Eine Woche lang hat Pink (47) zu dem Shitstorm geschwiegen, den ein von ihr geteilter Beitrag gegen Macklemore (43) ausgelöst hatte. Am Freitag, dem 11. September 2026, veröffentlichte sie auf Instagram ein rund 1.300 Wörter langes Statement – darin verteidigt sie den Repost und kritisiert zugleich ihr eigenes Verhalten danach.
Ausgelöst hatte den Streit ein Beitrag der Organisation StopAntisemitism, den Pink am Sonntag, dem 6. September, an ihre rund elf bis zwölf Millionen Follower weitergab. Der Text kritisierte Macklemores „Free Palestine“-Rufe im Vorprogramm von Ed Sheeran und forderte seine Entfernung von der Loop Tour, Entschuldigungen und Ticket-Rückerstattungen.
Vorausgegangen waren zwei Auftritte im MetLife Stadium in East Rutherford im US-Bundesstaat New Jersey. Am 4. und 5. September betrat Macklemore dort mit einer Kufiya über den Schultern die Bühne, rief „Free Palestine“, nannte Israel des Genozids schuldig und spielte den Song „Hind’s Hall“, während auf den Stadion-Leinwänden Bilder aus Gaza liefen. Teile des Publikums jubelten, andere verließen Berichten zufolge den Saal.
Wie der Streit eskalierte
Die Gegenbewegung organisierte sich binnen zwei Tagen. Am 6. September startete der Israeli-American Council (IAC), der nach eigenen Angaben mehr als 150.000 Israelis in den USA vertritt, eine Petition gegen Macklemores Auftritte bei Sheeran. Sie fordert, den Voract von den restlichen Terminen zu nehmen. Meinungsfreiheit bedeute „nicht Freiheit von Verantwortung“, heißt es darin.
Auch die Anti-Defamation League kritisierte den Auftritt. StopAntisemitism schrieb, jüdische Besucher sollten „dieser Propaganda nicht ausgesetzt“ werden, und erinnerte an Macklemores Kostüm von 2014: Er sei „der gleiche Macklemore, der als orthodoxer Jude verkleidet mit einer riesigen Prothese-Nase auf der Bühne stand“. Wer über 500 Dollar für ein Ticket bezahle, dem stünden „Entschuldigungen und Rückerstattungen“ zu.
Unterschriftenzahlen nennt die Petition nicht. Anfragen der „Los Angeles Times“ an Sheerans Management blieben bis zum 8. September unbeantwortet, der Hauptact selbst hat sich zu den Rücktrittsforderungen bislang nicht geäußert.
Von den Grammys 2014 zum Instagram-Statement im September 2026
- 26. Januar 2014Grammys: 33 Paare heiraten zu „Same Love“
Pink ist nach eigener Aussage im Saal und jubelt zu Macklemores Auftritt.
- 16. Mai 2014Macklemore tritt mit Hakennase und schwarzer Perücke auf
Bei einer Überraschungs-Show im EMP Museum in Seattle – später als „jüdische Karikatur“ kritisiert.
- 19. Mai 2014Macklemore entschuldigt sich
Er erklärt, es sei „absolut nicht meine Absicht“ gewesen; die ADL akzeptiert die Entschuldigung.
- 4./5. September 2026„Free Palestine“ im MetLife Stadium
Macklemore eröffnet für Ed Sheeran, spielt „Hind’s Hall“ zu Gaza-Bildern und nennt Israel des Genozids schuldig.
- 6. September 2026Petition und Pinks Repost
Der IAC fordert Macklemores Entfernung von der Tour, StopAntisemitism und ADL kritisieren den Auftritt. Pink teilt den StopAntisemitism-Beitrag.
- 7. September 2026Macklemore legt Video seiner Bühnenrede nach
Auf X schreibt er, dass alle Menschen gleich behandelt werden sollten, dürfe niemals kontrovers sein.
- 11. September 2026Pink veröffentlicht ihr Statement
Rund eine Stunde später schaltet sie die Kommentarfunktion ab; der zweite Teil ihres Textes verschwindet.
Was Pink in dem Statement schreibt
Pink beginnt mit einer Selbstverortung: Sie spreche „natürlich nicht für Israel oder für irgendeine Regierung“, schreibt sie, und hält zugleich an ihrer Position vom Oktober 2023 fest. Ein Repost und das Wort „Jew“ hätten in dieser Woche offenbar gereicht, „um den Rest zu füllen. Aber ich fülle ihn selbst.“
„Ich wurde als Jüdin geboren. Ich habe es mir nicht ausgesucht, und ich habe es nie verborgen. Und diese Woche hat eine ganze Menge Leute entschieden, was ich glaube, ohne mich zu fragen.“
Inhaltlich stellt sie klar: „Was ich im Oktober 2023 gesagt habe, ist noch genau das, was ich glaube: Die Hamas ist eine Terrororganisation. Palästinenser verdienen eine Zukunft, die ihre Menschlichkeit und ihre Bestrebungen ehrt.“ Sie verweist auf ein Jahrzehnt als UNICEF-Botschafterin; sie habe Kinder auf beiden Seiten betrauert, „nicht hinter einem Bildschirm, sondern vor Ort“.
