Sieben weitere KiK-Filialen in Deutschland schließen, doch eine vollständige Liste der rund 150 betroffenen Standorte rückt der Textildiscounter weiterhin nicht heraus.
Am 15. September 2026 veröffentlichten Münchner Merkur und HNA die aktualisierte Streichliste mit den neuen Standorten. KiK bestätigte die Schließungen auf Nachfrage; zuerst hatte die Schwäbische Post am 14. September über immer mehr bekannt werdende Standorte berichtet.
- Wutöschingen (Baden-Württemberg): letzter Verkaufstag am 18. September 2026
- Wassenberg (Nordrhein-Westfalen): letzter Verkaufstag war der 14. September 2026
- Magdeburg, Edelweiß-Passage (Sachsen-Anhalt): seit dem 3. September 2026 geschlossen
- Mengen (Baden-Württemberg): letzter Verkaufstag am 16. Oktober 2026
- Forst (Brandenburg): Verkauf bis spätestens 28. November 2026
- Dassel (Niedersachsen): Verkauf bis spätestens 28. November 2026
- Pfullendorf (Baden-Württemberg): November 2026 als letzter Monat bestätigt
Kurz zuvor war die Filiale München-Aubing bereits zum 12. September 2026 geschlossen worden, für den 17. September 2026 stand die Schließung von Gröditz in Sachsen an. Die öffentlich bekannte Streichliste umfasst damit rund 60 Filialen – nur einen Teil der 150.
KiK nennt keine Gesamtliste
KiK mit Sitz im westfälischen Bönen bestätigt jeden Standort einzeln. Auf die Anfrage des Münchner Merkur antwortete das Unternehmen: „Wir bitten um Verständnis, dass wir auf Anfragen zu einzelnen Standorten nicht eingehen und keine Filialübersicht zur Verfügung stellen können.“
Einen Grund dafür nannte der Bericht über die europaweiten Filialschließungen am 24. März 2026: Zahlreiche Beschäftigte waren zum Zeitpunkt der Ankündigung selbst noch nicht informiert.
So lief es auch jetzt in Wutöschingen und Wassenberg: Zuerst diskutierten Nutzer in örtlichen Facebook-Gruppen über das Aus, dann bestätigte KiK die Angaben gegenüber dem Münchner Merkur. In Dassel berichtete zuerst das Lokalportal meine-onlinezeitung.de, dass die Filiale zum Winter schließt und Einbeck bestehen bleibt; in der Magdeburger Edelweiß-Passage hatte zuvor die Volksstimme gemeldet.
150 Schließungen, 135 weniger netto
Am 1. April 2026 schrieb KiK dem Münchner Merkur: „In Deutschland werden wir dieses Jahr insgesamt rund 150 Filialen nicht weiterführen. Gleichzeitig eröffnen wir nach aktuellem Plan rund 15 neue Standorte auf dem deutschen Markt.“ Absender ist Christian Kümmel, Geschäftsführer und Finanzvorstand des Unternehmens.
Aus diesen Zahlen ergibt sich der Netto-Rückgang, den die Deutsche Presse-Agentur am 24. März 2026 gemeldet hatte: minus 135 auf noch über 2.200 deutsche Standorte. Europaweit stehen 300 Schließungen 75 Neueröffnungen gegenüber, das Netz schrumpft um rund 225 auf gut 4.000 Filialen.
KiK baut sein Filialnetz 2026 zurück
Geplante Schließungen und Neueröffnungen in Europa und Deutschland
KiK betonte gegenüber dem Merkur, „die Zahl der Schließungen fällt wesentlich geringer aus, als in den Medien im Herbst 2025 spekuliert wurde“. Und weiter: „Deutschland ist und bleibt unser wichtigster Markt… In Summe sind wir weiterhin mit über 2.200 Filialen in ganz Deutschland vertreten. Für uns und unsere Mitarbeitenden besteht damit Planungssicherheit für 2026.“
Zu dicht expandiert
Kümmel begründete den Sparkurs in dem Gespräch mit der dpa damit, dass die bisherige Wachstumsformel nicht aufging: In einigen Fällen liegen Filialen weniger als einen Kilometer auseinander.
