Brigitte Servatius starb am 29. Juni 2026 nach Schlaganfall
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Kommunalpolitik

Brigitte Servatius starb am 29. Juni 2026 nach Schlaganfall

Am 16. September 2026 wäre Brigitte Servatius 82 Jahre alt geworden. Gautings erste Bürgermeisterin starb am 29. Juni 2026 nach einem Schlaganfall – zwölf Jahre lang prägte sie das Rathaus, gegen CSU und FDP, gegen Autobahnsüdring und Flughafenausbau. Ein Gedenken zu ihrem Geburtstag ist bislang nicht angekündigt.

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Am 16. September 2026 wäre Brigitte Servatius 82 Jahre alt geworden. Gautings Altbürgermeisterin erlebte diesen Mittwoch nicht: Sie starb am 29. Juni 2026 auf der Palliativstation des Klinikums Großhadern, keine drei Wochen nach einem schweren Schlaganfall am Gautinger Krapfberg.

Zwölf Jahre lang gab sie im Rathaus den Ton an – als erste Frau im Amt, gegen CSU und FDP, gegen den Autobahnsüdring durch das Grubmühlerfeld, gegen die Erweiterung des Flughafens Oberpfaffenhofen. Ihre Gegenkandidaten von 2002, Georg von Aretin (CSU) und Martin Zeil (FDP), wurden später Weggefährten: Zeil war ihr langjähriger Stellvertreter.

Ein öffentliches Gedenken zum 82. Geburtstag ist nicht dokumentiert. Das Erinnern in Gauting hängt an ihrem Todestag Ende Juni und an der Trauerfeier am 29. Juli 2026, zu der die Christuskirche überquoll. Was aus ihrem Erbe wird, hat Bürgermeister Maximilian Platzer zu seiner Sache erklärt.

Von der Wiener Lehrerin zur ersten Bürgermeisterin

Servatius wurde am 16. September 1944 in Wien geboren, kam über Mannheim 1979 nach Gauting – kurz nach der Geburt ihres Sohnes Philipp – und unterrichtete dort an der Mittel- und Hauptschule. In die Politik trieb sie nach den Worten von Pfarrer Klaus Steuer eine eigene Erfahrung: die mühsame Suche nach einem Pflegeplatz für ihre Eltern.

1996 kandidierte sie für die SPD als Bürgermeisterin, scheiterte im ersten Wahlgang an Ekkehard Knobloch und wurde danach Zweite Bürgermeisterin. Sechs Jahre lang war sie die Nummer zwei im Gautinger Rathaus, bis sie 2002 selbst antrat – und gewann: gegen von Aretin und Zeil, als erste Frau an der Spitze der Gemeinde.

2008 wurde sie im Amt bestätigt. 2012 zog sie ihre Kandidatur für die Landtagswahl aus gesundheitlichen Gründen zurück, 2014 trat sie aus Altersgründen nicht mehr an. Ihre Nachfolgerin Brigitte Kössinger (CSU) verlieh ihr noch im selben Jahr den Titel Altbürgermeisterin.

Macht war für Servatius kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug. Ihr Credo zitierten SPD-Ortsverein und Pfarrer Steuer gleichermaßen in ihren Nachrufen:

Stationen ihres politischen Lebens

  1. 16. September 1944
    Geburt in Wien
  2. 1979
    Umzug nach Gauting

    Kurz nach der Geburt ihres Sohnes Philipp zieht sie nach Gauting und unterrichtet an der Mittel- und Hauptschule.

  3. 1996
    Zweite Bürgermeisterin

    Bei der Bürgermeisterwahl scheitert sie im ersten Wahlgang an Ekkehard Knobloch; bis 2002 ist sie Stellvertreterin.

  4. 2002
    Erste Bürgermeisterin

    Sie gewinnt gegen Georg von Aretin (CSU) und Martin Zeil (FDP) – als erste Frau im Amt.

  5. 2008
    Wiederwahl im Amt
  6. 2014
    Ende der Amtszeit

    Aus Altersgründen tritt sie nicht mehr an; Brigitte Kössinger (CSU) folgt ihr und verleiht ihr den Titel Altbürgermeisterin.

  7. 29. Juni 2026
    Tod in Großhadern

    Drei Wochen nach einem Schlaganfall stirbt sie mit 81 Jahren auf der Palliativstation.

Bosco, Umgehungsstraße, Realschule: die Bilanz

Man braucht die Macht, um Dinge verändern zu können.
Brigitte Servatius, Altbürgermeisterin von Gauting (SPD)

Zwölf Jahre führte sie die Gemeinde, davor sechs Jahre als Stellvertreterin. Aus dieser Zeit stammen die Projekte, auf die Gautinger bis heute stoßen.

Servatius' Amtszeiten in Jahren

Quelle: Wikipedia, Münchner Merkur
  • Kultur: Umbau des Don-Bosco-Heims zum Bürger- und Kulturhaus Bosco, Bau des Breitwand-Kinos, Sanierung der Remise
  • Bildung: Gründung des Zweckverbands Staatliche Realschule Würmtal, Neubau der Realschule, Umbau der alten Realschule zur Grundschule, Mensa auf dem Campus
  • Verkehr: Umgehungsstraße für Unter- und Oberbrunn, neue Würmbrücke am Hauptplatz, Erwerb des Gautinger Bahnhofs
  • Soziales: Gründung der Gautinger Insel, Unterbringung der Tafel in einem Gemeindehaus, Fairtrade-Kommune
  • Finanzen: konsequenter Schuldenabbau, Ansiedlung von Penny, Lidl und Edeka in Stockdorf, Stützung des Gautinger SC

Die Umgehungsstraße für Unter- und Oberbrunn setzte sie in zähen Verhandlungen mit den Landwirten durch; dazu kamen das neue Unterbrunner Feuerwehrgerätehaus und der Erwerb des Filetgrundstücks Wunderlhof an der Starnberger Straße. Mit den Bürgermeisterinnen von Krailling und Planegg gründete sie ein Regionalwerk.

