Söhne-Mannheims-Rapper Marlon B. soll auf Jamaika erschossen worden sein
Bild: KI-generiert
Tödlicher Überfall

Söhne-Mannheims-Rapper Marlon B. soll auf Jamaika erschossen worden sein

Ein früherer Musiker der Söhne Mannheims soll in Jamaika erschossen worden sein. Die Polizei führt den Toten als „recording artiste … Marlon B.", die Band bestätigt den Eingang der Nachricht – eine offizielle Identifizierung steht aber aus.

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Ein früherer Musiker der Söhne Mannheims soll am Mittwoch in Jamaika erschossen worden sein. In einer Bar in Robin's Bay an der Nordküste der Insel starben bei einem Überfall drei Männer, unter ihnen Marlon James (60), den die Polizei als „recording artiste … Marlon B." führt.

Mit ihm starben Sazaree Clarke (22) und der Maurer Peter-John Fagan (42) – alle drei wohnten in dem Küstenort. Nach Angaben der Polizei fuhr ein weißer Toyota Axio vor der Bar vor, ein Bewaffneter stieg aus, betrat das Lokal und eröffnete das Feuer auf die drei Männer, wie der Bericht des Jamaica Gleaner über die Tat beschreibt.

X · @TobiasHuch

Clarke und Fagan wurden tot am Tatort gefunden, James starb später im Krankenhaus. Fagan hielt sich beim Eintreffen der Schützen nach diesen Berichten außerhalb des Gebäudes auf und wurde beim Fluchtversuch beschossen. Die Täter flohen mit dem Fahrzeug; am Tatort wurden mehrere Patronenhülsen sichergestellt.

Die Spur führt zu den Söhne Mannheims

Die Verbindung zu dem Mannheimer Kollektiv stellte zuerst der Journalist Tobias Huch her: Er habe erfahren, dass der Sänger Marlon B. in Jamaika erschossen worden sei, wo er eine Bar betrieben habe. BILD, n-tv, RUHR24 und krone.at gaben seine Angaben übereinstimmend wieder.

Offiziell bestätigt ist die Identität damit nicht. Ralf Laubscher, Sprecher der Söhne Mannheims, sagte gegenüber BILD lediglich, die Band habe an diesem Tag von der Nachricht erfahren. Eine offizielle Bestätigung des Todes scheitert an einer Formalie: Die Familie war dafür nicht erreichbar.

Die Band hat heute davon erfahren.
Ralf Laubscher, Sprecher der Söhne Mannheims

Laubscher hält die jamaikanischen Quellen – unter anderem den Radiosender IRIE FM und den Jamaica Gleaner – für seriös, wie er RTL sagte; bestätigen könne er den Tod aber nicht. Am Abend des 10. September postete die Band auf Instagram eine RIP-Botschaft mit einem Foto Marlons.

Wer war Marlon B.?

Der Musiker mit jamaikanischen Wurzeln war schon Anfang der Neunzigerjahre in Frankfurt am Main aktiv: 1991 erschien bei Hansa seine Single „Da La De La (Africa Center of the World)", produziert von Kerim Saka und Mike Wonder. Laut Discogs blieb sie seine einzige Soloveröffentlichung.

Vom Frankfurter Studio in die Bar von Robin's Bay

  1. 1991
    Erste und einzige Solo-Single

    Marlon B. veröffentlicht bei Hansa „Da La De La (Africa Center of the World)".

  2. 1995
    Gründung der Söhne Mannheims

    Das Mannheimer Kollektiv entsteht, Marlon B. ist in der Frühphase dabei.

  3. 2000
    Debütalbum „Zion"

    Er steuert Rap-, Hip-Hop- und Reggae-Parts bei.

  4. 2004
    „Babylon System„ auf „Noiz“

    Das Album wird dreifach mit Platin ausgezeichnet.

  5. 2008
    Platz 1 mit „Das hat die Welt noch nicht gesehn"

    Der von ihm mit Xavier Naidoo geschriebene Song führt die deutschen Singlecharts an, in der Schweiz Platz 3.

  6. 2017
    Abschied von der Band

    Nach dem Ausstieg von Xavier Naidoo verlässt Marlon B. die Gruppe und wandert nach Jamaika aus.

  7. 9. September 2026
    Drei Tote in einer Bar in Robin's Bay

    In dem Lokal, das Marlon B. betrieben haben soll, werden drei Männer erschossen.

Später tauchte er auf Tracks des Frankfurter Hip-Hop-Labels Ruff-N-Raw auf, kam über Moses Pelhams 3P-Label in die Szene und ist auf Sabrina Setlurs Album „Aus der Sicht und mit den Worten von„ zu hören. Beim 1995 gegründeten Kollektiv Söhne Mannheims steuerte er auf dem Debütalbum „Zion“ (2000) Rap-, Hip-Hop- und Reggae-Parts bei.

Für das dreifach mit Platin ausgezeichnete Album „Noiz„ (2004) kam „Babylon System“ hinzu. Der von ihm mit Xavier Naidoo geschriebene Song „Das hat die Welt noch nicht gesehn" erreichte 2008 Platz 1 der deutschen Singlecharts und Platz 3 in der Schweiz. Nach dem Zerwürfnis um Naidoo verließ er die Band 2017, wanderte in seine Heimat aus und eröffnete in Robin's Bay die Bar, in der er getötet wurde.

Ermittlungen, Widersprüche und offene Fragen

Die Major Investigation Division der jamaikanischen Polizei hat den Dreifachmord übernommen, wie IRIE FM über die übernommenen Ermittlungen berichtet. Das Motiv ist bislang unklar. Superintendent Anthony Wallace, Polizeichef von St. Mary, kündigte zusätzliche Kräfte und verstärkte Patrouillen in der Parish an.

Die Polizei rief die Bevölkerung ausdrücklich dazu auf, nicht zu spekulieren und keine unbestätigten Informationen zu verbreiten, die die Ermittlungen beeinträchtigen könnten. Zeugen, die den Angriff oder das Fahrzeug beobachtet haben, sollen sich bei der Polizei von Port Maria, bei Crime Stop oder über die NIB-Tip-Line melden.

Widersprüchlich bleiben die Angaben zum Ablauf: Ein Polizeisprecher sprach gegenüber dem Jamaica Observer von einem einzelnen Täter und einer Tatzeit gegen 13.40 Uhr. Jamaica Gleaner, IRIE FM und RTL berichten dagegen von mehreren Bewaffneten und einem Angriff gegen 16.40 Uhr Ortszeit.

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Der Ort reagiert fassungslos: Der Jamaica Gleaner beschreibt Robin's Bay als „eine ansonsten ruhige Gemeinde". Angehörige betonten, keines der Opfer sei mit Kriminalität oder lokalen Konflikten in Verbindung gestanden. Lokale Vertreter forderten das Ministry of National Security auf, gezielte Einheiten gegen Schusswaffengewalt nach St. Mary zu entsenden.

Solange die Familie nicht erreichbar ist, bleibt offen, ob der Tote tatsächlich der frühere Söhne-Mannheims-Musiker ist. Die Polizei sucht weiter nach Zeugen und nach dem weißen Toyota Axio – und nach einem Motiv.