Burghart Klaußner (77) feiert an diesem 13. September 2026 seinen 77. Geburtstag – von Ruhestand keine Spur. In seinem Geburtstagsjahr spielt er die Titelrolle in Shakespeares „König Lear“ am Schauspielhaus Düsseldorf, ist in Ulrike Ottingers Berlinale-Film „Die Blutgräfin“ zu sehen und hat für den Hessischen Rundfunk zwei neue Frankfurter „Tatort“-Folgen gedreht.
Das ist der eigentliche Kontrast dieses Jubiläums: Da verkörpert einer den alternden König, der im Verlust der Macht zerfällt – und bleibt selbst voll im Einsatz. Ein öffentliches Geburtstagsfest ist nicht dokumentiert, offizielle Glückwünsche sind nicht überliefert. Der 1949 in Berlin geborene Schauspieler steht weiter auf der Bühne und vor der Kamera.
Der König, der die Macht verliert
Am 1. Februar 2025 feierte Shakespeares „König Lear“ mit Klaußner in der Titelrolle Premiere im Schauspielhaus Düsseldorf. Die Kritik lobte ihn einhellig – in der Kritik zur Düsseldorfer Lear-Premiere hieß es, Klaußner spiele diesen König, diesen alternden Mann im Verlust der Macht, gewohnt souverän.
Zuspruch bekam auch das Team um Regisseur Evgeny Titov. Das Blättchen urteilte, Bühnenbildner Etienne Pluss habe dem Stück und „einem die Worte wägenden Großschauspieler wie Burghart Klaußner als Lear eine grandiose, düster gotische Burg auf den Leib geschneidert“. Weitere Lear-Vorstellungen in Düsseldorf sind für den 13. und 24. Mai 2026 angesetzt.
Klaußners Weg begann in Westberlin: Sein Vater betrieb die Traditionsgaststätte „Zum Klaußner“ in Charlottenburg, nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 zog die Familie nach Gräfelfing bei München. 1969 begann Klaußner ein Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin und wechselte an die Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel.
Von 1970 bis 1972 arbeitete er an der Schaubühne am Halleschen Ufer; sein Debüt gab er 1971 unter der Regie von George Tabori in „Pinkville“. Klaußners Werdegang von Tabori bis Spielberg führt seither über Bühnen in Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main, Bochum und Zürich. Für Willy Loman in „Tod eines Handlungsreisenden“ am St. Pauli Theater bekam er 2012 den Theaterpreis „Der Faust“.
Vom Sandbank-Mehrteiler zum weißen Band
Seinen ersten Kinoauftritt hatte Klaußner nach Angaben seiner eigenen Website 1980 mit der Hauptrolle in Dietrich Schuberts „Ziemlich weit weg“; das filmportal.de datiert sein Kinodebüt auf 1983. Bekannt bei einem breiten Publikum wurde er 1985 als Arthur Davies im ARD-Mehrteiler „Das Rätsel der Sandbank“.
Von 1993 bis 2001 spielte er den Kripochef Dr. Heimeran in „Adelheid und ihre Mörder“, 1993 zudem den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Björn Engholm. 2003 war er Daniel Brühls aus der DDR geflohener Vater in „Good Bye, Lenin!“, 2004 der entführte Manager in „Die fetten Jahre sind vorbei“ – dafür erhielt er 2005 den Deutschen Filmpreis.
2009 folgte der Pastor in Michael Hanekes „Das weiße Band“, der in Cannes die Goldene Palme gewann; Klaußner bekam den Preis der deutschen Filmkritik und 2010 den Deutschen Filmpreis als bester Schauspieler. 2015 spielte er Generalstaatsanwalt Fritz Bauer in Lars Kraumes „Der Staat gegen Fritz Bauer“ – mit Bayerischem Filmpreis, Günter-Rohrbach-Filmpreis und Preis der deutschen Filmkritik. Danach drehte er mit Steven Spielberg „Bridge of Spies“ und übernahm 2019 die Titelrolle in Heinrich Breloers „Brecht“.
Stationen einer Karriere
- 1971Debüt bei George Tabori
Seinen ersten Bühnenauftritt hat Klaußner in Taboris Stück „Pinkville“.
- 1985Bekanntwerden im Fernsehen
Als Arthur Davies im ARD-Mehrteiler „Das Rätsel der Sandbank“ wird er einem breiten Publikum bekannt.
- 2005Erster Deutscher Filmpreis
Für „Die fetten Jahre sind vorbei“ bekommt er den Deutschen Filmpreis.
- 2006Silberner Leopard
Beim Filmfestival Locarno wird er als bester Hauptdarsteller für „Der Mann von der Botschaft“ ausgezeichnet.
- 2010Deutscher Filmpreis für „Das weiße Band“
Für die Rolle des Pastors in Michael Hanekes Cannes-Sieger erhält er den Preis als bester Schauspieler.
