„It's punctured me lung“ – „Er hat meine Lunge durchstochen“, rief Steve Irwin († 44) aus dem Wasser. Kurz darauf sagte er zu seinem Kameramann Justin Lyons: „I'm dying“, ich sterbe. Es waren seine letzten Worte. 20 Jahre nach Irwins Tod am 4. September 2006 erzählt Lyons diese Minuten nun in einem australischen Doku-Special – als einziger Mensch, der damals mit ihm im Wasser war.
Anlass ist der 20. Jahrestag des Todestags: „Steve Irwin: A Wild Life“ lief am Mittwoch, 2. September 2026, um 20.45 Uhr auf Channel 9 und 9Now. Produziert hat das Special 60 Minutes für das 9Network, der Trailer war schon am 28. August 2026 erschienen. In der Ankündigung des Specials durch Nine heißt es, Lyons spreche darin „mit mehr Details als je zuvor“ und in seinem ersten Dokumentarfilm-Interview.
Deutsche Berichte meldeten zuletzt, Irwins letzte Worte würden erst „nach 20 Jahren“ bekannt. Das stimmt nur halb – und verdeckt, worum es in dem Special tatsächlich geht: um die Ausführlichkeit dieser Schilderung, nicht um eine neue Enthüllung.
„Das Wasser kochte förmlich“
Der Tag begann als Routine. Irwin und sein Team drehten an Bord des Schiffs Croc One an der Dokumentation „Ocean's Deadliest“ am Batt Reef vor der Küste von Port Douglas in Queensland. Weil schlechtes Wetter die Dreharbeiten unterbrach, nutzte Irwin die Pause für Zusatzaufnahmen für „Bindi the Jungle Girl“, die Kindersendung seiner Tochter.
Lyons zufolge hatten die beiden „hundert Mal“ zuvor mit Stachelrochen gefilmt – „die waren großartig zu filmen“. Sie stiegen in brusttiefem Wasser aus dem Schlauchboot und filmten zunächst einen massiven Bullenrochen. Für ein Eröffnungsbild sollte Lyons frontal aus wenigen Metern filmen, Irwin von hinten über das ruhig im Sand liegende Tier schwimmen.
Als Irwin direkt über dem Rochen war, schlug das Tier zu – vermutlich, weil es Irwins Schatten für einen Tigerhai hielt. Lyons beschreibt als einziger Augenzeuge im Wasser, wie er in Sekunden die Kontrolle verlor: „Das Wasser kochte förmlich. Ich konnte nicht sehen, was vorging.“
„Ich sterbe“ – und eine Stunde Wiederbelebung
Als der Rochen verschwand, schwenkte Lyons mit der Kamera mit. Als er zurück auf Irwin schwenkte, schnellte dieser aus dem Wasser, schreiend, das Wasser um ihn herum voller Blut. Er rief: „It's punctured me lung.“ Lyons warf die Kamera ins Schlauchboot und zog Irwin an Bord. Dessen Khakihemd stand offen, aus einer klaffenden Wunde direkt über dem Herzen strömte Blut.
„Er ist bei Bewusstsein, und er sagt zu mir – er sieht mir direkt in die Augen – und er sagt: „Ich sterbe.““
Danach verlor Irwin das Bewusstsein und erlangte es nicht zurück. An Bord von Croc One lief mehr als eine Stunde lang eine Wiederbelebung – eine andere Schilderung nennt 45 Minuten –, während das Boot zur nahen Low Island raste. Lyons beschreibt den Moment dort so: „Innerhalb von etwa zehn Sekunden sagten sie: Nein, er ist weg. Es war absolute Verzweiflung.“
Die überlieferte Todeszeit ist 12.53 Uhr Ortszeit am 4. September 2006; der Stachel hatte Brustwand und Herz durchdrungen. Irwin hinterließ seine Frau Terri und zwei Kinder.
Eine Enthüllung, die schon zwölf Jahre alt ist
Justin Lyons hat Irwins letzte Worte nicht erst jetzt öffentlich gemacht. Am 9. März 2014 schilderte er in der Network-Ten-Sendung „Studio 10“, dass Irwin zunächst annahm, es habe ihn in die Lunge getroffen, und dass Irwin den Stachel nicht selbst herauszog. Damals berichteten unter anderem news.com.au über Irwins letzte Worte, außerdem The Advertiser, The Mirror, ABC News und die Los Angeles Times.
Lyons beschrieb den Stachel damals mit drastischen Worten: „Es ist ein gezackter, scharfer Widerhaken, und er ging durch Steves Brust wie ein heißes Messer durch Butter.“ Genau diese Sätze sind der Grund, warum die jetzige Schlagzeile in die Irre führt: Nicht die Worte sind neu, sondern die Tiefe des Berichts – laut Nine Lyons' erstes Dokumentarfilm-Interview.
