Frankfurt: Zwei Anwohner nahe dem Flughafen an Malaria erkrankt
Bild: KI-generiert
Flughafenmalaria

Frankfurt: Zwei Anwohner nahe dem Flughafen an Malaria erkrankt

Zwei Menschen aus Frankfurt-Schwanheim sind an Malaria erkrankt, ohne je in den Tropen gewesen zu sein. Das Gesundheitsamt hält eine vom Flughafen eingeschleppte Mücke für die Ursache – und rätselt, ob dieselben Erreger schon sechs Flughafen-Beschäftigte infiziert haben.

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Zwei Menschen aus Frankfurt-Schwanheim sind an Malaria erkrankt – obwohl sie nie in den Tropen waren und nicht am Flughafen arbeiten. Beide wohnen nur rund fünf Kilometer vom größten deutschen Airport entfernt. Genau das macht ihre Infektion so ungewöhnlich.

Das Gesundheitsamt Frankfurt meldete die beiden Fälle am 15. September 2026. In den Blutproben steckt Plasmodium falciparum, der Erreger der Malaria tropica – der gefährlichsten Form. Beide Betroffenen sind nach Angaben der Behörde in medizinischer Behandlung.

Die Behörde schloss die üblichen Ansteckungswege aus: keine Reise in ein Malaria-Endemiegebiet, keine Bluttransfusion, kein Arbeitsplatz am Flughafen. Damit erfüllen die Fälle aus Sicht des Amts die Kriterien der sogenannten Flughafenmalaria – einer Infektion, bei der eine aus den Tropen eingeschleppte Mücke in der Umgebung eines internationalen Flughafens zusticht.

Woher kam die Mücke?

Zum Zeitpunkt der Meldung suchte das Gesundheitsamt noch nach der Ansteckungsquelle. Fest steht: Von Mensch zu Mensch wird Malaria nicht übertragen. Für eine Infektion braucht es den Stich einer infizierten Anopheles-Mücke.

Amtsleiter Peter Tinnemann argumentiert mit der kurzen Distanz zwischen Airport und Wohngebiet: „Mücken, die über den Flughafen nach Frankfurt kommen, können sich über mehrere Kilometer bewegen“, sagte er. Anopheles-Mücken legen fünf bis zehn Kilometer am Stück zurück und überleben bei sommerlichen Temperaturen bis zu vier Wochen. wie die hessenschau über eingeschleppte Mücken berichtet

In diesem Fall gehen wir davon aus, dass eine Mücke mit großer Wahrscheinlichkeit so weit geflogen ist und dann die beiden erkrankten Personen infiziert hat.
Peter Tinnemann, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts

Auf dieser Annahme baut die Behörde ihre Erklärung auf, weil Reisen und Bluttransfusionen als Wege ausscheiden. „Die Infizierten haben keine Auslandsreisen gemacht“, betonte Tinnemann. Aus Sicht des Gesundheitsamts deutet damit alles auf eine importierte Mücke hin.

Sechs Fälle, zwei Tote seit dem Sommer

Die beiden neuen Fälle fallen in eine Serie, die Frankfurt seit Monaten beschäftigt. Seit Anfang Juli 2026 erkrankten sechs Menschen an Malaria, die am Frankfurter Flughafen arbeiten. Fünf Fälle wurden Anfang Juli gemeldet, ein weiterer Mitte August.

Zwei dieser Erkrankungen verliefen tödlich: Ein Mensch starb bereits Anfang Juli, ein weiterer im August. Keine der sechs Personen hatte ein Malaria-Endemiegebiet bereist oder eine Bluttransfusion erhalten. Das Robert Koch-Institut geht davon aus, dass eine per Flug importierte Anopheles-Mücke die Infektionen ausgelöst hat.

Die Malaria-Fälle in Frankfurt seit Sommer 2026

  1. Anfang Juli 2026
    Fünf Flughafen-Beschäftigte erkranken

    Fünf am Frankfurter Flughafen tätige Personen bekommen Malaria, eine von ihnen stirbt.

  2. Mitte August 2026
    Ein weiterer Fall, ein weiterer Todesfall

    Eine weitere am Flughafen beschäftigte Person erkrankt und stirbt. Damit sind sechs Fälle und zwei Tote bekannt.

  3. 26. August 2026
    Berichte über die sechs Fälle

    Medien berichten über die Malaria-Erkrankungen unter Flughafenmitarbeitern und die zwei Todesfälle.