Der Ton kippt, wenn Pink über die Kosten dieser Position schreibt. Sie habe ihr Berufsleben lang für andere gestanden – den Song „Dear Mr. President“ mitten im Irakkrieg, ihr Eintreten für schwule und trans Jugendliche. „Und jetzt stehe ich für mein eigenes Volk auf, und ich dachte vorher zu wissen, wie einsam das ist. Es ist einsamer als das. Aber ich mache es trotzdem.“
Ihr Posting fiel auf den 25. Jahrestag der Anschläge vom 11. September und auf den Beginn von Rosh Hashanah, dem jüdischen Neujahrsfest; sie schließt mit dem Gruß „Shana tova“. An die Verängstigten dieser Woche – „jüdisch, muslimisch, palästinensisch, israelisch oder einfach müde von allem“ – richtet sie die Worte: „Ich sehe euch.“
Warum sie den Repost machte
Ihre Begründung führt zurück ins Jahr 2014. Pink saß nach eigener Aussage bei den Grammys im Saal, als Macklemore „Same Love“ rappte und 33 Paare dazu heirateten – sie jubelte, ohne Fragen. Vier Monate später trat er mit schwarzer Perücke, schwarzem Bart, Topfschnitt und aufgesetzter Hakennase auf und nannte das Kostüm einen Zufall. Jeder Jude, den sie kenne, habe gewusst, was das war.
Er habe sich damals entschuldigt, und sie habe es losgelassen, „weil wir das tun“, schreibt Pink. Auslöser für den Repost sei aber die jüngste Bühnenansage gewesen: Macklemore habe vor Familien mit Kriegsbildern auf den Screens einen Song der Bewegung seiner Wahl gespielt und danach „allen Juden im Stadion gesagt, dass es nicht um sie geht. Du entscheidest das nicht für uns.“
„Das hat meinen Repost ausgelöst. Nicht „Free Palestine“ und nicht das Recht irgendeines, es zu sagen. Ich habe nie gefordert, dass ein anderer Künstler zum Schweigen gebracht wird, und ich tue das auch jetzt nicht.“
Der zweite Teil verschwand mit den Kommentaren
Pink teilte ihr Statement in zwei Teilen: Der erste erschien als Posting, der zweite – inhaltlich der zentrale – als Kommentar darunter. Rund eine Stunde nach der Veröffentlichung schaltete sie die Kommentarfunktion des Beitrags ab. Damit verschwand auch ihr eigener Kommentar; erhalten ist er nur noch als Screenshot.
Unter dem Beitrag standen bis zur Sperrung überwiegend ablehnende Kommentare oben, gefolgt von zahlreichen Unterstützungsbekundungen – Varietys Analyse der Reaktionen auf Pinks Statement.
Auf den ersten Gegenwind hatte sie zunächst mit Spott reagiert: Sie teilte Memes, darunter das Bild einer schwarzen Katze mit Weinglas, und deaktivierte zeitweise Kommentarspalten. In ihrem Statement nennt sie das selbst: „Ein Repost ist kein Statement, und ein Meme ist kein Rückgrat. Social Media macht uns alle billig und schnell, und wir wissen es alle.“
Macklemore bleibt bei seinem Kurs
Macklemore ging in der Sache keinen Schritt zurück. Am Montag, dem 7. September, veröffentlichte er auf X Videoaufnahmen seiner Bühnenrede aus dem MetLife Stadium und schrieb: „Dass alle Menschen gleich behandelt werden sollen, sollte niemals kontrovers sein.“ Bereits zuvor hatte er seine Free-Palestine-Rufe bei Ed Sheeran verteidigt.
„An alle meine jüdischen Brüder und Schwestern: Kritik an Israel, Kritik an der Apartheid, gegen Genozid zu sein, ist in keiner Weise eine Kritik an euch.“
In einer ausführlicheren Version seiner Bühnenrede heißt es, seine Botschaft sei die des Friedens. Er sage „free Palestine“, „free Lebanon“, „free Cuba“, „free Congo“, „free Sudan“ – und: Keiner von uns werde frei sein, bis wir alle frei seien. Pink hatte in ihrem Statement betont, sie brauche niemanden gefeuert und keine Rückerstattung.
Offen ist, ob Ed Sheeran auf die Petition reagiert. Die Nordamerika-Etappe der Loop Tour soll am 7. November 2026 im Raymond James Stadium in Tampa in Florida enden – acht US-Stadion-Shows mit Macklemore als Voract standen zuletzt nach Billboard-Angaben noch aus.
