Les-Rita-Mitsouko-Sängerin Catherine Ringer stirbt mit 68 an Krebs
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Französischer Rock

Les-Rita-Mitsouko-Sängerin Catherine Ringer stirbt mit 68 an Krebs

Die Familie machte ihren Tod am 15. September 2026 über AFP öffentlich – von der Krebserkrankung wusste niemand, auch Weggefährte Bernard Lavilliers nicht. Frankreichs Politik und Musikwelt würdigen eine Sängerin, die als “inclassable„ galt.

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Die Stimme der Rita Mitsouko ist verstummt: Catherine Ringer (68) ist in der Nacht zum 14. September 2026 an einem rasch verlaufenden Krebs gestorben. Ihre Familie machte den Tod am Dienstag, dem 15. September 2026, über die Nachrichtenagentur AFP öffentlich.

Im Communiqué heißt es, Ringer sei “emportée par un cancer foudroyant dans la nuit du 14 septembre 2026„. Die Sängerin habe “plusieurs générations par sa voix et ses chansons, sa grande liberté et sa singularité„ geprägt, erklärte die Familie. Dass Ringer überhaupt erkrankt war, war öffentlich nicht bekannt.

Selbst enge Weggefährten erfuhren davon erst mit der Todesnachricht. Der Sänger Bernard Lavilliers, der 2014 mit Ringer “Idées noires„ aufnahm, sagte der Zeitung Le Parisien, alle seien fassungslos – er habe sie gerade anrufen wollen, um ihr ein neues Projekt vorzuschlagen.

Von Suresnes in den Pariser Club Le Gibus

Ringer wurde am 18. Oktober 1957 in Suresnes in den Hauts-de-Seine geboren. Ihr Vater, der Maler Sam Ringer, kam in Polen als aschkenasischer Jude zur Welt und überlebte die Deportation in mehrere Konzentrationslager, wie der Nachruf von Le Monde auf die Sängerin beschreibt. Ihre Mutter war Architektin; mit 15 Jahren verließ Ringer die Schule und wandte sich Theater, Tanz und Musik zu.

Sie arbeitete als Schauspielerin in Kurzfilmen und als Synchronsprecherin, ab 1975 auch in rund zwanzig pornografischen Filmen – teils unter Pseudonymen wie Yvette Lemercier, Betty Davis oder Lolita da Nova. Diese Vergangenheit verleugnete sie nie. 1986 geriet sie in der Canal+-Sendung von Serge Gainsbourg deswegen heftig unter Beschuss und hielt ihm stand.

1979 lernte sie bei einer Audition für die Comédie musicale “Flashes Rouges„ in Montreuil den Gitarristen Fred Chichin kennen. Im November 1980 trat das Paar erstmals im Pariser Club Le Gibus als Rita Mitsouko auf. Nach dem kommerziell erfolglosen Debüt “Don't Forget the Night„ (1981) nahm Virgin das Duo unter Vertrag; das Album “Rita Mitsouko„ erschien 1984 und wurde erst Monate später zum Erfolg, als die Single “Marcia Baïla„ die Radiowellen eroberte.

Die Stationen von Catherine Ringer

  1. 18. Oktober 1957
    Geburt in Suresnes

    Catherine Ringer wird als Tochter des Malers Sam Ringer und einer Architektin geboren.

  2. 1979
    Begegnung mit Fred Chichin

    Bei einer Audition in Montreuil lernen sich Ringer und der Gitarrist Fred Chichin kennen; sie gründen das Duo Les Rita Mitsouko.

  3. November 1980
    Erster Auftritt als Rita Mitsouko

    Im Pariser Club Le Gibus steht das Duo erstmals gemeinsam auf der Bühne.

  4. 1984
    “Marcia Baïla„ wird zum Millionenhit

    Das Debütalbum “Rita Mitsouko„ erscheint; die Single über die Tänzerin Marcia Moretto verkauft sich über eine Million Mal.

  5. November 2007
    Fred Chichin stirbt mit 53 Jahren

    Ringer zieht sich zunächst von der Bühne zurück.

  6. 2011
    Erstes Soloalbum “Ring n' Roll„

    2012 folgt die Victoire de la Musique als beste Interpretin des Jahres.

