Supreme Court stoppt Trumps Briefwahlregeln für die Midterms
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US-Justiz

Supreme Court stoppt Trumps Briefwahlregeln für die Midterms

Der Supreme Court lässt Trumps neue Briefwahlregeln vor den Kongresswahlen scheitern – und der Präsident reagiert mit einer Attacke auf genau die Richter, die er selbst ernannt hat.

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Donald Trump hat vor dem Supreme Court eine Niederlage kassiert: Die neuen Briefwahlregeln des US Postal Service bleiben außer Kraft. Mit knapper Mehrheit lehnte das Gericht am Montag, dem 14. September 2026, den Eilantrag der Regierung ab, die einstweilige Verfügung der Bundesrichterin Indira Talwani auszusetzen.

Gut 50 Tage vor den Kongresswahlen am 3. November können die Bundesstaaten damit ihre bisherigen Briefwahlverfahren fortsetzen; in einigen Staaten waren die Unterlagen bereits verschickt. Trump reagierte am Dienstag auf Truth Social mit einer Attacke auf das Gericht: Es sei ein „schreckliches, hoch politisches Urteil“, und „der Supreme Court hat unser Land wirklich im Stich gelassen“.

Der bemerkenswerteste Teil der Attacke zielte auf die drei Richter, die er selbst nominiert hat: Neil Gorsuch, Brett Kavanaugh und Amy Coney Barrett. Sie gehören zum konservativen Flügel des Gerichts – und sie entschieden diesmal gegen den Präsidenten, der sie ins Amt brachte.

Das sind nicht die Menschen, die ich für ein Amt am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten interviewt habe, sie sind nur noch ein Schatten ihrer selbst.
Donald Trump, US-Präsident

Ein knapper Beschluss ohne Unterschrift

Der Beschluss im Verfahren USPS v. California (Aktenzeichen 26A305) war knapp und nicht unterzeichnet. Die Mehrheit schrieb, die Regierung werde mit ihrer Anfechtung der einstweiligen Verfügung voraussichtlich keinen Erfolg haben, wie der Bericht bei Votebeat zur Entscheidung festhält. Nach Darstellung von Above the Law nannte sie zwei voneinander unabhängige Gründe: Die Regierung dürfte in der Sache verlieren, und auch die Billigkeitserwägungen sprächen nicht für eine Aussetzung.

Nur zwei der neun Richter, Samuel Alito und Clarence Thomas, widersprachen ausdrücklich. Alito verfasste eine achtseitige Dissentschrift: Die Post habe weitreichende Befugnisse zur Regulierung des Postverkehrs, die klagenden Bundesstaaten und die Gerichte trügen „einen erheblichen Teil der Schuld“ an der zeitlichen Enge. Eine vollständige Aufschlüsselung des Abstimmungsergebnisses enthielt der Beschluss nicht.

Richter Brett Kavanaugh schloss sich der Entscheidung ausdrücklich an. Es gebe „zumindest eine faire Aussicht“, dass die endgültige Regelung von der gesetzlichen Befugnis der Post gedeckt sei, doch ihre Anwendung in den Wahlen 2026 wäre „willkürlich und kapriziös“ und verstoße gegen den Administrative Procedure Act, weil staatliche und lokale Wahlbehörden keine Zeit mehr hätten, sie angemessen umzusetzen.

Von der Exekutivorder zum Eilantrag

Trump hatte im März 2026 per Exekutivorder angeordnet, den Briefwahlversand der Post neu zu regeln. Die am 26. August finalisierten Regeln hätten Bundesstaaten verpflichtet, dem Postal Service über ein neues Online-Portal eine Liste aller Wahlberechtigten zu übermitteln, die Briefwahlunterlagen erhalten sollen – ein Portal, das noch nicht verfügbar war.

Stimmzettel an Wähler, die nicht auf dieser Liste stehen, hätte die Post nicht zugestellt. Vorgeschrieben waren zudem einheitliche Umschläge mit speziellen Wähler-Barcodes, die die Post hätte prüfen können. Gegen die Regelung klagten 23 von Demokraten regierte Bundesstaaten, Washington D.C., Wahlrechtsgruppen und demokratische Organisationen.

Richterin Talwani stufte die Regelung im Juni 2026 in wesentlichen Teilen als verfassungswidrig ein. In ihrer elfseitigen Entscheidung schrieb sie, das Gericht kenne keine vom Kongress erteilte Vollmacht, die die USPS zur Regulierung von Wahlpost ermächtige.

Ein anonymer Whistleblower aus der Post nannte das System Anfang September „geheimniskrämerisch, überstürzt, chaotisch und grundlegend fehlerhaft“ und warnte vor einem „katastrophalen Versagen“: Schon ein fehlerhafter Umschlag in einer Sammelsendung hätte dazu führen können, dass die Post alle Stimmzettel dieser Sendung zurückschickt.

Der Weg zum Supreme-Court-Beschluss

  1. März 2026
    Trump ordnet neue Briefwahlregeln an

    Eine Exekutivorder weist den US Postal Service an, den Briefwahlversand neu zu regeln und Stimmzettel an nicht auf Listen geführte Wähler zu blockieren.

  2. 3. April 2026
    23 Bundesstaaten klagen

    Von Demokraten regierte Bundesstaaten, Washington D.C., Wahlrechtsgruppen und demokratische Organisationen ziehen gegen die Order vor Gericht.

  3. Juni 2026
    Talwani blockiert zentrale Teile

    Bundesrichterin Indira Talwani stellt die Order als verfassungswidrig fest – es fehle die Vollmacht des Kongresses.