2024 stellte sie sich gegen den Bau von Windrädern auf Gautinger Gemeindegebiet – ein spätes Streitthema ihrer politischen Laufbahn. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt arbeitete sie in der Flüchtlingshilfe.

Ehrenbürgerin 2024

Am 8. Februar 2024 beschloss der Gautinger Gemeinderat, Servatius die Ehrenbürgerwürde zuzuerkennen – die höchste Auszeichnungsstufe nach einer Satzung von 1978. Sie war die 19. Geehrte und neben Altbürgermeister Knobloch eine von nur zwei lebenden Ehrenbürgern der Gemeinde.

Überreicht wurde die Würde am 12. Juli 2024 im Bürger- und Kulturhaus Bosco, zusammen mit dem Klinge-Preis. Auf Nachfrage sagte die Geehrte damals über ihren Wohnort:

Ich lebe in Gauting einfach sehr gerne.
Brigitte Servatius, Altbürgermeisterin von Gauting (SPD)

Schlaganfall am Krapfberg, Tod in Großhadern

Im Juni 2026 erlitt Servatius am Gautinger Krapfberg einen schweren Schlaganfall. Ihr Sohn Philipp Servatius schilderte, sie sei dort zusammengebrochen und mit dem Rettungswagen ins Klinikum Großhadern gebracht worden. Am Montag, 29. Juni 2026, starb sie dort am frühen Morgen auf der Palliativstation, im Alter von 81 Jahren.

Ihre langjährige Vertraute und Freundin Beate Blaha sagte dem Münchner Merkur, Servatius sei friedlich gestorben. Bürgermeister Maximilian Platzer gab den Tod am Dienstag, 30. Juni 2026, in der Sitzung des Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschusses bekannt; die Sitzung begann mit einer Schweigeminute. Der Nachruf aus dem Rathaus würdigte, sie habe sich leidenschaftlich für das Wohl der Gemeinde eingesetzt. Der Nachruf der Süddeutschen Zeitung auf Servatius zeichnet ihre zwölf Jahre im Rathaus nach.

Ihr langjähriger Stellvertreter Martin Zeil, FDP-Politiker und früherer bayerischer Wirtschaftsminister, fand Worte des Respekts, die in mehreren Nachrufen zitiert wurden:

Es war eine Freude und ein Privileg, mit dieser an der Sache orientierten und kompetenten Frau zusammenzuarbeiten.
Martin Zeil, FDP-Politiker und früherer bayerischer Wirtschaftsminister

Zeil hob zugleich hervor, ihre menschenfreundliche und immer positive Art habe dem Amt der Bürgermeisterin eine besondere bürgernahe Prägung gegeben. Der SPD-Ortsverein Gauting nannte sie in seinem Nachruf einen Glücksfall für die Gemeinde.

Abschied in der übervollen Christuskirche

Die Trauerfeier fand am Mittwoch, 29. Juli 2026, um 11 Uhr in der evangelischen Christuskirche Gauting statt. Wie der Bericht über die Trauerfeier in der Christuskirche festhält, war die Kirche voll besetzt; wegen des großen Andrangs wurde die Feier in das benachbarte Walter-Hildmann-Haus übertragen.

Gekommen waren Landrat Stefan Frey, Bürgermeister Platzer, zahlreiche ehemalige und aktuelle Gemeinderäte, Weggefährten, Freunde und Gemeindemitarbeiter. Fahnenabordnungen der Gautinger Ortsfeuerwehren, der St.-Vitus-Schützen Stockdorf, des Männergesangvereins Harmonie Unterbrunn, des Veteranenvereins Unterbrunn und des BRK zogen ein.

In Altarnähe stand, umgeben von Kränzen, eine Großaufnahme der freudig lächelnden Servatius aus dem Familienurlaub in Singapur 2019. Altbürgermeister Ekkehard Knobloch hielt einen sehr persönlichen Nachruf und schloss mit den Worten: „Brigitte, du wirst uns fehlen.“ Am Nachmittag wurde sie im engsten Familienkreis auf dem Waldfriedhof beigesetzt.

Bürgermeister Platzer sagte, er sei froh und stolz, dieses Vermächtnis bewahren und fortführen zu dürfen. Wer mit offenen Augen durch Gauting gehe, stoße an allen Ecken auf ihr Erbe – auf das Bosco, das Breitwandkino, die Realschule, die Umgehungsstraße, die neue Würmbrücke.

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Servatius hinterlässt ihren Sohn Philipp, dessen Frau Lina und die dreijährigen Zwillinge Naomi und Max. Ob Gauting über Todestag und Trauerfeier hinaus ein eigenes öffentliches Gedenken an seine Ehrenbürgerin plant, ist offen: Am 16. September 2026 wäre sie 82 Jahre alt geworden – eine Veranstaltung der Gemeinde zu diesem Datum ist nicht angekündigt.