Markus Lanz hat die Bühne des Deutschen Fernsehpreises für eine politische Botschaft genutzt – drei Tage nach dem Sieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. „Ich will deutlich sagen: Wir wandern nicht aus. Wir stehen da“, sagte der ZDF-Talkmaster (57) am Mittwochabend im Confex-Center in Köln, wo die Gala erstmals nach Jahren im Coloneum stattfand. Insgesamt wurden 29 Preise vergeben.
„Fürchtet euch nicht! Das, was jetzt gerade kaputtgeht, bauen wir irgendwann ganz lässig einfach wieder auf.“
Für Lanz ist es der zweite Deutsche Fernsehpreis: 2021 hatte er ihn schon einmal in derselben Kategorie „Beste Information“ erhalten. Die Jury begründete die Auszeichnung damit, er hake beharrlich nach, lege Widersprüche gedankenschnell offen und gebe sich nie mit einfachen Antworten zufrieden. Auf der Bühne sagte er auch: „Ich erlebe gerade so viele Leute, die sehr unsicher sind, die teils Angst haben.“
Durch den Abend führte zum neunten Mal Barbara Schöneberger. Die Federführung lag turnusgemäß bei RTL, das die Show ab 20:15 Uhr live übertrug und im August mit der Übernahme des von ProSieben abgesetzten HeidiFest für Schlagzeilen sorgte. Schon am Vorabend waren bei der „Nacht der Kreativen“ in der Flora unter Moderation von Jan Köppen elf Preise in den Gewerken vergeben worden.
Der AfD-Sieg als Hintergrund des Abends
Der Abend fiel in eine aufgeheizte Lage: Am 6. September 2026 hatte die AfD die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit rund 43,8 Prozent gewonnen – laut MDR ihr bester Wert bei einer Landtagswahl überhaupt und stärkste Kraft in allen 218 Gemeinden. Die CDU stürzte auf etwa 17,2 Prozent ab.
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026
Stimmenanteile in Prozent
Mehrere Redaktionen machen dieses Ergebnis zum Hintergrund der politischen Töne der Gala. Wie die WELT über Lanz' politische Botschaft berichtet, gab „ausgerechnet ein Fernsehpreis-Gewinner“ früh am Abend den Ton vor – ein Moderator, der sonst vor allem für seine Fragen bekannt ist und offenkundig Zuversicht vermitteln wollte.
Köster, Hanczewski und Hegemann werden politisch
Fabian Köster gewann mit „heute-show extra: Next Stop Köster“ die Kategorie „Beste Comedy/Late Night“. In dem Format hatte er sich unter anderem mit CSU-Chef Markus Söder einen intensiven Schlagabtausch geliefert; ein so konfrontatives Interview im Fahrstuhl sei „gar nicht in so vielen Ländern auf der Welt möglich“, sagte er.
Köster rief in den Saal: „Gerade in diesen Tagen müssen wir uns das immer ins Gedächtnis rufen, müssen laut sein gegen Hass, gegen Hetze und gegen die Feinde der Demokratie, die so was abschaffen wollen.“ Dafür gab es viel Applaus, wie die Tagesschau über die politischen Reden des Abends berichtet.
Karin Hanczewski wurde als beste Schauspielerin für „Call My Agent Berlin“ ausgezeichnet, in der sie die kompromisslose Schauspielagentin Sascha Massko spielt. Ihre Dankesrede beendete sie mit den Worten: „Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft noch in einer Demokratie leben werden. Danke.“
Der ZDF-Mehrteiler „Olivia“ über das Leben der Dragqueen Olivia Jones wurde bester Fernsehfilm/Mehrteiler; die Verantwortlichen widmeten die Auszeichnung der LGBTQI+-Community. Hauptdarsteller Johannes Hegemann sagte in seiner Dankesrede:
„Queere Menschen werden wieder zum politischen Feindbild gemacht.“
Der Schauspieler verlangte mehr Sichtbarkeit und Schutz für Minderheiten in Deutschland. Olivia Jones ging mit auf die Bühne und sagte: „Es ist genau der richtige Film zur rechten Zeit“ sowie „Wir brauchen einfach mehr Mut statt mehr Wut“. Der Deutschen Presse-Agentur sagte sie: „Wir wollen ja keinem was wegnehmen, werden aber dämonisiert.“
Kloeppel bekommt den Ehrenpreis – und warnt vor KI
Den Ehrenpreis der Stifter für sein Lebenswerk erhielt der langjährige „RTL Aktuell“-Moderator Peter Kloeppel (67); die Auszeichnung war bereits am 1. September vorab bekannt gegeben worden. Die Laudatio auf der Bühne hielt NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), der Kloeppel als „einen der besten Journalisten unserer Zeit“ würdigte.