„Wir haben zu dicht expandiert. Das bauen wir zurück.“
Alle verbleibenden Standorte seien profitabel, sagte Kümmel; ein weiteres Schrumpfen des Netzes schloss er nicht aus. In der Vergangenheit habe KiK bereits etwa 100 Filialen pro Jahr geschlossen – bei stets höheren Neueröffnungszahlen.
Als Ursachen nennt das Unternehmen die Kaufzurückhaltung der Verbraucher – „Zwar erhält der Discount insgesamt Zulauf. Wir sehen aber, dass der ein oder andere Einkauf weggelassen wird“ – sowie eine hohe Wechselbereitschaft und Preissensibilität der Kunden. Druck kommt von Woolworth, NKD und Action sowie von Shein und Temu.
Kündigungen sind nicht geplant, sagte Kümmel: „Wir werden die Mitarbeitenden der betroffenen Filialen in anderen Filialen weiter beschäftigen oder anderweitig eine Lösung finden.“ Die Branche schrumpft ohnehin: Der Handelsverband Deutschland erwartet für 2026 weniger als 300.000 Geschäfte im stationären Einzelhandel, Ende 2015 waren es rund 372.000.
Auch in der Promiwelt gab es Pläne für eine Modekette, die nicht umgesetzt wurden: Daniela Katzenbergers Vorhaben.
Ein Sparkurs seit September 2025
Der Umbau läuft seit September 2025 und zieht sich über das ganze Jahr: Im ersten Quartal 2026 wurden rund 50 Filialen geschlossen, etwa die Hälfte davon in Deutschland. Laut Lebensmittel Zeitung gelten europaweit bis zu 400 weitere Märkte als beobachtet, rund 170 deutsche Standorte als Verlustbringer oder nahe der Verlustzone.
Von der Ankündigung zur aktuellen Streichliste
- September 2025KiK startet den Sparkurs
Der Discounter kündigt an, unrentable Filialen zu schließen. Langjähriger Chef Patrick Zahn verlässt das Unternehmen.
- 24. März 2026Kümmel nennt die Zahlen
Im dpa-Gespräch spricht der Finanzvorstand von 300 Schließungen und 75 Neueröffnungen in Europa. Ulrich Hanfeld wird zum 1. Juni neuer Chef.
- 1. April 2026KiK schreibt dem Münchner Merkur
In Deutschland werden rund 150 Filialen nicht weitergeführt, rund 15 neue eröffnet – netto minus 135.
- 21. April 2026Erste Streichliste erscheint
Der Münchner Merkur veröffentlicht eine erste Liste; neu darin: Hildburghausen mit Schließung am 16. Mai 2026.
- 5. August 2026Drei weitere Standorte bekannt
Potsdam-Babelsberg (31. Dezember), München-Aubing (12. September) und Gröditz (17. September).
- 3. September 2026Erste Magdeburger Filiale schließt
Die Filiale in der Edelweiß-Passage macht zu, zuerst gemeldet von der Volksstimme.
- 15. September 2026Sieben weitere Standorte bestätigt
Merkur und HNA veröffentlichen die aktualisierte Streichliste mit Wutöschingen, Wassenberg, Mengen, Forst, Dassel, Pfullendorf und Magdeburg.
Parallel prüft KiK kürzere Öffnungszeiten in den verbleibenden Märkten. In internen Chatgruppen ist von Märkten die Rede, die morgens eine Stunde später öffnen; je nach Region könnten bis zu drei Viertel der Filialen betroffen sein, auch in Spanien und Portugal. KiK nennt das „regelmäßige und sinnvolle Optimierungen“ und betont, die Planung sei noch nicht abgeschlossen.
Auch die Führung wechselte: Ulrich Hanfeld löste zum 1. Juni 2026 Patrick Zahn ab. Am 17. September 2026 sollte Gröditz folgen, zum 31. Dezember 2026 schließt Potsdam-Babelsberg. Ob danach weitere Filialen folgen, hat KiK offengelassen; eine vollständige Liste legt der Discounter weiterhin nicht vor.
