Im Peacock Theater in Los Angeles erhob sich der ganze Saal, als Michael J. Fox (65) im Rollstuhl auf die Bühne gefahren wurde. Bei den 78. Primetime Emmy Awards nahm er am Montag den Bob Hope Humanitarian Award entgegen. Als er seine Rede beendet hatte, stand das Publikum ein zweites Mal auf.
Die Television Academy ehrte ihn für seinen jahrzehntelangen Einsatz für Menschen mit Parkinson und für die Forschung. Den Preis vergibt sie gemeinsam mit der Bob & Dolores Hope Foundation; seit 2002 zeichnet er Mitglieder der Fernsehbranche aus, deren Engagement dem Altruismus des Entertainers Bob Hope entspricht. Preisträger gibt es nicht zwingend jedes Jahr.
Was Fox auf der Bühne sagte, war keine Bilanz einer Karriere, sondern die Geschichte einer Angst. Er habe seine Diagnose zunächst verborgen, wie der Hollywood-Reporter über sein Schweigen berichtet, weil er fürchtete, sie könne seine Arbeit und seine Beziehungen zum Publikum beschädigen.
„Anfangs hielt ich meine Parkinson-Diagnose geheim. Ich hatte Angst, dass sie meine Arbeit und meine Beziehungen zum Publikum beeinträchtigen würde. Würden sie lachen, wenn sie wüssten, dass ich krank bin?“
Überreicht von einer alten Weggefährtin
Übergeben wurde der Ehrenpreis von Julianna Margulies, seiner früheren Co-Darstellerin aus der Anwaltsserie „The Good Wife“. Fox bedankte sich bei ihr als „great acting partner“ und scherzte, er sei froh, nicht mehr in Juristensprache reden zu müssen.
In ihrer Laudatio nannte Margulies ihn einen „dear, dear friend“: „In diesem Jahr wird dieser Preis erst zum sechsten Mal vergeben, und ich kann mir niemanden vorstellen, der ihn mehr verdient als Michael.“ Zuvor lief eine Montage, die Fox’ Fernsehkarriere und sein philanthropisches Engagement zeigte.
Im Saal reagierten zahlreiche Prominente sichtbar bewegt. Begleitet wurde Fox von seiner Ehefrau Tracy Pollan; laut Fox News war es der erste gemeinsame Emmy-Auftritt des Paares seit 13 Jahren. Mehrere Berichte nennen auch die vier erwachsenen Kinder als Begleitung.
Bob Hope als Vorbild
Ein großer Teil der Rede galt dem Namensgeber des Preises. Fox erinnerte daran, dass seine Eltern in der Weltwirtschaftskrise geboren und im Zweiten Weltkrieg erwachsen geworden seien. Für sie sei Hope „mehr als ein Entertainer“ gewesen, nämlich ein „selbstloser Verfechter“ von Soldaten und Militärfamilien wie der seinen.
An Weihnachten und Thanksgiving habe Hope statt mit seiner Familie mit der Truppe gefeiert – „in Berlin, Saigon, im Nahen Osten, mit einer Truthahnkeule und einem Golfschläger“. Hope, der 2003 starb, habe alles verkörpert, woran Fox selbst später glaubte: „Wenn es schwierig wird, tauchst du auf, du hilfst – und wenn du dabei ein bisschen Freude hast, ist das noch besser.“
Parkinson annehmen, ohne sich zu ergeben
Der Satz, in dem der Abend zusammenläuft, steht in Varietys Bericht über Fox’ Dankesrede: „Ich habe verstanden, dass die Parkinson-Krankheit zu akzeptieren nicht bedeutete, dass ich mich ihr ergeben musste. Es bedeutete nur, zu tun, was ich für alle tun kann, die mit dieser Krankheit leben.“
Fox sagte, er habe begonnen, für die Anliegen der Betroffenen einzutreten und Geld zu sammeln, „brillante Leute“ für die Sache gewonnen und geschworen, „die beste Wissenschaft der Welt“ zu finanzieren. Er sei stolz auf die Fortschritte zum Nutzen von Patienten und Familien und dankbar gegenüber Mitarbeitern, Spendern, Forschern und „vor allem der Patientengemeinschaft“.
Das Publikum, so Fox, habe ihn eines Besseren belehrt: „Ich war überwältigt von eurer Unterstützung.“ Er habe nicht verloren, was er tue, „sie konnten es mir nicht nehmen“. Er verdanke das dem Einsatz der Zuschauer.
Besonderen Raum nahm die Familie ein. Fox dankte seiner Frau Tracy Pollan, mit der er seit 1988 verheiratet ist, und den vier erwachsenen Kindern Sam, Aquinnah, Schuyler und Esmé – auch seine Eltern und Geschwister erwähnte er.
„Ich danke Tracy und unseren Kindern für ihre Opfer, ihre Geduld und ihre Liebe. Ihr könnt euch das gar nicht vorstellen.“
Stiftung, Nominierung und ein posthumer Sieger
Fox erhielt 1991 mit 29 Jahren die Diagnose einer früh beginnenden Parkinson-Erkrankung. Im Oktober 2000 gründete er gemeinsam mit Deborah W. Brooks die Michael J. Fox Foundation for Parkinson’s Research. Sie gilt als weltweit größte nicht kommerzielle Förderin der Parkinson-Forschung und hat nach Angaben der Quellen zwischen 2,5 und mehr als 3 Milliarden US-Dollar in die Forschung gesteuert.
Cris Abrego, Vorsitzender der Television Academy, hatte Fox bereits bei der Ankündigung im Juli als „eine der beliebtesten und beständigsten Persönlichkeiten des Fernsehens“ gewürdigt. Die Academy ehre ihn für seine außergewöhnliche Führungsrolle beim Voranbringen der Parkinson-Forschung, die das öffentliche Bewusstsein verändert und weltweit Unterstützung mobilisiert habe, sagte er.
Fox war bei den Emmys für seine Gastrolle als Parkinson-Patient Gerry in der dritten Staffel von „Shrinking“ nominiert. Fox hat fünf Emmys gewonnen, 1986 für „Family Ties“, zuletzt 2009 für „Rescue Me“.
Von der Diagnose zum Ehrenpreis
- 1991Diagnose mit 29 Jahren
Fox erhält die Diagnose einer früh beginnenden Parkinson-Erkrankung und hält sie zunächst geheim.
- 1998Der Schauspieler macht die Krankheit öffentlich
Nach Jahren des Verbergens spricht Fox erstmals offen über seine Parkinson-Erkrankung.
- 31. Oktober 2000Gründung der Michael J. Fox Foundation
Gemeinsam mit Deborah W. Brooks baut Fox die Stiftung auf, die zur größten nicht kommerziellen Förderin der Parkinson-Forschung wird.
- 2002Erste Verleihung des Bob Hope Humanitarian Award
Die Television Academy zeichnet Oprah Winfrey als erste Preisträgerin aus.
- Juli 2026Die Academy kündigt Fox als Preisträger an
Academy-Chair Cris Abrego würdigt Fox als eine der beständigsten Persönlichkeiten des Fernsehens.
- 14. September 2026Zwei Standing Ovations im Peacock Theater
Fox erhält den Bob Hope Humanitarian Award, überreicht von Julianna Margulies.
2022 bekam Fox den Jean Hersholt Humanitarian Award, den Ehrenoscar, 2025 folgte die Presidential Medal of Freedom. Nach früheren Angaben von Fox News sagte er auf der Bühne, man sei einer Heilung nahe. Wann der Bob Hope Humanitarian Award das nächste Mal vergeben wird, hat die Academy nicht festgelegt.
