Die Düsseldorfer Polizei hat am Donnerstagabend das ukrainische Generalkonsulat in der Innenstadt räumen lassen und weiträumig abgesperrt. Auslöser war eine anonyme Bombendrohung gegen die diplomatische Vertretung in der Luisenstraße 9.
Der Einsatz begann nach Polizeiangaben gegen 17.30 Uhr. Die Beamten sprachen zunächst von einer „unklaren Gefahrenlage“. Wie der Bericht zum Großeinsatz am Konsulat festhielt, handelte es sich um eine „sogenannte abstrakte Gefahrenlage aufgrund einer Drohung“. Eine Polizeisprecherin bestätigte den Einsatz, nannte aber zunächst keine Hintergründe.
Was den Alarm auslöste, bestätigte am Abend das ukrainische Außenministerium. Nach der Meldung über die anonyme Bombendrohung ging beim Generalkonsulat ein Hinweis ein, das Gebäude sei vermint. Die Angaben aus Kiew zitierten auch podrobnosti.ua, nv.ua und apostrophe.ua.
Mitarbeiter, die sich zu diesem Zeitpunkt noch im Haus aufhielten, wurden vorsorglich nach draußen gebracht; Besucher waren nicht mehr im Gebäude. Die Pressestelle des Ministeriums teilte mit, die ukrainischen Diplomaten hätten sich an die deutschen Sicherheitsbehörden gewandt, die daraufhin die Gebäudeprüfung durchführten.
Flatterband, Streifenwagen, Diensthunde
Ein dpa-Reporter beschrieb vor Ort eine weiträumige Absperrung: Die Polizei sperrte einen Straßenabschnitt in der Düsseldorfer Innenstadt mit Flatterband ab, mehrere Polizeiwagen standen im Einsatz.
Das lokale Portal Lokalbüro ergänzte eigene Beobachtungen: Neben zahlreichen Streifenwagen seien auch Fahrzeuge mit Diensthunden vor Ort gewesen, ein Bereich rund um das Konsulat wurde mit Flatterband abgeriegelt. Anwohner und Passanten mussten die Absperrungen umgehen.
Der Abend des 10. September 2026 in Düsseldorf
- 10. September 2026, tagsüberAnonyme Bombendrohung geht ein
Nach Angaben des ukrainischen Außenministeriums trifft beim Generalkonsulat eine Drohung ein, das Gebäude sei vermint. Besucher sind zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Haus.
- 10. September 2026, ca. 17.30 UhrBeginn des Polizeigroßeinsatzes
Die Polizei sperrt das Konsulat weiträumig ab und blockiert einen Straßenabschnitt in der Innenstadt mit Flatterband.
- 10. September 2026, früher AbendMitarbeiter werden evakuiert
Die noch anwesenden Beschäftigten kommen nach draußen. Mehrere Streifenwagen und Fahrzeuge mit Diensthunden sind vor Ort.
- 10. September 2026, abendsDurchsuchung ohne Fund
Einsatzkräfte prüfen Gebäude und Umfeld. Sprengstoff oder verdächtige Gegenstände werden nicht gefunden.
- 10. September 2026, ca. 19.15 UhrEntwarnung und Ende des Einsatzes
Die Polizei beendet den Einsatz; gegen 19.30 Uhr werden die Absperrungen aufgehoben. Das Generalkonsulat arbeitet wieder im Regelbetrieb.
- 11. September 2026Berichte, aber keine Angaben zu den Urhebern
Deutsche und ukrainische Medien berichten über den Vorfall. Zu Urheber, Motiv und Hintergrund der Drohung äußern sich die Behörden nicht.
Entwarnung gegen 19.15 Uhr
Einsatzkräfte durchsuchten das Gebäude und sein Umfeld. Explosivstoffe oder verdächtige Gegenstände fanden sie nicht, der Hinweis bestätigte sich nicht. Die Polizei beendete den Einsatz gegen 19.15 Uhr, die Absperrungen fielen nach Angaben des Lokalbüros und von WE NEWS gegen 19.30 Uhr.
Die Pressestelle des ukrainischen Außenministeriums erklärte, Sprengsätze seien nicht gefunden worden, die Einrichtung arbeite weiter im Regelbetrieb. Eine Polizeisprecherin nannte keine weiteren Einzelheiten – auch nicht zu Art und Inhalt der Drohung. Nach Polizeiangaben bestanden am Ende keine konkreten Gefährdungsanhalte.
Die Sperrung dauerte damit rund zwei Stunden: Sie begann mit dem Einsatz gegen 17.30 Uhr und wurde erst gegen 19.30 Uhr vollständig aufgehoben.
Wer steckt hinter der Drohung?
Wer die Drohung ausgesprochen hat, ob es einen politischen oder russischen Hintergrund gab und ob die Ermittlungen beim Staatsschutz liegen, ist öffentlich nicht bekannt. Die Behörden machten auch keine Angaben dazu, ob sich die Bedrohung direkt gegen die ukrainische Vertretung richtete.
Ein Konsulat unter besonderer Beobachtung
Das Generalkonsulat in der Luisenstraße 9 wird von Generalkonsulin Oksana Tarasyuk geleitet, sein Konsularbezirk umfasst Nordrhein-Westfalen. Das lokale Portal Lokalbüro ordnete ein, die Einrichtung gelte seit Beginn des russischen Angriffskriegs als besonders schutzbedürftig und stehe seither unter erhöhter Beobachtung der Sicherheitsbehörden.
In den Wochen zuvor war die Sicherheitsdebatte in Deutschland ohnehin angespannt: Anfang August 2026 wurde auf dem Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit Sprengstoff nahe einem ukrainischen Antonow-Frachtflugzeug entdeckt. Am 1. September machte die Bundesregierung Russland dafür verantwortlich. Ein Zusammenhang mit der Düsseldorfer Drohung ist von den Behörden nicht bestätigt.
Offen bleibt, ob der Staatsschutz den Fall übernimmt und ob die Behörden den Urheber der Drohung noch identifizieren. Bis dahin arbeitet das Generalkonsulat wieder im Regelbetrieb – unter erhöhter Beobachtung.
