Prinz William (44) verzichtet auf rund 1,5 Millionen Pfund Mieteinnahmen pro Jahr – und lenkt das Geld in das Dorf, aus dem es stammt. Als Duke of Cornwall steht er dem Herzogtum vor, dem das leerstehende Gefängnis HMP Dartmoor gehört.
Am Dienstag, 15. September 2026, reist der Prince of Wales nach Princetown auf Dartmoor in Devon, um dort den „Princetown Community Fund“ offiziell zu starten. Der Fonds stellt mindestens 250.000 Pfund für lokal geführte Projekte bereit, wie der BBC-Bericht zum Fonds und zum Gefängnis zeigt.
Gefördert werden Gemeinschaftsorganisationen, Wohltätigkeitsorganisationen und Social Enterprises; die Zuschüsse liegen zwischen 500 und 40.000 Pfund. Abgewickelt wird das Programm von der Devon-Benefizorganisation Devon Communities Together, die Antragsteller zusätzlich berät.
Das Geschäft mit dem leeren Gefängnis
Hinter dem Fonds steht ein ungewöhnlicher Geldfluss. Das Herzogtum Cornwall ist Eigentümer des HMP Dartmoor, eines Category-C-Männergefängnisses, dessen hohe Granitmauern das Dorf dominieren.
2022 – noch unter dem heutigen König Charles – unterzeichnete das Herzogtum einen Leasingvertrag über 37 Millionen Pfund mit dem britischen Justizministerium (MoJ). Er bringt 1,5 Millionen Pfund Miete pro Jahr über 25 Jahre.
Aufgedeckt wurde das Geschäft 2024 durch eine gemeinsame Investigation von Channel 4 „Dispatches“ und „The Sunday Times“ – zu einem Zeitpunkt, als William bereits Duke of Cornwall war und die Millionenzahlung persönlich vereinnahmte.
Denn das Gefängnis steht seit Juli 2024 leer. In den Unterkünften waren gefährlich hohe Werte des radioaktiven Gases Radon gemessen worden, das Lungenkrebs auslösen kann; 682 Gefangene wurden in andere Haftanstalten verlegt.
Der Überlieferung zum Gefängnis zufolge lagen die Werte bis zum 14-Fachen des zulässigen Grenzwerts. Rund 500 Inhaftierte und Bedienstete bereiteten 2025 Klagen gegen das Justizministerium wegen der Radonbelastung vor.
So viel Geld steckt hinter dem Dartmoor-Deal
Der Gemeinschaftsfonds im Vergleich zu den jährlichen Mieteinnahmen
William verzichtet auf seine Millionen
Der Duke of Cornwall will nicht länger persönlich von diesen Einnahmen profitieren. Er bat darum, die 1,5 Millionen Pfund ab dem Finanzjahr 2026/27 aus seinen Einkünften aus dem Herzogtum Cornwall herauszunehmen; das Geld soll der betroffenen Region zugutekommen.
Wie Devon Live über den Verzicht auf die Miete berichtet, wurde der Schritt am 25. Juni 2026 öffentlich – flankiert von einem Investitionspaket von 1,5 Millionen Pfund für Princetown und Dartmoor.
Die offizielle Begründung formuliert Williams Privatsekretär Ian Patrick. Der Duke habe die Folgen der Schließung vor Ort selbst gesehen; das Gefängnis sei seit langem Teil des Gefüges der Gemeinschaft gewesen, die Schließung habe echte Unsicherheit erzeugt.
„Prinz William weiß, dass das Gefängnis für viele Menschen in Princetown seit langem Teil des Gefüges der Gemeinschaft war. Die Schließung hat echte Unsicherheit erzeugt – nicht nur bei Arbeitsplätzen und Betrieben, sondern bei der Zukunft der Stadt selbst.“
Solange diese Fragen offen sind, solle der Nutzen der Mieteinnahmen in der Gemeinschaft bleiben, damit die Menschen vor Ort ihre Zukunft mitgestalten können, sagt Patrick. Die Entscheidung spiegele die Überzeugung, dass das Herzogtum eine Kraft für positive Wirkung in den Gemeinschaften sein sollte, denen es dient.
