Mit der Einnahme der Hafenstadt Mokka kontrollieren die Huthi den nördlichen Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab – jener Wasserstraße, über die nach Angaben von ZEIT und BR üblicherweise etwa zwölf Prozent des weltweiten Warenverkehrs laufen.
Die vom Iran unterstützte Miliz nahm Mokka am Donnerstag, dem 10. September 2026, ein. Die Agenturen Reuters, dpa und AP meldeten die Einnahme übereinstimmend und beriefen sich auf jemenitische Regierungs- und Militärkreise sowie auf Bewohner der Stadt, die von Huthi-Kämpfern in Mokka berichteten.
Mokka war bis dahin der einzige größere Rotmeer-Hafen der international anerkannten Regierung und Hauptquartier der regierungstreuen „Nationalen Widerstandskräfte“ (NRF). Deren Kommandeur Tarik Salih, ein Neffe des getöteten Ex-Präsidenten Ali Abdullah Salih, wies seine Kämpfer an, sich an einen sicheren Ort südlich der Stadt zurückzuziehen; die Truppen an der Westküste hätten einen „schweren Preis“ gezahlt.
Für die Miliz ist es der größte Gebietsgewinn seit 2022. Beobachtern zufolge können die Huthi den Schiffsverkehr im Roten Meer nun noch gezielter angreifen oder stören als zuvor.
27 Kilometer zwischen Jemen und Dschibuti
Mokka liegt rund 70 bis 80 Kilometer nördlich von Bab al-Mandab. Die Meerenge, wegen der schwierigen Bedingungen auch „Tor der Tränen“ genannt, verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und damit dem Indischen Ozean. An ihrer engsten Stelle trennen die jemenitische Küste und Dschibuti nur rund 27 Kilometer.
Die Huthi haben dort in vergangenen Jahren wiederholt Handelsschiffe mit Raketen und Drohnen attackiert, teils versenkt oder gekapert. Mit Mokka in ihrer Hand gewinnen sie direkten Zugriff auf die nördlichen Zufahrten zur Meerenge.
Die Route ist für den Welthandel zentral: Nach Angaben von ZEIT und BR laufen über Bab al-Mandab üblicherweise etwa zwölf Prozent des weltweiten Warenverkehrs. Im Juni 2026 passierten rund 7,4 Millionen Barrel Öl täglich die Meerenge, etwa sieben Prozent der weltweiten Produktion; in früheren Jahren waren es mehr als 20.000 Schiffe pro Jahr, rund 55 bis 60 pro Tag.
Was durch Bab al-Mandab läuft
Anteile am weltweiten Warenverkehr und an der weltweiten Ölproduktion
Grundberg warnt vor einer neuen Phase
Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Hans Grundberg, warnte den UN-Sicherheitsrat am Donnerstag in einer Dringlichkeitssitzung vor einer „neuen und gefährlicheren Phase“ des Jemen-Kriegs. Er sprach von der „harten Realität“ einer Rückkehr zum Krieg und davon, dass die Folgen einer ungebremsten Entwicklung nicht auf den Jemen beschränkt blieben.
„Die Einnahme von Mokka verschaffe den Huthi direkte Präsenz an den Zugängen zur Meerenge Bab al-Mandab und wecke ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Freiheit der Schifffahrt auf einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt.“
Bereits am 7. September hatte Grundberg vor einer Rückkehr zum großflächigen Krieg im Jemen gewarnt. In derselben Sitzung kündigte Saudi-Arabiens UN-Botschafter Abdulasis Alwasil Gegenmaßnahmen an und berief sich auf das Recht des Königreichs, seine territoriale Unversehrtheit im Einklang mit der UN-Charta und dem Völkerrecht zu schützen.
Der Vormarsch an der Küste
Nach der Einnahme Mokkas rückten die Huthi weiter auf die Meerenge zu, wie Militärkreise der dpa berichteten. Reuters meldete Angriffe auf die vorgelagerten Hanisch-Inseln, die Agentur AFP die Einnahme der Insel Zuqar. Aus Regierungskreisen hieß es zunächst, die Inseln seien weiter in der Hand der verbündeten „Widerstandskräfte“; Regierungstruppen und ihre Verbündeten zogen sich nach Süden in die Stadt Dhubab zurück.
Am Freitag, dem 11. September, erreichten die Huthi laut Reuters auch die Insel Mayyun (Perim), nachdem sich die Regierungstruppen von dort zurückgezogen hatten; zugleich fiel Dhubab. Die Insel Perim teilt die Meerenge in zwei Schifffahrtsrouten. Nach Al Jazeeras Bericht zur Huthi-Kontrolle der Rotmeer-Küste beherrscht die Miliz damit die gesamte jemenitische Küste des Roten Meeres.
Der Vorsitzende des Hohen Politischen Rats der Huthi, Mahdi al-Maschat, erklärte, die Lage in Mokka habe sich nach den Kämpfen stabilisiert, und bot Kämpfern, die die Waffen niederlegen, eine Amnestie an. Videos der Miliz aus dem Zentrum der Stadt ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen; die Denkfabrik ISW verweist auf geoverifizierte Aufnahmen vom Morgen des 10. September.
