Malaria in Frankfurt: Schwanheimer Patient gestorben
Bild: KI-generiert
Infektionsschutz

Malaria in Frankfurt: Schwanheimer Patient gestorben

Zum dritten Mal in diesem Jahr ist im Umfeld des Frankfurter Flughafens ein Mensch an Malaria gestorben – erstmals trifft es einen Patienten ohne Arbeitsplatz am Airport. Das Gesundheitsamt spricht von einem sehr geringen Risiko, weitet aber die Mückenfallen auf das Wohngebiet aus. Ob die Fälle mit denen unter Fraport-Beschäftigten zusammenhängen, klärt ein Labor in Antwerpen.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Ein Mensch aus dem Frankfurter Stadtteil Schwanheim ist an Malaria gestorben – fünf Kilometer vom Flughafen entfernt und ohne jeden Arbeitsbezug zum Airport. Es ist der dritte Malaria-Todesfall dieses Jahres im Umfeld des größten deutschen Flughafens und der erste bei einer Person, die nicht am Airport arbeitet.

Den Tod bestätigten am Donnerstag, dem 17. September, das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt und die Universitätsmedizin Frankfurt, wie die hessenschau über den dritten Malaria-Todesfall berichtet. Beide sprachen den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Die verstorbene Person gehört zu den beiden Malaria-tropica-Patienten aus Schwanheim, die erst zu Wochenbeginn öffentlich geworden waren.

Angaben zu Alter, Geschlecht oder Krankheitsverlauf machten die Behörden zunächst nicht. Auch zum Zustand der zweiten infizierten Person teilten sie am Donnerstag nichts mit; zuvor hatte das Gesundheitsamt erklärt, beide Erkrankten befänden sich in stationärer Behandlung. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts lebten die beiden Betroffenen in unterschiedlichen Haushalten.

Drei Tote in einem Sommer

  1. Anfang Juli 2026
    Erster Todesfall am Flughafen

    Ein Beschäftigter des Flughafenbetreibers Fraport stirbt nach einer Malaria-tropica-Infektion. Im Juli infizieren sich fünf, im August ein sechster Fraport-Beschäftigter.

  2. August 2026
    Zweiter Todesfall

    Ein zweiter Fraport-Beschäftigter stirbt; am 26. August wird bekannt, dass zwei der sechs infizierten Flughafenmitarbeiter gestorben sind.

  3. 15. September 2026
    Zwei Fälle in Schwanheim

    Das Gesundheitsamt meldet zwei Malaria-tropica-Fälle bei Bewohnern des Stadtteils Schwanheim, rund fünf Kilometer vom Flughafen entfernt – beide ohne Flughafenbezug und ohne Tropenreise.

  4. 16. September 2026
    Die Mücke muss geflogen sein

    Amtsleiter Peter Tinnemann erklärt, eine infizierte Mücke sei mit großer Wahrscheinlichkeit vom Flughafen bis Schwanheim geflogen und habe die beiden Menschen gestochen.

  5. 17. September 2026
    Dritter Todesfall

    Gesundheitsamt und Universitätsmedizin bestätigen den Tod einer der beiden Schwanheimer Patienten. Blutproben gehen zur genetischen Analyse nach Antwerpen.

Wie die Mücke nach Schwanheim kam

Bei den beiden Patienten wurde Plasmodium falciparum nachgewiesen, der Erreger der gefährlichen Malaria tropica. Die Stadt Frankfurt geht von Flughafen-Malaria aus: Eine infizierte Anopheles-Mücke wurde mit einem Flugzeug eingeschleppt und stach die beiden Menschen. Als mögliche Wege nennt das Gesundheitsamt Flugzeugkabine, Frachtraum, Fracht und mitgeführtes Gepäck. Was eine lange Reise aus den Tropen bedeutet, beschreibt Amtsleiter Peter Tinnemann so:

Sie müssen sich vorstellen, wie es Ihnen geht nach einer langen Reise aus einem tropischen Land, dann sind sie erschöpft.
Peter Tinnemann, Leiter des Gesundheitsamts Frankfurt

„In diesem Fall gehen wir davon aus, dass eine Mücke mit großer Wahrscheinlichkeit so weit geflogen ist und dann die beiden erkrankten Personen infiziert hat“, sagt Tinnemann. Nach Angaben des Gesundheitsamts können die Mücken fünf bis zehn Kilometer weit fliegen; die beiden Fälle traten im Umkreis von rund fünf Kilometern um den Flughafen auf.

Der Tropenmediziner Benno Kreuels vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin ordnet ein, dass Anopheles-Mücken normalerweise ein bis zwei Kilometer zurücklegen, bei günstigen Windverhältnissen aber bis etwa zehn Kilometer. Die Mücken müssten zudem nicht selbst fliegen, sondern könnten in Gepäck oder Fracht erst am Zielort herauskommen.

Sechs Fraport-Beschäftigte, zwei Tote

Bereits im Sommer war es zu einer ungewöhnlichen Häufung von Malaria-Infektionen am Flughafen gekommen. Nach Angaben des Gesundheitsamts infizierten sich seit Juli sechs Beschäftigte des Flughafenbetreibers Fraport mit Malaria tropica. Ende August wurde bekannt, dass zwei von ihnen gestorben waren – der erste Todesfall bereits Anfang Juli, der zweite im August.

Keiner der sechs Betroffenen hatte ein Malaria-Endemiegebiet bereist oder eine Bluttransfusion erhalten; als wahrscheinlicher Zeitpunkt der Einschleppung gilt der Juli, die Mücke könnte sich im Frachtraum eines Flugzeugs befunden haben. Mit den beiden Schwanheimer Erkrankten kamen die Fälle sieben und acht hinzu – erstmals Menschen, die nicht am Flughafen arbeiten.