Vom Leasingvertrag zum Gemeinschaftsfonds
- 2022Herzogtum unterschreibt Leasingvertrag
Das Herzogtum Cornwall – damals unter Charles – schließt einen 25-Jahres-Vertrag über 37 Millionen Pfund mit dem Justizministerium. Die Miete: 1,5 Millionen Pfund pro Jahr.
- 2023Vertrag tritt in Kraft
Der Leasingvertrag beginnt. Erste Radon-Evakuierungen: 96 Inhaftierte werden wegen erhöhter Werte verlegt.
- 2024Investigation deckt den Deal auf
Channel 4 „Dispatches“ und „The Sunday Times“ berichten über den 37-Millionen-Pfund-Vertrag.
- Juli 2024Das Gefängnis wird geräumt
Wegen gefährlich hoher Radonwerte werden 682 Gefangene in andere Haftanstalten verlegt. Der Standort steht seither leer.
- 2025Besucherzentrum schließt
Das frühere Besucherzentrum des Dartmoor-Nationalparks fällt als Frequenzbringer weg. Rund 500 Inhaftierte und Bedienstete bereiten Klagen vor.
- 25. Juni 2026William verzichtet auf die Miete
Der Duke of Cornwall kündigt an, ab dem Finanzjahr 2026/27 auf 1,5 Millionen Pfund Mieteinnahmen zu verzichten; dazu ein 1,5-Millionen-Pfund-Investitionspaket.
- 15. September 2026Start des Community Fund
William besucht Princetown und startet den Fonds mit mindestens 250.000 Pfund.
Der Besuchstag in Princetown
William beginnt den Tag im Gather & Moor, dem früheren Besucherzentrum des Dartmoor-Nationalparks im Ortskern. Der Komplex gehört dem Herzogtum und wurde zu einem Gemeinde-, Besucher- und Kulturzentrum umgebaut. Dort trifft der Prinz Vertreter des Traditionsunternehmens Princetown Press.
Anschließend spricht er mit Anwohnern, Unternehmern und Gemeindevertretern, die an einem Zukunftskonzept für das Dorf mitgearbeitet haben. Das Herzogtum und seine Partner hatten dazu rund zwölf Monate lang online und im alten Besucherzentrum konsultiert. Die Ergebnisse der „Princetown Place Strategy“ sollen mit dem Fonds verknüpft werden.
Zum Abschluss besucht William den Jugendclub des Ortes. Bei einem früheren Besuch hatte er den Reparaturbedarf am Dach festgestellt; inzwischen wurde der Club mit Geld des Herzogtums unterstützt und konnte seine Angebote ausweiten.
Der Termin fällt auf Harrys Geburtstag
Der Besuchstag ist der 42. Geburtstag von Prinz Harry. William ist mit seinem Bruder zerstritten und hat sich zu Harrys Aufenthalt in Großbritannien bislang nicht öffentlich geäußert; britische Medien registrieren die Terminüberschneidung. Dass das Verhältnis angespannt bleibt, zeigte zuletzt Williams Auftritt bei der Geburtstagsparade ohne Harry.
Das Justizministerium zahlt die Miete unter dem laufenden Vertrag weiter, während es über die Zukunft des Standorts berät. Das Herzogtum Cornwall will in den kommenden zehn Jahren mehr als 500 Millionen Pfund in lokale Gemeinschaften und Wirtschaft, Wohnraum, erneuerbare Energien und den Erhalt der Umwelt investieren.
Offen bleibt, ob und wann das Gefängnis wieder öffnet: Die Schließung gilt offiziell als „vorübergehend“, ein Termin wurde nie genannt. Ebenso offen ist, wie lange das Justizministerium die 1,5 Millionen Pfund Jahresmiete noch überweist – und wie die 2025 vorbereiteten Klagen der rund 500 Betroffenen ausgehen.
