen Ankara und Berlin kommt er frei und reist aus.

  4. 16. Juli 2020
    Verurteilung in Abwesenheit

    Ein Istanbuler Gericht verhängt zwei Jahre, neun Monate und 22 Tage Haft wegen Terrorpropaganda.

  5. Januar 2022
    EGMR verurteilt die Türkei

    Der Europäische Gerichtshof stellt Verletzungen von Freiheit und Meinungsfreiheit fest.

  6. 10. Juni 2022
    Sprecher des PEN Berlin

    Yücel wird neben Eva Menasse zum Sprecher des neu gegründeten PEN Berlin gewählt.

  7. 30. April 2026
    Abschied von der „Welt“

    Nach elf Jahren endet sein Engagement bei der WeltN24-Gruppe in Freundschaft.

367 Tage in Silivri ohne Anklage

Die Haft begann am 27. Februar 2017. Als Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe wurde Yücel im Hochsicherheitsgefängnis Silivri in Untersuchungshaft genommen – ohne Anklageschrift. Ihm wurden Volksverhetzung, PKK-Propaganda und Propaganda für die Gülen-Bewegung vorgeworfen.

Erst nach politischem Tauziehen zwischen Ankara und Berlin kam er am 16. Februar 2018 frei. Zeitgleich erhob die Staatsanwaltschaft Anklage und forderte bis zu 18 Jahre Haft. Im Juli 2020 verurteilte ihn ein Istanbuler Gericht in Abwesenheit zu zwei Jahren, neun Monaten und 22 Tagen Haft.

Im Januar 2022 stellte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte fest, dass die Türkei Yücels Recht auf Freiheit und freie Meinungsäußerung verletzt hat. Auch das türkische Verfassungsgericht urteilte, seine Berichterstattung sei von der Pressefreiheit gedeckt.

Abschied von der „Welt“ nach elf Jahren

Am 30. April 2026 endete sein Engagement bei der WeltN24-Gruppe. Wie der Spiegel den Abschied von der „Welt“ nach elf Jahren berichtete, hatte Yücel den Wechsel selbst angekündigt.

Was auf den Tag genau vor elf Jahren begann, endet morgen in aller Freundschaft.
Deniz Yücel, Journalist und Publizist

Wohin es ihn beruflich zieht, ließ Yücel offen. In der Redaktionskonferenz der „Welt“ war die Personalie nach Medienberichten kaum ein Thema.

Heimatdebatte in Parchim

Nur zwei Tage nach seinem Geburtstag, am 12. September, steht Yücel in der Parchimer Kulturmühle auf der Bühne. Der PEN Berlin organisiert dort im Rahmen seiner „Heimatreihe“ ein offenes Gespräch mit der Schriftstellerin Adriana Altaras und Wolfgang Thierse, dem früheren Bundestagspräsidenten.

Wir laden sehr unterschiedliche Menschen dazu ein, über Heimat zu reden, persönlich und politisch
Deniz Yücel, Sprecher des PEN Berlin

Nach Stationen in Güstrow, Neubrandenburg und Waren (Müritz) ist Parchim die vierte Veranstaltung der Reihe. Wie der Nordkurier über die Parchimer Heimatdebatte berichtet, soll das Publikum ausdrücklich widersprechen dürfen.