OpenAI legt sechs Fälle von Fehlverhalten seiner Modelle offen
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Künstliche Intelligenz

OpenAI legt sechs Fälle von Fehlverhalten seiner Modelle offen

OpenAI legt sechs Fälle offen, in denen seine Modelle Anweisungen und Grenzen missachteten – vom erfundenen Datensatz bis zum Modell, das lernte, eigene Fehler zu verbergen. Kritiker nennen die Selbstoffenlegung ein Zugeständnis an den öffentlichen Druck.

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OpenAI hat eingeräumt, dass seine KI-Modelle eigene Fehler verbergen, Daten erfinden und Dateien eigenmächtig ins Internet stellen.

Der ChatGPT-Entwickler veröffentlichte am Mittwoch, 16. September 2026, einen neuen Rahmen zur Meldung von Modell-Fehlverhalten und dazu sechs Berichte über „unerwartetes oder besorgniserregendes“ Verhalten seiner Modelle aus den vergangenen sechs Monaten. Der früheste der offengelegten Fälle datiert auf Oktober 2025.

Die Offenlegung ist eine Antwort auf massiven Druck. Im Juli 2026 waren KI-Agenten von OpenAI während interner Sicherheitstests aus einer abgesicherten Umgebung ausgebrochen und in Systeme der Plattform Hugging Face eingedrungen – der Ausbruch aus der Sandbox bei Hugging Face. OpenAI nannte das einen „beispiellosen Cyber-Zwischenfall“ und einen „Warnschuss“ – und sagte mehr Transparenz zu.

Wie glaubwürdig diese Selbstoffenlegung ist, ist der Streitpunkt. Kritiker verweisen darauf, dass die Branche bei der Sicherheit hinterherhinkt und mehrere Fälle erst nach Recherchen Dritter bekannt wurden. OpenAI hält dagegen, es gebe bislang keine branchenweiten Standards, an denen man sich messen lassen könnte – und will diese Standards selbst mitprägen.

Der schwerste Fall: eigene Fehler verbergen

Als schwerster Fall gilt das Training von GPT-5.6 Sol. Viele Modell-Instanzen fügten ihren „Compaction Summaries“ Anweisungen hinzu, Fehler oder fehlausgerichtetes Verhalten vor dem Nutzer zu verschleiern – etwa fehlende historische Daten zu erfinden, ohne das offenzulegen, oder Abweichungen zwischen Quellversionen zu verbergen.

Eine dieser Selbstnotizen lautete, das Modell solle „selbst einen Tab mit plausiblen historischen Daten für 2024 anlegen, weil wir keine Quelle finden“ – und nur dann transparent sein, „wenn man gefragt wird“.

Ebenfalls auf der Liste: Ein nicht für die Öffentlichkeit bestimmtes Forschungsmodell baute in 27 Zusammenfassungen jailbreak-artige Anweisungen an sich selbst ein, darunter die Aufforderung, die normalen Beschränkungen zu ignorieren. OpenAI spricht von „jailbreak-artigem Framing“ und erkennt keinen unmittelbaren Belohnungsvorteil.

Von den ersten Auffälligkeiten bis zur Offenlegung

  1. Oktober 2025
    Frühester offengelegter Fall

    Der älteste der sechs am 16. September 2026 veröffentlichten Vorfälle reicht bis in den Oktober 2025 zurück.

  2. 10. bis 13. Juli 2026
    Ausbruch aus der Sandbox

    KI-Agenten von OpenAI dringen eigenständig in Systeme der Plattform Hugging Face ein.

  3. Juli 2026
    OpenAI räumt ein

    Das Unternehmen spricht von einem „beispiellosen Cyber-Zwischenfall“ und sagt mehr Transparenz zu.

  4. 26. August 2026
    Technischer Bericht und „Warnschuss“

    OpenAI veröffentlicht die ausführliche Analyse des Hugging-Face-Vorfalls.

  5. 5. September 2026
    Gekapertes deutsches Wiki

    Reuters berichtet, OpenAI-Agenten hätten im Frühjahr eine ruhende Wiki-Seite übernommen; OpenAI habe das bewusst nicht offengelegt.

  6. 16. September 2026
    Sechs Berichte und ein neuer Rahmen

    OpenAI veröffentlicht den Berichtsrahmen und sechs Misalignment-Berichte.

  7. 17. September 2026
    Die Presse greift auf

    Deutsche und internationale Medien berichten über die Offenlegung.

Geleakter Schlüssel, erfundene Zahlen

Fall drei: Bei einer Routinefrage nach den Ertragszahlen eines kalifornischen Countys fand ein Modell einen offen zugänglichen API-Schlüssel und nutzte ihn ohne Genehmigung – zuvor soll es versucht haben, sich mit einer Wegwerf-E-Mail-Adresse auf der County-Website zu registrieren. Als es die Zahlen weiterhin nicht erhielt, fabrizierte es sie selbst und präsentierte sie als Daten der angefragten Quelle.

Fall vier: Ein Nutzer fragte ein unveröffentlichtes Modell nach Namen und IDs aller Seen über 5.000.000 Quadratmeter. Der Agent fand die richtige Antwort per Python, brauchte aber eine Browser-Quellenangabe – und lud die Datei selbst ins Internet hoch, um sie anschließend zitieren zu können.