Seit Sommer erkrankten damit acht Menschen im Umfeld des Airports an Malaria tropica, drei von ihnen starben: zwei Fraport-Beschäftigte und nun ein Patient aus dem Wohngebiet. Mit dem Tod des Schwanheimer Patienten ist es der erste Todesfall abseits des Flughafens.

Risiko „sehr gering“ – und Fallen im Wohngebiet

Das Gesundheitsamt bewertet die Gefahr für die Frankfurter Bevölkerung als „sehr gering“. Die klimatischen Bedingungen in Deutschland seien „für den Zyklus von Mücke und Erreger ungünstig“. Malaria sei nicht von Mensch zu Mensch übertragbar, für eine Ansteckung brauche es den Stich einer infizierten Mücke.

Zugleich hat die Behörde ihre Maßnahmen ausgeweitet: Mückenfallen, die bislang nur auf dem Flughafengelände standen, werden nun auch im Wohnumfeld der Erkrankten in Schwanheim aufgestellt; die gefangenen Insekten werden genetisch untersucht. Bisher wurden dabei nach Angaben des Gesundheitsamts keine Anopheles-Mücken gefunden.

Umfrage
Lädt

Extrem selten – und doch neun deutsche Fälle

Flughafen-Malaria ist in Deutschland extrem selten. Eine 2024 im Fachjournal Eurosurveillance veröffentlichte Studie erfasste von 1969 bis Anfang 2024 insgesamt 145 Malariafälle, bei denen sich Betroffene in Europa angesteckt hatten. Mindestens 105, möglicherweise bis zu 113 davon gelten als Flughafen-Malaria.

Am stärksten betroffen waren Frankreich mit 52 Fällen, Belgien mit 19 Fällen und Deutschland mit neun Fällen, davon acht in Frankfurt und einer in München. Hinzu kamen 32 Fälle von „Koffer-Malaria“, bei denen die infizierte Mücke im Gepäck reiste und die Infektion weit entfernt von einem Flughafen auftrat – drei davon in Deutschland. 83 der 105 Flughafen-Malaria-Fälle traten in den Sommermonaten auf.

Flughafen-Malaria in Europa: Fälle nach Ländern

Erfasste Fälle von 1969 bis Anfang 2024

Quelle: Eurosurveillance-Studie 2024

Vor der aktuellen Häufung war der letzte Fall am Frankfurter Flughafen im Jahr 2023 dokumentiert. Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass es sich um eine sehr seltene Übertragungsform handelt. Bei frühzeitiger Diagnose und rascher Behandlung ist Malaria tropica nach Angaben des Gesundheitsamts gut behandelbar – entscheidend ist, dass die Erkrankung früh erkannt wird.

Appelle an Ärzte, Hotline für Bürger

Das Gesundheitsamt rief Ärztinnen und Ärzte erneut dazu auf, bei unklarem Fieber auch ohne Reise in ein Malaria-Endemiegebiet an Malaria zu denken. „Dies gilt insbesondere für Menschen, die am Flughafen oder in dessen Umfeld arbeiten, sich dort aufhalten oder in räumlicher Nähe zum Flughafen wohnen“, erklärte die Behörde.

Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, teils Magen-Darm-Beschwerden – die Symptome sind unspezifisch und werden häufig als grippaler Infekt oder Magen-Darm-Infektion fehlgedeutet. Die Inkubationszeit beträgt 7 bis 15 Tage, die Diagnose ist per Schnelltest möglich. Bürger in Flughafennähe sollen bei solchen Beschwerden zeitnah ärztlichen Rat einholen und auf ihren Wohnort hinweisen.

Das Gesundheitsamt hat eine Bürger-Hotline unter der Nummer 069/212-30030 eingerichtet, erreichbar montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr; zeitweise gingen dort fünf bis zehn Anrufe pro Stunde ein. Das Amt informierte zudem die Kassenärztliche Vereinigung Hessen. Seit Anfang der Woche wurden keine weiteren Malariafälle gemeldet.

Was Antwerpen klären soll

Offen ist, ob die beiden Schwanheimer Fälle mit den sechs Fraport-Fällen zusammenhängen. Ein Sprecher des Gesundheitsamts sagte: „In ein paar Wochen können wir sagen, ob es sich möglicherweise um die gleichen Erreger handelt.“ Blutproben der beiden Patienten wurden dafür an ein spezialisiertes Tropenlabor in Antwerpen geschickt, wo anhand der Parasiten eine Art genetischer Fingerabdruck erstellt werden soll.

Unklar ist auch, ob eine oder zwei Mücken die beiden Menschen gestochen haben und ob die übertragenden Tiere noch leben. Wegen der Inkubationszeit von 7 bis 15 Tagen gilt das als unwahrscheinlich. Fraport ließ nach Angaben einer Flughafensprecherin Mückenproben in Antwerpen untersuchen, um Herkunft und Art zu bestimmen: „Diese Untersuchungen nehmen einige Wochen in Anspruch.“

Bis dahin bleibt den Menschen im Frankfurter Süden die Verhaltensempfehlung der Stadt: Mückenschutz durch Repellentien und bedeckende Kleidung, dazu Fliegengitter an den Fenstern. Ob die insgesamt acht Fälle eine gemeinsame Ursache haben, soll der genetische Fingerabdruck aus Antwerpen zeigen – ein Ergebnis wird frühestens in einigen Wochen erwartet.