Busunglück im Engadin fordert fünf Tote und 40 Verletzte
Fünf Tote, 40 Verletzte: Nach dem Busunglück im Engadin ermittelt die Staatsanwaltschaft. Offen ist, ob ein Ausweichmanöver oder ein Selbstunfall die Ursache war.
Bei einem Busunglück im Unterengadin sind fünf Menschen ums Leben gekommen, 40 weitere wurden verletzt. Die Kantonspolizei Graubünden bestätigte am Freitagmorgen den Unfallhergang und die Opferzahlen – knapp 16 Stunden nach dem Geschehen auf der Engadinerstrasse zwischen Zernez und Susch.
Der niederländische Reisecar war am Donnerstag gegen 16:45 Uhr von Zernez in Richtung Susch unterwegs. Nach bisherigen Erkenntnissen kollidierte er mit einer Leitplanke, durchbrach sie, stürzte rechts über die Strasse und rutschte ein kurzes Stück einen Hang hinunter. Der Bus blieb auf einer niedrigen Böschung auf der Seite liegen.
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Die Unfallstelle liegt unweit des Schweizerischen Nationalparks und am Fuss des 2.383 Meter hohen Flüelapasses. An Bord des Cars befanden sich 45 Erwachsene – und niemand von ihnen blieb unverletzt. Neben den fünf Todesopfern zählte die Polizei drei Schwerverletzte, sieben mittelschwer und 30 leicht Verletzte. Die Identifikation der Verstorbenen stand zunächst noch aus.
Die Bilanz des Busunglücks im Engadin
Tote und Verletzte bei 45 Personen an Bord
Quelle: Kantonspolizei Graubünden, 11. September 2026
Sieben Helikopter und 13 Ambulanzen
Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr rückten mit einem Grossaufgebot aus. Sieben Rettungshelikopter der Rega, der Alpine Air Ambulance und von Heli Austria sowie 13 Ambulanzteams brachten die Verletzten in verschiedene Spitäler der Region, darunter Scuol. Die Helikopter verliessen die Unfallstelle erst kurz vor 22 Uhr.
Danach begannen Spurensicherung und Bergung der Todesopfer, die sich bis in die späten Abendstunden zog. Der Unglücksbus wurde in der Nacht geborgen. Die Engadinerstrasse zwischen Zernez und Susch war nach dem Unfall vollständig gesperrt und wurde am Freitagmorgen gegen 7 Uhr wieder freigegeben; die Achse Julierpass – Ofenpass – Münstertal ins Südtirol blieb unbeeinträchtigt.
Von der Abreise bis zur bestätigten Bilanz
7. September 2026
Abreise in den Niederlanden
Die Reisegruppe bricht zu einer zehntägigen Oad-Reise mit Schwerpunkt Österreich auf, Ziel ist unter anderem Nauders.
10. September 2026, ca. 16:45 Uhr
Der Reisecar verunglückt
Der Bus kollidiert zwischen Zernez und Susch mit einer Leitplanke, durchbricht sie und bleibt auf der Seite auf einer Böschung liegen.
10. September 2026, Abend
Grossaufgebot und Bergung
Sieben Rettungshelikopter und 13 Ambulanzen sind im Einsatz. Die Polizei spricht von mehreren Toten und Verletzten, nennt aber keine genaue Zahl.
10./11. September 2026, Nacht
Der Bus wird geborgen
Der verunglückte Car wird vom Hang geholt; die Engadinerstrasse bleibt gesperrt.
11. September 2026, Morgen
Fünf Tote, 40 Verletzte
Die Kantonspolizei Graubünden nennt die bestätigte Bilanz. Die Strasse wird gegen 7 Uhr wieder freigegeben.
11. September 2026, Nachmittag
Schweigeminute in Soglio
Die Bündner Regierung gedenkt der Opfer beim Treffen mit Bundesrat Ignazio Cassis.
Am Steuer sass ein Gemeinderat aus Montferland
Am Steuer sass nach übereinstimmenden Angaben mehrerer niederländischer Medien Rob Mos, Gemeinderatsmitglied der lokalen Partei Helder in der Gemeinde Montferland in der Provinz Gelderland und früherer Beigeordneter. Er arbeitet hauptberuflich als Busfahrer und fährt seit Jahren durch ganz Europa.
