Am 14. September 2026 wäre Amy Winehouse 43 Jahre alt geworden. Rund 15 Jahre nach ihrem Tod ist die Sängerin kommerziell präsenter denn je: 22,9 Millionen Menschen hören sie monatlich auf Spotify, ihr Album „Back to Black“ erscheint zum 20. Jubiläum als aufwendige Deluxe-Box. Aus einem stillen Gedenktag ist ein Termin der Musikindustrie geworden.
Der Geburtstag fällt in diesem Jahr auf einen Montag, geboren wurde sie an einem Mittwoch. Winehouse kam am 14. September 1983 in London zur Welt — nach Angaben der Datenbank geboren.am in Enfield, nach anderen Quellen in Southgate. Am 23. Juli 2011 wurde sie im Alter von 27 Jahren tot in ihrem Haus in der 30 Camden Square im Norden Londons aufgefunden.
Von der Geburt in London bis zur Jubiläumsbox
- 14. September 1983Geburt in London
Amy Jade Winehouse wird als Tochter einer jüdischen Einwandererfamilie geboren.
- 27. Oktober 2006„Back to Black“ erscheint
Das zweite Album wird ihr kommerzieller Durchbruch.
- 10. Februar 2008Fünf Grammys an einem Abend
Winehouse gewinnt unter anderem Record of the Year und Song of the Year.
- 23. Juli 2011Tod in Camden
Sie wird mit 27 Jahren tot in ihrem Haus aufgefunden.
- 14. September 2014Statue in Camden enthüllt
An ihrem 31. Geburtstag wird die Bronzefigur im Stables Market aufgestellt.
- 12./13. September 2026Tribut-Konzerte zum 43. Geburtstag
The Amy Winehouse Band spielt in Rijeka, in Wrocław singt Natalia Podwin.
- 23. Oktober 2026Deluxe-Edition erscheint
Die 20th-Anniversary-Box von „Back to Black“ kommt in den Handel.
Ein Tod, der zweimal untersucht werden musste
Dass sie an einer Alkoholvergiftung starb, bestätigte eine zweite gerichtliche Untersuchung im Januar 2013. Sie hatte 416 Milligramm Alkohol pro 100 Milliliter Blut im Körper — mehr als das Fünffache des britischen Grenzwerts von 80 Milligramm für Autofahrer. Neben ihrem Bett standen zwei leere Wodkaflaschen.
Die Wiederholung war nötig, weil die ursprünglich zuständige Coronerin Suzanne Greenaway nicht über die erforderliche fünfjährige Anwaltszulassung verfügte. Sie war 2009 von ihrem Ehemann eingestellt worden, dem leitenden Coroner Andrew Reid, der später zurücktrat. Das geht aus dem BBC-Bericht zur zweiten Untersuchung hervor.
Für ihr Umfeld war der Tod kein angekündigter Entschluss. Winehouses Hausärztin Christina Romete erklärte in einer schriftlichen Aussage, sie habe ihre Patientin noch am Abend vor dem Tod gesehen. Ihr Bodyguard Andrew Morris sagte später, sie sei „wie eine Schwester“ für ihn gewesen.
„Sie sagte ausdrücklich, sie wolle nicht sterben.“
Tribute-Konzerte am Vorabend des Geburtstags
In Wrocław lud das Stary Klasztor für den 13. September 2026, den Vorabend des 43. Geburtstags, zu einem Konzert mit einem siebenköpfigen Ensemble; die Sängerin Natalia Podwin, bekannt aus „The Voice of Poland“, interpretierte Hits wie „Rehab“, „Valerie“ und „Back to Black“ mit Bläsersektion. In Rijeka trat The Amy Winehouse Band bereits am 12. September auf — geplant war der Abend auf der Burg Trsat, wegen schlechter Wetterbedingungen wurde er kurzfristig in die Konzerthalle Pogon kultura in der Strossmayerova 1 verlegt.
Geleitet wird die Band von Dale Davis, Winehouses langjährigem Bassisten und musikalischem Leiter, der schon zu Zeiten ihres Debütalbums „Frank“ von 2003 mit ihr arbeitete. Das Konzept: keine Imitation ihres Privatlebens, sondern die Musik — vorgetragen von Musikern, die mit ihr auf der Bühne und im Studio standen. Zum Jubiläum startete ihr offizieller Kanal die Plattform „AmySpace“, gestaltet im Design einer MySpace-Seite von 2006.
Camden: Der Ort, an dem ihr Andenken verankert ist
Camden Town war Winehouses „spiritueller Heimatort“. Mit 20 Jahren zog sie dorthin, als Teenager arbeitete sie auf dem Camden Lock Market und dem Buck Street Market, spielte frühe Konzerte im Dublin Castle und im Jazz Cafe und trank regelmäßig im Hawley Arms. Ihre letzte Wohnung lag in der 30 Camden Square.
