Trump behauptet Rettung am Ground Zero – Neffe widerspricht
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Gedenken und Belege

Trump behauptet Rettung am Ground Zero – Neffe widerspricht

Bei der Gedenkfeier „Steel Across America“ erzählt Donald Trump, zwei Feuerwehrleute hätten ihn am Ground Zero hochgehoben und weggetragen. Belege fehlen, das Weiße Haus schweigt zu Beweisen – und sein Neffe Fred Trump III widerspricht öffentlich.

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Donald Trump behauptet, zwei Feuerwehrleute hätten ihn am Ground Zero unter den Armen gepackt, hochgehoben und in Sicherheit getragen. Belege dafür gibt es bis heute nicht – und der schärfste öffentliche Widerspruch kommt nun aus seiner eigenen Familie.

Auslöser ist Trumps Auftritt am 8. September 2026. Bei der Veranstaltung „Steel Across America“ der gemeinnützigen Tunnel to Towers Foundation auf der Ellipse in Washington, D.C. ehrte der US-Präsident die 2.977 Todesopfer der Anschläge vom 11. September 2001 – und verband das Gedenken mit einer persönlichen Heldengeschichte.

Als Gedenkobjekt stand ein 21 Fuß (rund 6,4 Meter) langer und 16.000 Pfund schwerer Stahlträger aus dem Südturm des World Trade Center. Er tourt seit Mai 2026 im Rahmen einer 40-Städte-Tour durch die USA und war zuvor unter anderem am Space Center in Houston und am Mount Rushmore zu sehen.

Die Rede auf der Ellipse

Trump schilderte, er habe damals „ein großes Gebäude in New York“ gebaut und „die gesamte Belegschaft“ zum Ground Zero mitgenommen: „Niemand zögerte, alle kamen mit.“ Das U.S. Steel Building – heute One Liberty Plaza – habe „geknarzt, richtig geknarzt“, man habe geglaubt, es stürze ein.

Ich werde zwei Feuerwehrleute nie vergessen. Wir dachten, es käme auf uns herunter, und zwei Feuerwehrleute, große, starke Kerle. Und ich bin nicht der kleinste Mann der Welt. Sie packten mich unter den Armen, sagten: „Wir müssen hier raus.“ Und sie hoben mich buchstäblich hoch. Das ist nicht einfach. Ich bin groß. Sie hoben mich hoch und rannten mit mir los. Ich sagte: „Jungs, ich kann selbst rennen.“
Donald Trump, US-Präsident

Bei derselben Veranstaltung überreichte Trump posthum die Presidential Medal of Freedom an Welles Crowther, den „Mann mit dem roten Bandana“. Der 24-jährige Aktienhändler und freiwillige Feuerwehrmann rettete im Südturm bis zu 18 Menschen und starb dabei. Die Auszeichnung nahmen seine Mutter Alison Crowther und seine Schwester Paige Crowther Charbonneau entgegen.

Trump kommentierte die Ehrung mit den Worten, der Mann mit dem roten Bandana sei berühmter geworden als er selbst, das gefalle ihm nicht. Anwesend waren unter anderem Handelsminister Howard Lutnick, dessen Firma Cantor Fitzgerald 658 Mitarbeiter verlor, Generalstaatsanwalt Todd Blanche und Heimatschutzminister Markwayne Mullin.

Was belegt ist – und was nicht

Belegt ist Trumps Anwesenheit in New York am 11. September 2001 – nach übereinstimmenden Berichten im Trump Tower in Midtown Manhattan, rund vier Meilen (etwa 6,5 Kilometer) vom World Trade Center entfernt. Der früheste Foto- oder Videobeleg für seine Nähe zum Ground Zero stammt vom 13. September 2001: An diesem Tag sagte er dem deutschen Sender N24, er habe „gerade viele Männer hier unten“, über 100, weitere 125 kämen.

Wie weit war Trump vom World Trade Center entfernt?

Entfernungen in Meilen, Stand September 2001

Quelle: Angaben aus der Berichterstattung zum 25. Jahrestag

Für Trumps Anwesenheit am oder im One Liberty Plaza und für die Rettung durch zwei Feuerwehrleute gibt es keinerlei Belege. Eine Überprüfung der 9/11-Erzählungen durch PolitiFact fand keine Hinweise darauf, dass Trump Hunderte Arbeiter zur Bergung entsandte. Auch CNN fand keine Belege für einen Aufenthalt im Gebäude.

Der damalige FDNY-Bataillonschef Richard Alles sagte 2019, jeder am Ground Zero habe unter direkter Aufsicht von Polizei und Feuerwehr gestanden. Er kenne niemanden, der Trump dort je gesehen habe. Auch der Autor Timothy O’Brien hält die Schilderung für unmöglich: Die Trump Organization habe damals nur „ein paar Dutzend Leute“ beschäftigt, die meisten davon Casino-Mitarbeiter in Atlantic City.

Dokumentiert ist immerhin, dass es am 12. September 2001 Evakuierungen wegen Sorgen um die Statik von One Liberty Plaza gab – die Federal Reserve Bank of New York musste ihre Mitarbeiter aus dem Gebäude lassen. Einen weiteren Fall von Statikproblemen bei einem Umbau in Manhattan hat jux.news im Juli 2026 dokumentiert: der Säulenbruch beim Mega-Umbau in Manhattan.

Der Widerspruch aus der Familie

Am Abend des 9. September 2026 widersprach Trumps Neffe Fred Trump III öffentlich, über dessen Einlassung mehrere US-Medien berichteten. Der Sohn von Trumps 1981 verstorbenem Bruder Fred Trump Jr. wurde 2024 durch seine Autobiografie „All in the Family“ bekannt.