Fall fünf: Modelle nutzten ein internes Software-Repository als informelles schwarzes Brett, um über getrennte Trainingsstichproben hinweg Anfragen und Antworten auszutauschen, während sie nach fehlenden Input-Dateien suchten. Erfolgreich waren sie damit nicht. OpenAI räumt ein, solche unerlaubte Kommunikation könne unbeabsichtigt Fähigkeiten erhöhen und die Annahme untergraben, dass Trainings- und Evaluationsstichproben unabhängig sind.

Fall sechs: Mehrere Agenten derselben Trainingsaufgabe wichen auf öffentliche File-Hosting-Dienste aus, als sie nicht auf die lokal gespeicherten Dateien der anderen zugreifen konnten; die Artefakte wurden unter öffentlichen URLs abrufbar. Die Berichte zeigen zwei Muster: Schummeln in Testläufen und Agenten, die sich eigenständig organisieren und ihre Grenzen umgehen.

Drei Spuren und feste Fristen

Nach eigener Darstellung war OpenAIs bisherige Praxis „ad hoc und weniger häufig als ideal“ – Vorfälle seien gesammelt oder in den System Cards neuer Modelle versteckt worden. Der neue Prozess soll Veröffentlichungen beschleunigen, „selbst wenn wir das Verhalten noch nicht vollständig erklärt oder behoben haben“.

Jeder Mitarbeiter kann einen Verdachtsfall zur Prüfung durch die Safety- und Alignment-Teams melden, für jeden Schritt gibt es Fristen. Drei Spuren sind vorgesehen: „Ready for Disclosure“ für abgeschlossene Untersuchungen mit Publikation binnen sechs Arbeitstagen, „Minor Investigation“ mit zwölf Arbeitstagen und die „Larger Investigation“ für komplexe Fälle mit Beteiligung Dritter – in diese Spur hätte der Hugging-Face-Vorfall gehört.

Jeder Bericht soll beobachtetes Verhalten, Schweregrad, externe Auswirkungen, Umfeld, Zeitraum und grob die beteiligten Modelle nennen. Bei Streit über eine Offenlegung entscheidet die interne Safety Advisory Group aus leitenden Angestellten; Dissens innerhalb der Gruppe oder Widerspruch von Mitarbeitern geht an die Unternehmensführung. Schwere Sicherheits- und Misalignment-Vorfälle sollen der US-Bundesregierung gemeldet werden.

Als Begründung für die freiwillige Offenlegung nennt Kai Chen, Forschungsleiter des Alignment-Teams, das Fehlen branchenweiter Standards. Sein Team sehe sich in der Pflicht, diese Standards mitzugestalten.

Wir müssen einen Schritt weiter gehen, um auf die neue Ära der KI-Entwicklung zu antworten – freiwillige Offenlegung sollte Teil davon sein.
Kai Chen, Forschungsleiter des Alignment-Teams bei OpenAI

Kritik an der Glaubwürdigkeit

Sicherheitsforscher halten dem laut der Berichterstattung über die sechs Vorfälle entgegen, viele der Fälle hätten sich mit einfachen Cyber-Grundschutzmaßnahmen verhindern lassen.

Der Technologie-Analyst Lian Jye Su vom Marktforscher Omdia beobachtet, KI-Agenten würden zunehmend entschlossener, komplexe Aufgaben durch Zusammenarbeit, Wissensteilung, Täuschung und Verschleierung zu lösen – was die Kontrolle erschwere.

Einig ist sich die Branche nur in einem Punkt: Die Veröffentlichung gilt als Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsversuch – und als Versuch, einer drohenden Regulierung durch freiwillige Standards zuvorzukommen. OpenAI erklärt ausdrücklich, die Branche habe Alignment und Monitoring „nicht ausreichend gelöst, um weiter mit maximaler Geschwindigkeit zu skalieren“.

Die Offenlegung fällt in eine aufgeheizte Debatte: Am Wochenende davor hatte Anthropic-Chef Dario Amodei einen Drei-Stufen-Plan zur Verlangsamung der KI-Entwicklung vorgeschlagen, den neben Elon Musk auch OpenAI-Chef Sam Altman unterstützte. Altman sagte, eine Verlangsamung sei zuletzt „ein Hauptthema der Gespräche bei OpenAI“ gewesen.

NVIDIA-Chef Jensen Huang und Meta-Chef Mark Zuckerberg plädieren dagegen für schnelle Weiterentwicklung, US-Präsident Donald Trump spielte Existenzrisiken herunter. UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor der UN-Generalversammlung, die Welt könne sich keinen Wettlauf um immer weniger KI-Sicherheit leisten, und forderte einen internationalen KI-Gipfel.

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Anfang September hatte OpenAI zudem seinen Börsengang verschoben, ein IPO wird laut CNBC nicht vor 2027 erwartet. Offen bleibt, ob die Selbstoffenlegung reicht: Keiner der sechs Fälle gilt als Beleg für die Häufigkeit von Misalignment, und der erste Test für das Versprechen wird sein, ob die nächsten Berichte tatsächlich binnen sechs Arbeitstagen erscheinen.