Im Stables Market in der 407 Chalk Farm Road steht seit dem 14. September 2014 — ihrem 31. Geburtstag — eine lebensgroße Bronzestatue. Der Londoner Bildhauer Scott Eaton schuf die 175 Zentimeter hohe Figur mit Beehive-Frisur und High Heels in enger Abstimmung mit ihrem Vater Mitch Winehouse. Ursprünglich war ein Balkon des Roundhouse als Standort vorgesehen, der aus Sicherheitsgründen abgelehnt wurde.
Bei der Enthüllung steckte man ihr eine echte rote Rose ins Haar. Mitch Winehouse nannte den Anblick des fertigen Werks „unglaublich emotional“ und sagte, es sei, als hätte man sie in einem schönen Moment der Zeit angehalten. Fans versammeln sich an der Statue jedes Jahr am 23. Juli und am 14. September und legen Blumen, Armbänder und handgeschriebene Notizen ab.
„Back to Black“ wird 20 und kehrt als Box zurück
Das Album war am 27. Oktober 2006 erschienen. Zum 20. Jubiläum erscheint es am 23. Oktober 2026 neu — als 3LP- und 3CD-Box, digital und in limitierten Vinylvarianten, darunter eine „Chalkboard Marble“-Farbedition und eine Zoetrope-Vinyl mit bewegten Winehouse-Motiven. Enthalten sind das Originalalbum, unveröffentlichte Demos, die vollständige B-Seiten-Sammlung und erstmals komplett der Live-Mitschnitt „Live at Paradiso, Amsterdam 2007“ vom 8. Februar 2007.
Dazu kommen alternatives Artwork, bislang unveröffentlichte Fotografien der Original-Albumfotografen Mischa Richter und Alex Lake sowie neue Liner Notes der Produzenten Mark Ronson und Salaam Remi. Angekündigt wurde das Projekt am 25. August 2026 von Republic/UMe und UMe/Island; die Details zur Jubiläumsedition von „Back to Black“ reichen von unveröffentlichten Demos bis zum kompletten Amsterdam-Konzert.
Die Zahlen belegen ihre Ausnahmestellung: In Großbritannien startete das Album auf Platz drei, erreichte später Platz eins der Official Album Charts und war 2007 das meistverkaufte Album des Jahres. Dort wurden mehr als 4,5 Millionen Exemplare verkauft, 15-fach Platin. In den USA kletterte es nach Platz sieben der Billboard 200 noch auf Platz zwei, weltweit liegen die Verkäufe bei über 25 Millionen.
Verkäufe von „Back to Black“ in Millionen Exemplaren
Album von 2006, Angaben für Großbritannien und weltweit
Bei den Grammy Awards 2008 gewann Winehouse an einem einzigen Abend fünf Auszeichnungen, darunter „Record of the Year“, „Song of the Year“ und „Best Pop Vocal Album“; nominiert war sie zudem als „Album of the Year“. Im Jahr 2026 kam posthum ein BRIT Billion Award hinzu.
Ein Vermächtnis in der Hand des Vaters
Winehouse entstammte einer jüdischen Einwandererfamilie. Ihr Ururgroßvater Harris Winehouse verließ 1891 Minsk in Richtung Amerika, landete laut Familienlegende durch einen Irrtum beim Ticketkauf aber im Londoner East End, wo er als Schneider arbeitete. Ihre Großmutter Cynthia prägte Stil, Extravaganz und Musikgeschmack der Enkelin; ein Porträt Cynthias zierte als eines von 14 Tattoos Amys rechte Schulter. 2013 stellte ihr Bruder Alex für das Jewish Museum London die Ausstellung „Amy Winehouse: A Family Portrait“ zusammen, die anschließend nach Melbourne, Wien, San Francisco, Brüssel, Amsterdam und schließlich Minsk reiste.
Nach ihrem Tod gründete ihr Vater Mitch die Amy Winehouse Foundation. Sie startete am 14. September 2011, ihrem 28. Geburtstag, und setzt sich gegen Drogen- und Alkoholmissbrauch bei jungen Menschen sowie für psychische Gesundheit ein. Das Resilience-Programm der Stiftung hat seit 2013 mehr als 460.000 junge Menschen in 628 Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen in Großbritannien erreicht; eine unabhängige Evaluation der University of Bath und der Harvard University umfasste über 80.000 Teilnehmende.
Mark Ronson, Mitproduzent von „Back to Black“, sagt zum Jubiläum, es sei „verrückt, dass sechs Songs, die aus einer Phase wütender musikalischer Verliebtheit entstanden, zwanzig Jahre später so vielen Menschen so viel bedeuten“. Ob die Deluxe-Box am 23. Oktober die Musik oder den Mythos bedient, entscheidet der Markt — und die Frage, wie viele der 22,9 Millionen Spotify-Hörer dann tatsächlich kaufen.