Kloeppel erinnerte in seiner Rede an Franz Beckenbauer: „Jetzt geht's raus, Jungs, und spielt Fußball.“ Daraus leitete er ab: „Ich sage euch: Jetzt geht's raus und macht gutes Fernsehen.“ Vor überzogenem KI-Einsatz warnte er: „Gutes Fernsehen ist unmöglich ohne eine menschliche Seele und ohne unseren kreativen Geist.“ Und: „Es wäre fatal, wenn wir unsere Gehirne nach San Francisco outsourcen.“
Bereits vor der Verleihung hatten Wüst und Kölns Oberbürgermeister Thorsten Burmester erstmals zur „Golden Hour“ geladen. Wüst nannte NRW das „Medienland Nummer eins“, bezeichnete das Sachsen-Anhalt-Ergebnis als „Zäsur“ und sagte: „Wo nämlich nur noch gesendet wird, was den Mächtigen gefällt, da geht es den Mächtigen vielleicht besser, aber irgendwann allen schlechter.“
Raab, Wontorra und die weiteren Gewinner
Stefan Raab gewann mit seiner RTL-Show „Wer weiß wie wann was?“ (Raab Entertainment) die Kategorie „Beste Unterhaltungssendung“; in der Show treten verschiedene Generationen gegeneinander an. Co-Moderatorin Barbara Schöneberger sagte bei der Übergabe: „Ganz egal, was die anderen sagen: Ich mag dich!“
Schöneberger verkündete zudem, „der Weltfrieden“ sei „in greifbare Nähe gerückt“, weil sich mit Raab und Sebastian Pufpaff zwei einstige Kontrahenten in einem Raum befanden – Pufpaff moderiert inzwischen Raabs frühere ProSieben-Show „TV total“, Raab arbeitet für RTL. Pufpaff ging mit „TV total“ in der Kategorie „Beste Comedy/Late Night“ leer aus.
Laura Wontorra (37) gewann für ihre Moderation von „Deutschland sucht den Superstar“ (RTL) in der Kategorie „Beste Moderation/Einzelleistung Unterhaltung“ – gegen die Tänzer der RTL-Tanzshow „Let's Dance“ und gegen Pierre M. Krause. Sie sagte: „An alle jungen Mädels da draußen: Ihr seid nicht zu laut, nicht zu leise, nicht zu klein, nicht zu groß, nicht zu dick, nicht zu dünn.“
Verkündet wurde der Preis von Schauspielerin Annette Frier und dem früheren Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, beide in Kutten – eine Anspielung auf das RTL-Format „Die Verräter“. Lauterbach witzelte: „Also wenn sich hier einer mit Verrätern auskennt, das sind natürlich wir – die Politiker.“
Größter Gewinner des Abends war die ZDFneo-Serie „Chabos“: Sie wurde beste Comedy-Serie, ihr Ensemble Nico Marischka, Jonathan Kriener, Loran Alhasan und Arsseni Bultmann erhielt den mit 15.000 Euro dotierten Förderpreis. Als beste Drama-Serie setzte sich die sechsteilige ARD-Produktion „Hundertdreizehn“ durch.
Tom Schilling wurde bester Schauspieler für die neuen Folgen von „Achtsam Morden“ und stimmte trotz strenger Zeitvorgaben ein Ständchen für seine Mutter zum 70. Geburtstag an. Ausgezeichnet wurden außerdem „Terra Xplore mit Dr. Leon Windscheid“, „Joko & Klaas LIVE – #dontlookaway“, die Doku-Serie „Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden“ und die WM-Berichterstattung von MagentaTV.
Der Weg zur Gala in der Chronologie
Der Weg zum Deutschen Fernsehpreis 2026
- 1. September 2026Ehrenpreisträger vorab bekannt
Peter Kloeppel wird als Empfänger des Ehrenpreises der Stifter bekannt gegeben.
- 6. September 2026AfD gewinnt die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Die AfD holt 43,8 Prozent, die CDU fällt auf 17,2 Prozent.
- 8. September 2026Nacht der Kreativen in der Flora
Unter Moderation von Jan Köppen werden elf Preise in den Gewerken Regie, Buch, Kamera, Montage, Ausstattung und Musik vergeben.
- 9. September 2026Golden Hour und Gala im Confex-Center
Vor der Verleihung laden Hendrik Wüst und Thorsten Burmester zur „Golden Hour“; ab 20:15 Uhr überträgt RTL die Gala.
- 10. September 2026Die politischen Botschaften bestimmen die Berichte
Die Reden des Abends werden von mehreren Medien zum Thema gemacht.
In der Senderbilanz führte die ARD mit neun Preisen, dicht gefolgt vom ZDF, das an der Gala aufholte, was es in der „Nacht der Kreativen“ mit nur einem Preis verpasst hatte. Ob die Sender nach dem AfD-Ergebnis auch ihr Programm ändern, ließ der Abend offen – die 29 Preise sind vergeben, die politische Debatte geht weiter.