Inhaltlich verbindet das Special zwei Ebenen. Es mischt nie gezeigtes Material eines 60-Minutes-Interviews von 2002 – damals führte Charles Wooley das Gespräch – mit exklusiven Gesprächen aus Irwins Umfeld: Produzent John Stainton, Weggefährte Brian „Briano“ Coulter, Schulfreund Chris White, der frühere Animal-Planet-Chef Clark Bunting, Surferlegende Kelly Slater und Country-Sänger John Williamson.
Von der tödlichen Attacke bis zum 20. Jahrestag
- 4. September 2006Tödlicher Stich am Batt Reef
Der Stachel eines Stachelrochens durchdringt Irwins Brust über dem Herzen. Er stirbt im Alter von 44 Jahren, für tot erklärt wird er auf Low Island.
- 9. und 20. September 2006Trauerfeier und öffentliches Gedenken
Nach einer privaten Trauerfeier in Caloundra wird Irwin im Australia Zoo beigesetzt. Am 20. September moderiert Russell Crowe die weltweit übertragene Gedenkfeier im Crocoseum.
- 9. März 2014Lyons nennt erstmals die letzten Worte
In der Sendung Studio 10 sagt Lyons öffentlich, Irwins letzte Worte seien „I'm dying“ gewesen – damals berichten Medien weltweit.
- 28. August 2026Trailer zum Doku-Special
60 Minutes Australia veröffentlicht den Trailer zu „Steve Irwin: A Wild Life“.
- 2. September 2026Erstausstrahlung auf Channel 9
Das Special läuft um 20.45 Uhr auf Channel 9 und 9Now; Lyons schildert darin die tödlichen Minuten ausführlich.
- 4. September 202620. Jahrestag
Bindi, Robert und Terri Irwin gedenken des Verstorbenen öffentlich; 60 Minutes Australia veröffentlicht den Ausschnitt mit Lyons' Bericht.
- 12. September 2026Deutsche Medien greifen den Fall auf
Deutsche Berichte melden, Irwins letzte Worte würden erst „nach 20 Jahren“ bekannt.
Wie viele Stiche waren es wirklich?
Ein deutscher Bericht schreibt unter Berufung auf news.com.au, Irwin sei im Brustbereich „mehr als 100-mal“ vom Stachel getroffen worden. Andere Quellen zeichnen ein anderes Bild: news.com.au beschrieb 2014 „hundreds of strikes in a few seconds“ – hunderte Schwanzschläge in wenigen Sekunden – und eine einzelne, etwa zwei Zoll große Wunde über dem Herzen. Tödlich getroffen hat der Stachel einmal.
Streit gibt es seit Jahren auch um das Filmmaterial. Irwin war überzeugt, dass Kameras jeden Unfall bei seinen Dreharbeiten festhalten sollten; laut Lyons existiert Material von dem Vorfall, eine Veröffentlichung lehnt er ab. Terri Irwin sagte bereits 2014, das Material sei zerstört, beziehungsweise es sei keines vom Todestag in der fertiggestellten Dokumentation „Ocean's Deadliest“ enthalten.
Was von Irwin bleibt
Zum 20. Jahrestag am 4. September 2026 gedachten die Angehörigen des Verstorbenen öffentlich. Tochter Bindi Irwin (28) und Sohn Robert Irwin (22) waren acht und zwei Jahre alt, als ihr Vater starb. Bindi wandte sich mit einem langen Beitrag an die Öffentlichkeit.
„Vor 20 Jahren, heute, verlor die Welt den leidenschaftlichsten und hingebungsvollsten Naturschützer. Unsere Familie verlor unseren Superhelden. Meine Mama verlor die Liebe ihres Lebens; mein Bruder und ich verloren den großartigsten Dad.“
Ihr Vater, so Bindi, habe gedacht, sein Vermächtnis sei der Artenschutz – „es stellt sich heraus, sein Vermächtnis ist Liebe. Für unseren Planeten und füreinander.“ Sie berichtete außerdem, ihre fünfjährige Tochter Grace sehe sich jeden Morgen die Dokumentationen des Großvaters an und fühle sich von ihrem „grandpa crocodile“ geliebt, obwohl sie ihn nie getroffen habe.
Ihre Mutter Terri blickte auf die letzten sechs gemeinsamen Wochen zurück: „Trauer geht noch immer neben mir wie mein Schatten“, schrieb sie und nannte den Abschied „lang und süß“. Robert postete ein Kinderfoto mit seinem Vater und die Zeilen: „Dein Vermächtnis ist für immer.“
Offen bleibt die Frage, die Lyons seit 2006 begleitet: Was passiert mit dem Filmmaterial? Er hat eine Veröffentlichung bislang ausgeschlossen, Terri Irwin erklärte es 2014 für zerstört. Ob sich das nach dem Jubiläumsjahr ändert, hat bisher niemand aus Irwins Umfeld beantwortet.