  4. 14. September 2026
    Erster Verdachtsfall im Stadtgebiet

    Dem Gesundheitsamt wird ein erster Verdachtsfall im Frankfurter Stadtgebiet gemeldet.

  5. 15. September 2026
    Zwei Fälle in Schwanheim gemeldet

    Das Gesundheitsamt informiert über zwei weitere Erkrankte – ohne Reise, ohne Flughafen-Job – und richtet die Hotline 069/212-30030 ein.

  6. 16. September 2026
    Blutproben gehen nach Antwerpen

    Die Proben der Erkrankten sollen in einem Tropenlabor genetisch verglichen werden.

Ein in Deutschland fast unbekanntes Ereignis

Bundesweit ist Flughafenmalaria extrem selten. Der letzte dokumentierte Fall vor dem Geschehen des Sommers war 2023 – ebenfalls am Frankfurter Flughafen. Das hielt das Robert Koch-Institut in seinem „Epidemiologischen Bulletin“ fest.

Eine europaweite Literaturanalyse zählte für die Jahre 1969 bis Anfang 2024 insgesamt 145 Fälle von Flughafen- und Koffermalaria in neun europäischen Ländern: 105 als Flughafenmalaria, 32 als Koffermalaria, acht nicht eindeutig zuordenbar. Die meisten Fälle entfielen auf Frankreich (52), Belgien (19) und Deutschland (9).

Flughafen- und Koffermalaria in Europa: Fälle nach Land

Erfasster Zeitraum 1969 bis Anfang 2024, neun europäische Länder

Quelle: Literaturanalyse von Luisa Hallmeier-Wacker u. a., ECDC, 2025

In Deutschland entfielen acht der neun Fälle auf Frankfurt. Die Hälfte aller europäischen Betroffenen arbeitete an einem internationalen Flughafen oder in dessen Nähe – im Umkreis von 4,3 Kilometern.

Tinnemann ordnet die neuen Infektionen als Ausnahme ein: Eine Malaria-Erkrankung bei Anwohnern eines Flughafens sei in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten nicht bekannt geworden. Er spricht von einem „außergewöhnlich seltenen Ereignis“.

Appell an Ärzte, Hotline für Anwohner

Das Gesundheitsamt reagierte mit mehreren Schritten. Informiert wurden die Kassenärztliche Vereinigung Hessen und die für den Infektionsschutz zuständigen Behörden. Ärztinnen, Ärzte und Klinikpersonal sollen für das Malariageschehen sensibilisiert werden.

Bei unklarem Fieber soll eine Malariaerkrankung auch dann in Betracht gezogen werden, wenn keine Reise in ein Endemiegebiet stattgefunden hat. „Dies gilt insbesondere für Menschen, die am oder im Umfeld des Frankfurter Flughafens arbeiten oder sich dort aufhalten beziehungsweise in räumlicher Nähe zum Flughafen wohnen“, so Tinnemann.

Anwohner in Flughafennähe sollen bei entsprechenden Beschwerden zeitnah ärztlichen Rat einholen und auf ihren Wohnort hinweisen. Zu den möglichen Symptomen zählen Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Krampfanfälle, Atembeschwerden sowie Kopf-, Glieder- und Magen-Darm-Beschwerden. Für Fragen richtete das Amt eine Hotline unter der Nummer 069/212-30030 ein.

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Gut behandelbar, aber nicht harmlos

Tinnemann betonte, die „Frankfurterinnen und Frankfurter sind nicht durch Malaria gefährdet“. Bei frühzeitiger Diagnose und schnell eingeleiteter Behandlung sei die Krankheit gut und vollständig behandelbar. Unbehandelt ist Malaria laut WHO lebensbedrohlich.

Verbreitet ist die Krankheit in den tropischen und subtropischen Gebieten Afrikas, Asiens, Südamerikas und Zentralamerikas – rund 90 Prozent aller weltweiten Fälle treten in Afrika südlich der Sahara auf. Eine allgemein verfügbare Standardimpfung für Erwachsene in Europa oder speziell gegen Flughafenmalaria gibt es nicht.

Offen ist, ob die beiden neuen Fälle mit den sechs früheren zusammenhängen. Die Blutproben der Erkrankten sollen in einem spezialisierten Tropenlabor in Antwerpen untersucht werden, wie die FAZ über die geplanten Genanalysen berichtet. Dort will man feststellen, ob die im Blut nachgewiesenen Plasmodien alle den gleichen genetischen Fingerabdruck tragen – und ob womöglich dasselbe Insekt beide Menschen gestochen hat.