Köln-Merheim: 26-Jährige stirbt nach Fixierung im Klinikbett
Eine 26-jährige Patientin stirbt in der LVR-Klinik Köln-Merheim, gefesselt mit einer 7-Punkt-Fixierung. Die Pflegekräfte wollen sie alle 15 Minuten kontrolliert haben – die Staatsanwaltschaft prüft, ob Klinikbeschäftigte schuld sind.
Um 21:55 Uhr bringen Polizeibeamte Priscille Wa Kongolo K. (26) in die psychiatrische LVR-Klinik Köln-Merheim. Wenige Stunden später ist die Deutsch-Kongolesin tot – gefesselt an ein Bett, mit Gurten an Armen, Beinen, Brust, Rumpf und Schultern.
Öffentlich bekannt wird der Fall erst am 13. September 2026, fast vier Monate nach der Nacht vom 21. auf den 22. Mai. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen Klinikbeschäftigte und prüft, ob strafrechtlich relevantes Fremdverschulden vorliegt. Die Patientenakte ist beschlagnahmt, der Leichnam obduziert – die Todesursache ist offiziell weiterhin ungeklärt.
Im Zentrum steht ein Widerspruch. Die diensthabenden Pflegekräfte erklärten gegenüber der Polizei, sie hätten den Zustand der Patientin alle 15 Minuten kontrolliert. Am Morgen wollten eine Ärztin und eine medizinische Fachangestellte Blut abnehmen – sie fanden die 26-Jährige leblos, ihr Körper war bereits kalt.
Was in der Nacht geschah
Nach Angaben der Familie litt die 26-Jährige an Schizophrenie. Am 21. Mai 2026 soll sie in einem psychischen Ausnahmezustand einen Uber-Fahrer angegriffen haben. Der Fahrer alarmierte die Polizei; die Beamten nahmen sie fest und brachten sie um 21:55 Uhr nach Köln-Merheim.
In der Klinik galt sie als psychotisch, aggressiv und orientierungslos. Angeordnet wurde eine 7-Punkt-Fixierung: Gurte an Armen, Beinen, Brust, Rumpf und Schultern, Rückenlage, Isolierzimmer. Nach dem Bericht über die gefesselte Patientin in Köln soll sie die Medikamente Tavor und Haloperidol erhalten haben.
Eine solche Maßnahme gilt als letztes Mittel, wenn schwere Selbst- oder Fremdverletzungen verhindert werden sollen. Sie greift stark in die Freiheit des Patienten ein; das Bundesverfassungsgericht hat sich mehrfach mit den Voraussetzungen befasst. Angeordnet werden darf eine Fixierung nur mit gewichtigen Gründen.
Die Nacht vom 21. auf den 22. Mai und die Monate danach
21. Mai 2026
Aufnahme in Köln-Merheim
Gegen 21:55 Uhr bringen Polizeibeamte Priscille Wa Kongolo K. in die psychiatrische LVR-Klinik, nachdem sie einen Uber-Fahrer angegriffen haben soll.
21. Mai 2026
7-Punkt-Fixierung im Isolierzimmer
Ärzte ordnen die Fixierung an: Gurte an Armen, Beinen, Brust, Rumpf und Schultern. Laut Bericht erhält sie Tavor und Haloperidol.
22. Mai 2026
Tod am Morgen bemerkt
Eine Ärztin und eine medizinische Fachangestellte wollen Blut abnehmen und finden die Patientin leblos und bereits erkaltet.
Mai/Juni 2026
Ermittlungen beginnen
Die Staatsanwaltschaft Köln übernimmt den Fall, die Patientenakte wird beschlagnahmt, der Leichnam obduziert.
13. September 2026
Der Fall wird öffentlich
Medien berichten über den Tod der 26-Jährigen. Die Todesursache ist weiterhin ungeklärt.
15 Minuten Kontrolle – und ein kalter Körper
Bei fixierten Patienten ist eine dauerhafte Überwachung vorgesehen, außerdem Kontrollen in kurzen Abständen. Der Bericht über das Kontrollintervall in der Klinik nennt 15 Minuten. Genau daran misst sich der Fall: Wie kann eine Patientin über Stunden unbemerkt sterben, wenn sie alle Viertelstunde kontrolliert wird?
Zwei Klinikmitarbeiter schilderten dagegen, Priscille sei durch Medikamente stark beruhigt gewesen. Mitarbeiter der Nacht- und der Frühschicht könnten angenommen haben, dass sie schlafe, so ihre Vermutung. Pflegekräfte gaben zudem an, ihnen sei mitgeteilt worden, die Frau könnte an Erbrochenem erstickt sein.
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Ermittler prüfen Behandlung und Überwachung
Die Ermittler prüfen die medizinische Behandlung, die Betreuung und die Überwachung der Frau. Geklärt werden soll auch, wann die Fixierung begann und wie lange sie dauerte. Eine chemisch-toxikologische Untersuchung soll zeigen, ob die verabreichten Medikamente beim Tod eine Rolle gespielt haben.
Die Klinik bestätigte den Todesfall. Sie nannte ihn ein furchtbares Ereignis und sprach den Angehörigen ihr tiefes Mitgefühl aus; der Vorfall sei Gegenstand umfassender Ermittlungen. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Die Mutter wartet seit Monaten auf eine Antwort
Priscilles Mutter Bijou Wa Kongolo K. (59) fordert vollständige Aufklärung. Nach Angaben der Familie weiß sie auch rund drei Monate nach dem Tod ihrer Tochter nicht, woran die 26-Jährige gestorben ist – obwohl obduziert wurde und eine toxikologische Untersuchung läuft.
„Die Familie wisse auch drei Monate nach dem Tod ihrer Tochter noch immer nicht, woran die 26-Jährige gestorben sei.“
Bijou Wa Kongolo K., Mutter der Verstorbenen
In der öffentlichen Debatte wird bezweifelt, dass eine fixierte Patientin bei konsequenten 15-Minuten-Kontrollen über Stunden unbemerkt sterben kann; gefordert wird eine durchgehende Sitzwache. Andere verweisen auf Personalmangel und den Pflegeschlüssel in der Psychiatrie – und darauf, dass eine Fixierung rechtlich als Freiheitsberaubung gilt.
Die Ergebnisse der Obduktion und der chemisch-toxikologischen Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin Köln stehen weiter aus. Ob die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt oder das Verfahren einstellt, hängt an diesen Gutachten – und an der Frage, ob die Kontrollen im Isolierzimmer tatsächlich stattfanden.