Vom Waffenstillstand zum Kampf um die Meerenge
- 2022Von den UN vermittelte Waffenruhe
Der Jemen-Krieg, in dem Saudi-Arabien seit 2015 die international anerkannte Regierung unterstützt, kommt weitgehend zum Erliegen.
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Im Zuge des Iran-Kriegs flammen die Kämpfe im Jemen neu auf.
- Ende Juli 2026Huthi verhängen Seeblockade gegen Saudi-Arabien
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- 5. September 2026Regierungstreue Kräfte starten eine Gegenoffensive
Verbände um die „Nationalen Widerstandskräfte“ rücken in die Huthi-kontrollierte Küstenebene im Süden der Provinz Hudaida vor und nehmen den Bezirk Hays ein.
- 9./10. September 2026Huthi verlegen Kämpfer und nehmen Mokka ein
In der Nacht zum 10. September dringen die Kämpfer in die Hafenstadt ein; die NRF zieht sich nach Süden zurück.
- 11. September 2026Huthi erreichen Perim und Dhubab
Nach Angaben von Regierungsquellen fällt die Insel Mayyun und die Küstenstadt Dhubab.
Saudi-Arabien droht, Trump lehnt ab
Nach Huthi-Angaben beschoss die saudische Luftwaffe am Freitagmittag den Flughafen von Mokka. Die den Huthi nahestehende Nachrichtenagentur Saba meldete rund 40 saudische Luftangriffe in den Provinzen Tais, Hudaida, Al-Dschauf und Marib; watson.ch nannte unter Berufung auf die Huthi mehr als 60 Luftangriffe binnen 24 Stunden. In der südwestlichen Stadt Chamis Muschait löste Saudi-Arabien am Donnerstag mehrmals Luftalarm aus.
Nach einem Bericht des Portals Axios soll der 41-jährige Kronprinz Mohammed bin Salman US-Präsident Donald Trump am Donnerstag zweimal angerufen und zu Militärschlägen gegen die Huthi aufgefordert haben. Trump habe die Bitte abgelehnt und wolle sich auf den Konflikt mit dem Iran konzentrieren. Die USA seien besorgt über den eskalierenden Konflikt, wollten aber eine direkte militärische Beteiligung vermeiden.
Ölpreis, Iran und eine offene Frage
An den Märkten schlug die Einnahme sofort durch: Der Brent-Rohölpreis mit Lieferung im November erreichte in der Nacht zum Freitag zeitweise fast 110 US-Dollar je Barrel, im frühen Handel lag er bei rund 107,40 Dollar – seit Jahresbeginn fast 80 Prozent im Plus. Auch europäisches Erdgas verteuerte sich, die Frachtraten für Öltanker stiegen stark, und der durchschnittliche US-Dieselpreis erreichte erstmals 6 Dollar je Gallone.
Seit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus im Krieg zwischen USA und Iran (seit Februar 2026) hatte der Bab al-Mandab als Ausweichroute zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Saudi-Arabien leitet seitdem mehr als 70 Prozent seiner Ölexporte über eine Pipeline zum Hafen Yanbu am Roten Meer um. Der Rohstoffökonom Hamad Hussain von Capital Economics sagte der Agentur Bloomberg, die Marktteilnehmer rechneten inzwischen mit einem schwereren und längeren Iran-Krieg.
Die Huthi weisen die Sorge um die Schifffahrt zurück. Politbüro-Mitglied Hazem al-Assad sagte der Nachrichtenseite Al-Araby al-Jadeed, Navigation und internationaler Handel im Roten Meer und am Bab al-Mandab seien „sicher und geordnet“. Huthi-Sprecher Mohammed Abdulsalam erklärte, die Operationen seien defensiv und auf zuvor angekündigte Ziele begrenzt; sie endeten, sobald die Angriffe auf Jemen eingestellt und eine Blockade aufgehoben würden.
Der Iran stärkt den Huthi den Rücken. Vizepräsident Mohammad Resa Aref gratulierte auf der Plattform X: „Wir freuen uns über die Siege des heldenhaften Volkes des Jemen.“ Das Außenministerium forderte ein Ende der saudischen Blockade. Nach Einschätzung des Institute for the Study of War dient die Offensive auch iranischen Zielen im Krieg gegen die USA; US-Beamte gehen von „hunderten“ Offizieren der Revolutionsgarden im Jemen aus.
Seit dem erneuten Aufflammen der Kämpfe wurden nach einer Zählung der Agentur AFP mehr als 500 Menschen getötet, die Internationale Organisation für Migration meldete fast 20.000 Vertriebene. Eine Gegenoffensive der Regierungstruppen ist angekündigt, aber kaum vorbereitet. Offen ist nun, ob Saudi-Arabien zu größeren Schlägen ausholt – und ob der UN-Sicherheitsrat über Worte hinauskommt.