- 2015Titelrolle Fritz Bauer
In „Der Staat gegen Fritz Bauer“ spielt er den Generalstaatsanwalt – und wird mehrfach ausgezeichnet.
- 2025König Lear in Düsseldorf
Am 1. Februar 2025 feiert die Inszenierung mit Klaußner in der Titelrolle Premiere.
Mengele, Adenauer und die Blutgräfin
Auch mit 76 und 77 dreht Klaußner weiter. Im Mai 2025 wurde Kirill Serebrennikovs „Das Verschwinden des Josef Mengele“ in Cannes uraufgeführt, in dem er den Vater des NS-Arztes spielt. Der Film wurde beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen als bester Film ausgezeichnet und für den Deutschen Filmpreis 2026 nominiert.
Im September 2025 zeigte das ZDF „An einem Tag im September“ über das erste Treffen von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle am 14. September 1958 in Colombey-les-Deux-Églises – Klaußner spielt darin Adenauer. Im Gespräch über die Rolle sagte er, er wolle „innere Haltung“ zeigen; der Film berühre ein Thema, das „wieder sehr aktuell“ sei.
„Adenauer war ein Phänomen – wie zäh er war und wie lange er das Amt ausübte.“
Der Satz verrät, worum es Klaußner in historischen Rollen geht: nicht um Kostüm, sondern um Zähigkeit und Haltung. Für „Die Blutgräfin“ von Ulrike Ottinger, im Februar 2026 bei der 76. Berlinale uraufgeführt, stand er neben Isabelle Huppert vor der Kamera; Elfriede Jelinek schrieb an den Dialogen mit.
Für den Hessischen Rundfunk hat er zwei neue Frankfurter „Tatort“-Folgen gedreht: „Vier Finger“ soll laut quotenmeter.de voraussichtlich im November 2026 im Ersten laufen, „Nebel“ greift einen Amoklauf in einem Frankfurter Schwulenclub von 1987 auf und soll 2027 ausgestrahlt werden. Regie führt jeweils Andreas Prochaska.
Verdienstkreuz, Swing und zwei Söhne
Am 1. Oktober 2021 zeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Klaußner im Schloss Bellevue mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aus. Die Begründung würdigte ihn als einen der großen Schauspieler des Landes, „und das ganz besonders für Figuren der Zeitgeschichte“, der sein Publikum dazu bringe, „sich mit den Lehren aus der Geschichte auseinanderzusetzen“.
„Verstehen Sie mich nicht falsch: natürlich muss man sich gegen einen verrückt gewordenen Aggressor wappnen, aber es macht mich – wie viele andere Menschen – auch sehr traurig und ratlos, dass wir wieder an diesem Punkt angekommen sind.“
Der Satz erklärt, warum die Würdigung gerade auf die Figuren der Zeitgeschichte zielt: Klaußner nimmt diese Rollen nicht als Kulisse, sondern als Haltung zur Gegenwart – von Fritz Bauer bis Adenauer.
Hinzu kommen Ämter und Engagement: Klaußner ist Mitglied der Deutschen Filmakademie, in deren Vorstand er 2010 gewählt wurde, und seit 2003 Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg – dort seit 2012 Sektionsvorsitzender Darstellende Kunst und seit März 2022 Vizepräsident. 2017 erhielt er die Ehrenplakette der Akademie.
Dass er auch Musik macht, hat sich herumgesprochen – für Klaußner selbst ist Musik „eigentlich die Hauptsache“. Seit 2010 tourt er mit seiner Band und dem Programm „Zum Klaußner“ durch deutsche Städte, von Charles Trenet über Cole Porter bis Tom Waits, Karl Valentin und Johnny Cash. Für den 20. November 2026 ist ein Jubiläumskonzert zum 90. Geburtstag von Wolf Biermann im Gewandhaus Leipzig angekündigt, bei dem Klaußner als Sprecher mitwirkt.
Klaußner ist zudem gefragter Hörbuchsprecher, unter anderem für Ferdinand von Schirachs „Verbrechen“ und „Schuld“ und F. Scott Fitzgeralds „Der große Gatsby“. 2018 erschien sein Debütroman „Vor dem Anfang“, am 3. September 2026 las er im Rahmen der Hamburger Herbstlese Blankenese aus „Die Ansiedler“.
Mit seiner Frau lebt er in Hamburg-Groß Flottbek; einer seiner beiden Söhne ist der Schauspieler Johannes Klaußner, mit dem er 2022 für „Kommissarin Lucas – Goldrausch“ vor der Kamera stand. Einer seiner privaten Leidenschaften ist das Segeln – laut dem Fachmagazin float stammt er aus einer „Segeldynastie“, die bis 1910 zurückreicht.
Der nächste feste Termin steht schon: Am 6. Januar 2027 tritt „Burghart Klaußner & Band“ im Opernhaus Magdeburg auf. Ob der 77-Jährige danach kürzertritt, ist offen – für 2027 ist mit der „Tatort“-Folge „Nebel“ bereits eine weitere Produktion angekündigt.