  7. Nacht zum 14. September 2026
    Tod im Alter von 68 Jahren

    Die Familie gibt den Tod am 15. September über die Nachrichtenagentur AFP bekannt.

Nach Chichins Tod: Soloalbum und eine Victoire

Im November 2007 starb Fred Chichin mit 53 Jahren an Krebs – Ringers Partner, der Vater ihrer drei Kinder und ihr musikalischer Gegenpol. Ringer zog sich zunächst von der Bühne zurück, nahm ihre Karriere aber wieder auf: 2011 erschien ihr erstes Soloalbum “Ring n' Roll„, für das sie 2012 als beste Interpretin des Jahres mit einer Victoire de la Musique ausgezeichnet wurde. 2017 folgte “Chroniques et Fantaisies„.

Mit dem Programm “Catherine Ringer chante les Rita Mitsouko„, begleitet von ihrem Sohn Raoul Chichin an der Gitarre, hielt sie das Repertoire des Duos lebendig; 2019 feierte sie in der Philharmonie de Paris den 40. Jahrestag ihrer Begegnung mit Chichin. Noch im April 2026 trat sie im kleinen Club Stockfish in Nizza auf, im Februar 2026 in Paris. Eine für den 27. Juni geplante musikalische Lesung in der Maison de la Poésie sagte sie wegen “extinction de voix„ ab.

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Macron würdigt eine “Inclassable„

Die Nachricht löste in Frankreich eine Welle der Anteilnahme aus. Staatspräsident Emmanuel Macron nannte Ringer “inclassable, irrévérencieuse, profondément française„ – sie werde fehlen.

Catherine Ringer hat aus ihrer Stimme ein Theater und aus jedem Lied eine Freiheit gemacht. Mit Fred Chichin hat sie den Rita Mitsouko einen Klang und Farben ohne Gleichen gegeben.
Emmanuel Macron, Staatspräsident Frankreichs

Kulturministerin Catherine Pégard erklärte, von “Marcia Baïla„ bis “Andy„ hätten ihre Stimme und ihre “irrésistible amour de la liberté„ die französische Chanson geprägt; sie habe “des générations entières„ zum Tanzen gebracht.

Nationalversammlungspräsidentin Yaël Braun-Pivet nannte Ringer eine “libre„ und “audacieuse„ Künstlerin, der PS-Vorsitzende Olivier Faure zeigte sich “immens traurig„, die LFI-Abgeordnete Aurélie Trouvé würdigte sie als “militante infatigable„, wie die gesammelten Reaktionen bei franceinfo zeigen.

Aus der Musikwelt kamen ebenfalls Hommagen: Benjamin Biolay nannte sie eine “reine„ und erklärte, “le groupe le plus important de l'histoire du rock français peut se reformer„. Clara Luciani schrieb, die französische Chanson habe ihren “unique et irremplaçable punk géniale„ verloren. Die US-Band Sparks, mit der die Rita Mitsouko 1988 zusammenarbeiteten, schrieb: “There was no one like her. A true force of nature„. Die Zeitung Libération titelte mit einer Zeile aus “C'est comme ça„: “On veut pas t'abandonner„.

Marseillaise, Romainville und drei Kinder

Ringer war eine engagierte Künstlerin: Sie setzte sich für Frauenrechte, Ökologie und gegen die extreme Rechte ein. 2024 dichtete sie bei der Zeremonie zur Aufnahme des Abtreibungsrechts in die Verfassung vor dem Justizministerium die Marseillaise um – “Marchons et chantons cette loi pure dans la Constitution„ – und wich anschließend einem Handkussversuch Macrons aus. Später sagte sie, “ce n'était pas le moment de faire une bise de copains, je ne suis pas son pote!„

2018 wurde sie nach der Besetzung eines Waldstücks in Romainville in der Seine-Saint-Denis angeklagt und freigesprochen; 2023 versteigerte sie rund hundert Werke ihres Vaters Sam Ringer. Sie hinterlässt drei Kinder – Ginger, Simone und Raoul; Simone und Raoul sind musikalisch tätig, Raoul begleitete seine Mutter als Gitarrist auf der Bühne.

Ob das Duo ohne seine Sängerin fortlebt, wie Benjamin Biolay angedeutet hat, und wer künftig Ringers Lieder singt, ist offen.