Der Parteivorsitzende von Helder, Ron Stichter, bestätigte, Mos sei im Spital untersucht und befragt worden; seine Frau sei bei ihm. Die Schweizer Behörden hätten betont, es habe sich nicht um leichtsinniges Fahrverhalten gehandelt. Seine Frau schilderte dem Portal 20 Minuten, wie es dem Chauffeur nach dem Unfall geht: Er sei ansprechbar, aber vom Geschehen schwer mitgenommen; er fahre die Strecke regelmässig und kenne sie gut.
Der Chauffeur sei nicht unter den Todesopfern, sagte Kapo-Sprecher Roman Rüegg. Nach Angaben der belgischen Zeitung Het Belang van Limburg wurde das Mobiltelefon des Fahrers für die Ermittlungen sichergestellt; Ergebnisse von Alkohol- und Drogentests lagen zunächst nicht vor.
Polizei und Reiseverband widersprechen sich
Die Kantonspolizei Graubünden geht nach bisherigen Erkenntnissen von einem Selbstunfall ohne Beteiligung eines zweiten Fahrzeugs aus. Die Unfallstelle liegt in einem Baustellenbereich, in dem die Fahrbahn teilweise nur einspurig befahrbar war; der Verkehr wurde an einer Ampel am Gegenverkehr vorbeigeführt.
Der niederländische Reisebranchenverband ANVR schildert den Hergang anders als die Polizei. Sein Direktor Frank Radstake sagte dem Sender RTL Nieuws:
„Der Chauffeur musste ein Ausweichmanöver durchführen, möglicherweise wegen eines Felsbrockens auf der Fahrbahn. Dabei kippte der Bus auf die Seite und rutschte ein kurzes Stück den Hang hinunter.“
Frank Radstake, Direktor des niederländischen Reiseverbands ANVR
Die Polizei bestätigte diese Darstellung zunächst nicht. Die Staatsanwaltschaft Graubünden klärt gemeinsam mit der Kantonspolizei die Umstände des Unfalls ab; ob und in welchem Umfang strafrechtliche Konsequenzen geprüft werden, blieb offen.
Bestürzung in Bern und Den Haag
Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin erklärte, er sei zutiefst schockiert und bestürzt über den Unfall mit einem niederländischen Reisebus in Graubünden. Die zuständigen Schweizer Behörden würden eine umfassende und gründliche Untersuchung durchführen.
„Ich bin zutiefst schockiert und bestürzt über den heutigen tragischen Unfall mit einem niederländischen Reisebus in Graubünden. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen. Den Familien der Verstorbenen spreche ich mein aufrichtiges Beileid aus.“
Guy Parmelin, Bundespräsident der Schweiz
Die Bündner Regierung zeigte sich in einer Medienmitteilung tief betroffen und kündigte eine Schweigeminute im Rahmen des Treffens mit Bundesrat Ignazio Cassis am Freitagnachmittag in Soglio GR an. Der Gemeindepräsident von Zernez, Domenic Toutsch, sagte, seine Gedanken seien bei den Opfern, Verletzten und Angehörigen in den Niederlanden; im Namen der Gemeinde spreche er sein herzliches Beileid aus.
Der Reiseveranstalter Oad erklärte, man sei zutiefst schockiert und bestürzt; sobald mehr Klarheit herrsche, wolle man die Angehörigen der betroffenen Reisenden unterstützen. Geschäftsführer Arjan Koster sagte der Nachrichtenagentur ANP, die Hilfe für die Opfer habe oberste Priorität. Das Busunternehmen Hartemink aus Eibergen bekundete sein Mitgefühl, machte aber zunächst keine weiteren Angaben.
Aus den Niederlanden kamen ebenfalls Beileidsbekundungen: Aussenminister Tom Berendsen erklärte, die niederländische Botschafterin sei mit einem Team vor Ort. Premierminister Rob Jetten nannte den Unfall ein schreckliches Unglück. König Willem-Alexander und Königin Máxima erklärten, ihr Herz sei bei den Hinterbliebenen und den Verletzten.
Die genaue Unfallursache ist weiterhin unklar. Die Identität der fünf Todesopfer war zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht offiziell bestätigt; offen blieb auch, ob strafrechtliche Konsequenzen geprüft werden. Die Staatsanwaltschaft Graubünden und die Kantonspolizei ermitteln.