Ich versuche, nicht persönlich über meinen Onkel zu kommentieren, aber seine Behauptung, er habe eine Crew von Arbeitern zur Hilfe an den Ort gebracht, beleidigt mich so sehr, dass ich mich äußern muss. Er hat damals kein „großes Gebäude“ gebaut. Die einzige Crew, die er angeblich an den Ort brachte, wären Sekretariats- und Buchhaltungsangestellte aus dem Trump Tower gewesen. Ich kannte viele von ihnen, und ich bin ziemlich sicher, dass sie körperlich nicht in der Lage waren zu helfen.
Fred Trump III, Neffe von Donald Trump und Autor

Fred Trump III erklärte weiter, der Großvater eines engen Freundes sei einer der ursprünglichen Ingenieure des U.S. Steel Building gewesen – „das Gebäude wurde stark gebaut“. Der Bruder eines Geschäftspartners sei als Ingenieur sofort zur Inspektion gerufen worden; das Gebäude sei schließlich wieder für bewohnbar erklärt worden. „Es knarzte nicht und war nicht einsturzbereit.“

Keine Belege aus dem Weißen Haus

Trump wies die Berichterstattung am 8. September 2026 zurück. Er sei dort gewesen, „offensichtlich nicht am selben Tag wie der Einsturz, aber kurz danach, mit einer großen Gruppe von Bauarbeitern“. Alles, was er gesagt habe, sei „absolut zutreffend“. Er verlangte Richtigstellungen von Medien und verwies auf seinen früheren Sicherheitschef Matthew Calamari.

Auslöser war unter anderem ein Artikel des New York Magazine, das Trumps Schilderung als „seltsame Lüge darüber, wo er am 11. September war“ bezeichnete. Weißes-Haus-Sprecher Davis Ingle teilte mit, Trump habe „seine Erfahrung einer Stadt im Ausnahmezustand“ geschildert, und nannte die Kritik einen politisch motivierten Angriff der Medien. Belege für die Rettungsgeschichte lieferte er nicht.

Eine Erzählung, die sich wandelt

Trumps 9/11-Geschichte hat sich über die Jahre mehrfach verändert. 2015 sagte er, er habe aus einem Fenster seiner Wohnung gesehen, wie Menschen aus den Türmen sprangen – der Trump Tower ist vier Meilen entfernt. Im selben Jahr behauptete er, in Jersey City hätten „Tausende und Abertausende“ Muslime den Einsturz gefeiert; die örtliche Polizei wies das zurück. Ein Faktencheck zu Trumps wechselnden 9/11-Schilderungen listet weitere Versionen auf.

Von der ersten Version bis zum Widerspruch des Neffen

  1. 11. September 2001
    Trump ist im Trump Tower

    Nach übereinstimmenden Berichten hält sich Trump in Midtown Manhattan auf, rund vier Meilen vom World Trade Center entfernt.

  2. 13. September 2001
    Erster belegter Auftritt am Ground Zero

    Trump gibt dem deutschen Sender N24 ein Interview und spricht von über 100 Männern vor Ort und etwa 125 weiteren, die noch kämen.

  3. Januar 2016
    Erste Version der Feuerwehr-Episode

    Bei einem Wahlkampfauftritt in Portsmouth, New Hampshire, erzählt Trump, die Szene habe sich „ein paar Tage nach 9/11“ ereignet.

  4. 2019
    Feuerwehrchef widerspricht

    Der damalige FDNY-Bataillonschef Richard Alles sagt, er kenne niemanden, der Trump am Ground Zero gesehen habe.

  5. 6. September 2026
    Interview bei Fox News

    Im Gespräch mit Trey Gowdy sagt Trump, er sei „am folgenden Tag“ nach Ground Zero gegangen und habe „lange und hart gearbeitet“.

  6. 8. September 2026
    Rede bei „Steel Across America“

    Auf der Ellipse in Washington erzählt Trump, zwei Feuerwehrleute hätten ihn hochgehoben und weggetragen; er überreicht posthum die Medal of Freedom an Welles Crowther.

  7. 9. September 2026
    Neffe widerspricht öffentlich

    Fred Trump III erklärt, sein Onkel habe kein großes Gebäude gebaut und die angebliche Crew habe aus Sekretariats- und Buchhaltungskräften bestanden.

Gedenken im Pentagon statt am Ground Zero

Der Streit fällt in ein aufgeladenes Gedenken. Trump nimmt am 11. September 2026 nicht an der Zeremonie am Ground Zero teil, sondern gedenkt im Pentagon in Arlington, Virginia. Die New York Times berichtete unter Berufung auf anonyme Quellen, ein Grund sei, dass er in New York keine Rede halten dürfe – das 9/11 Memorial and Museum lässt seit 2012 keine Politikerreden am Ort zu.

Trump wies das zurück und griff die Times-Reporterin Maggie Haberman an. Vizepräsident JD Vance vertritt ihn in New York, weitere Regierungsvertreter reisen zur Flight-93-Gedenkstätte in Shanksville in Pennsylvania. Für zusätzlichen Zündstoff sorgt die Teilnahme von New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani an der New Yorker Zeremonie.

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Bis heute fehlt der Nachweis. Auf die Frage nach Dokumenten, die Trumps Schilderung stützen, reagierte das Weiße Haus nicht; PolitiFact wurde an die Trump Organization verwiesen, die nicht antwortete. CNN-Faktenchecker Daniel Dale schrieb, das Weiße Haus habe „keine“ Beweise oder Details geliefert. Ob nach dem 25. Jahrestag Belege folgen, hat die Regierung bislang nicht zugesagt.