  4. 26. August 2026
    Die Post legt finale Regeln vor

    Ein 95-seitiger Plan sieht einheitliche Umschläge, Wählerlisten und Barcodes vor.

  5. 28. August 2026
    Supreme Court hebt Verfügung vorübergehend auf

    Das Gericht stoppt Talwanis Verfügung aus formalen Gründen; die Richterin blockiert die finalisierten Regeln erneut.

  6. 14. September 2026
    Supreme Court lehnt Eilantrag ab

    Die Regierung werde voraussichtlich keinen Erfolg haben. Nur Alito und Thomas widersprechen ausdrücklich.

  7. 15. September 2026
    Trump greift seine eigenen Richter an

    Auf Truth Social nennt er Gorsuch, Kavanaugh und Barrett „nur noch ein Schatten ihrer selbst“.

Was die Niederlage für die Midterms bedeutet

Die Entscheidung fällt weniger als zwei Monate vor den Kongresswahlen am 3. November 2026, der Halbzeit von Trumps zweiter Amtszeit. Sie gilt als wichtigster Stimmungstest für den Präsidenten; den Republikanern droht der Verlust des Repräsentantenhauses, im Senat ist ein Patt möglich. Es war bereits die zweite Niederlage binnen zwei Wochen: Zuvor hatte der Supreme Court Missouris von Trump unterstützte Neuwahl-Karte für das Repräsentantenhaus nicht zugelassen.

Trump macht die Briefwahl seit Jahren ohne Belege für seine Niederlage gegen Joe Biden 2020 verantwortlich. Eine Brookings-Studie von 2025 fand Briefwahlbetrug in nur etwa vier Fällen pro zehn Millionen abgegebener Briefwahlstimmen.

Anteil der US-Wähler, die per Briefwahl abstimmen

Rund ein Drittel nutzt die Briefwahl – in manchen Bundesstaaten waren die Unterlagen beim Gerichtsentscheid bereits verschickt.

33%Briefwähler
Quelle: tagesschau.de / HuffPost

Trump gegen die eigene Richterbank

Trump hat in seiner ersten Amtszeit Gorsuch (2017), Kavanaugh (2018) und Barrett (2020) nominiert. Attackiert hat er sie trotzdem regelmäßig, wenn sie gegen ihn entschieden: Im Februar 2026 nannte er nach der 6:3-Niederlage gegen seine Zölle die Stimmen von Gorsuch und Barrett „eine Blamage für ihre Familien“; im März sagte er, die beiden „widern mich an“; im April schrieb er, bestimmte „republikanische“ Richter seien „schwach, dumm und schlecht“ geworden; im Juni nannte er die Entscheidung zur Geburtsstaatsbürgerschaft ein „komplettes und totales Desaster für Amerika“.

In seinem Post vom 15. September schrieb er, das Gericht werde von der „radikalen Linken“ drangsaliert und überredet, Entscheidungen zu treffen, „die Amerika um mindestens hundert Jahre zurückgeworfen haben“. Bestimmte Richter hätten Angst vor den „verrückten und verdorbenen Demokraten“ und seien „völlig unfähig, den Mut aufzubringen, der nötig ist, um unser Amerika zu retten“. Alito und Thomas, die beiden Dissidenten, lobte er dagegen als „Legenden“.

Nach einer Analyse der Agentur AP gewinnt der Präsident dort zwar häufig – fast zwei Dutzend Erfolge im Eilverfahren, darunter die Immunitätsentscheidung von 2024 und der Umbau unabhängiger Bundesbehörden –, verliert aber die großen, voll durchberatenen Verfahren: Zölle, Geburtsstaatsbürgerschaft, Briefwahl. Der frühere Solicitor General Don Verrilli sagte an der Georgetown Law: „Ich denke, es ist sicher richtig, dass dies kein MAGA-Gericht ist. Das Gericht behauptet seine Unabhängigkeit vom Präsidenten.“

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Die Regierung hält sich an das Urteil

Justizminister Todd Blanche kündigte an, die Regierung werde sich an die Entscheidung halten, schloss aber weitere Vorstöße zur Briefwahl vor 2028 nicht aus: „Die Bemühungen von Präsident Trump, sicherzustellen, dass wir freie und faire Wahlen haben, werden nicht im November oder danach enden.“ Trumps Kritik verteidigte er ausdrücklich.

Er hat jedes Recht, und er sollte dem Supreme Court seine Bedenken mitteilen, wann immer er sie hat. Das ist nicht das erste Mal, dass er das tut, und es wird nicht das letzte Mal sein.
Todd Blanche, US-Justizminister

Die Bürgerrechtsorganisation ACLU nannte die Entscheidung einen „großen Sieg für das Wahlrecht, die Wahlintegrität und die Demokratie“ und erklärte, die Verfassung gebe den Bundesstaaten und dem Kongress die Macht, Wahlregeln festzulegen, „nicht dem Präsidenten und nicht der Postbehörde“. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom, dessen Staat mitgeklagt hatte, schrieb, die Amerikaner hätten nun „endlich, 50 Tage vorher“ Gewissheit: „Wählen ist sicher, Briefwahl steht allen offen, die sie brauchen.“

Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta sagte, die Folgen einer Inkraftsetzung wären „katastrophal“ gewesen. Sein Bundesstaat beginnt Anfang Oktober mit dem Versand der Stimmzettel. Ob die Regierung vor den nächsten Wahlen einen neuen Anlauf unternimmt, ließ Blanche offen.