Gaby Baginsky (72) ist in die großen ARD-Schlagersendungen zurückgekehrt – nur Monate, nachdem sie öffentlich beklagt hatte, dort kaum noch eingeladen zu werden. Am Samstagabend stand sie als Gast in „Schlager-Spaß mit Andy Borg“ auf der Bühne.
Die Ausgabe vom Samstag, 5. September 2026, lief ab 20:15 Uhr zeitgleich im SWR Fernsehen und im MDR und war anschließend in der ARD-Mediathek abrufbar. Für die Sängerin, die seit den frühen 1970er-Jahren Schlager singt, ist es die Rückkehr auf einen der letzten großen Schlagerplätze der ARD.
Bemerkenswert ist der Auftritt, weil Baginsky wenige Monate zuvor öffentlich gezweifelt hatte, in reichweitenstarken Abendformaten überhaupt noch vorzukommen. Im März 2026 sagte sie Interview über fehlende Auftritte in Schlagershows, sie tauche in den großen Abendsendungen nicht mehr auf – genannt wurden die „Feste“ von Florian Silbereisen und die „Giovanni Zarrella Show“.
Der Vorwurf: Quote statt Etablierte
Ihre Begründung damals: „Ich glaube, sie setzen auf Quote und wollen im Moment nur die ganz Großen. Für Künstler wie mich, die schon länger dabei sind, ist das schwierig.“ Damit erhob sie den Vorwurf, die Sender blendeten ältere, seit Jahrzehnten etablierte Interpreten zugunsten weniger Quoten-Zugpferde aus.
Im selben Gespräch berichtete sie, sie habe zeitweise fast mit der Musik aufgehört. Wie nah sie daran war, beschreibt ein Satz aus dem Interview:
„Ich weiß, wie ich einmal in meinem Zimmer stand, mit meinen Bühnenklamotten, und gedacht habe: „Vielleicht brauche ich euch gar nicht mehr.“ Da wurde es mir mulmig.“
Statt aufzuhören, nahm sie mit 72 Jahren ein neues Album auf: „Die ganz große Show“ mit acht neuen Titeln und acht neu produzierten Versionen ihrer größten Erfolge. Der Gastauftritt bei Andy Borg ist damit kein Abschied, sondern die Rückkehr auf eine Bühne, die sie zuvor als kaum noch erreichbar beschrieben hatte.
Apfelsinen, Bollenhut und ein Borg-Scherz
Wie aus dem Liveticker zur Sendung vom 5. September hervorgeht, eröffnete Baginsky den Abend um 20:18 Uhr mit dem Klassiker „A Banda“ – dem Lied von den zwei Apfelsinen im Haar und den Bananen an der Hüfte.
Moderator Andy Borg begrüßte sie mit einem Scherz: Er habe sie eigentlich mit Apfelsinen im Haar und im Kokosnusskleid erwartet, korrigierte sich dann aber lachend: „Nein, nein, das ist die Rosita.“ Das Publikum im Saal, viele Gäste trugen den Bollenhut, sang den Refrain mit.
Zum Abschluss holte Borg sie nach dem Liveticker gegen 21:45 Uhr noch einmal auf die Bühne. Baginsky sang „Ich bin deine Freundin“ und den Titelsong ihres neuen Albums, „Die ganz große Show“. Danach beendete Anita Hofmann mit „Ich liebe das Leben“ den Abend.
Ein Detail am Rand: Die Zählung der Ausgabe ist widersprüchlich. Die Portale schlagerprofis.de und folx.tv sprechen von „Folge 84“, wunschliste.de und fernsehserien.de von „Folge 90“.
Von der Hitparade zum Comeback
Baginsky stammt aus Salzbergen in Niedersachsen und steht seit 1970 auf der Schlagerbühne. Ihren Durchbruch feierte sie 1975 mit „Häng die Gitarre nicht an den Nagel“, das in der ZDF-„Hitparade“ bis auf Platz zwei kletterte. 1977 erreichten „Diebe kommen am Abend“ und „Mein Charly ist klasse“ jeweils Platz drei.
Über Jahre gehörte sie zum Stammpersonal der großen Schlagershows, unter anderem der ZDF-„Hitparade“. Im „Schlager-Spaß“ war sie zuvor einmal am 18. Januar 2020 zu Gast, damals in der 14. Folge.
Gaby Baginskys Weg zurück ins ARD-Abendprogramm
- 1970Beginn der Schlagerkarriere
Gaby Baginsky aus Salzbergen in Niedersachsen steht seit 1970 auf der Schlagerbühne.
- 1975Durchbruch mit Platz zwei
„Häng die Gitarre nicht an den Nagel“ klettert in der ZDF-„Hitparade“ bis auf Platz zwei.
- 1977Zwei Hits auf Platz drei
„Diebe kommen am Abend“ und „Mein Charly ist klasse“ erreichen jeweils Platz drei.
- 18. Januar 2020Erster Auftritt im „Schlager-Spaß“
Baginsky ist als Gast der 14. Folge erstmals bei Andy Borg dabei.
- März 2026Klage über fehlende Auftritte
Im t-online-Interview sagt sie, in den großen Abendshows nicht mehr vorzukommen; zugleich erscheint ihr Album „Die ganz große Show“.
- 5. September 2026Rückkehr ins ARD-Abendprogramm
Sie eröffnet den „Schlager-Spaß“ um 20:18 Uhr mit „A Banda“ und singt zum Schluss „Ich bin deine Freundin“ und „Die ganz große Show“.
Wer neben Baginsky auf der Bühne stand
Neben Baginsky traten in derselben Ausgabe Sašo Avsenik und seine Oberkrainer, Hansy Vogt, Semino Rossi, Anita Hofmann sowie Reiner Kirsten mit seinem Sohn Jordan auf. Der Schweizer Swen Tangl feierte seine Premiere im Format, Christian Franke war nach 15 Jahren wieder bei Andy Borg zu Gast.
Außerdem wirkte die Renchtäler Trachtentanzgruppe Oppenau aus dem Schwarzwald mit. Als Assistentin war Alma-Maria Hönow im Einsatz, Jordan Kirsten stand ihr an diesem Abend als Assistent an der Bar zur Seite. Für Nikolai, seit der ersten Sendung im Team, war es der letzte Auftritt in dieser Rolle.
Wie es für das Format weitergeht
Der Sendeplatz bleibt umkämpft. In der ARD fällt mit dem angekündigten Ende von „Immer wieder sonntags“ nach 31 Jahren eine weitere große Schlagerbühne weg.
Beim „Schlager-Spaß“ folgt am 26. September zunächst ein „Best Of“, am 24. Oktober eine reguläre Neuausgabe und am 20. November die Jahressendung für die Hilfsaktion „Herzenssache“. Bis Jahresende entsteht das Format noch in Baden-Baden; 2027 wechselt die Produktion nach Mahlberg im Ortenaukreis.
Baginsky selbst hatte in dem Interview auch private Zahlen offengelegt: Sie ist seit 1994 mit Manfred Knöpke verheiratet, lebt mit elf Katzen zwischen 15 und 18 Jahren zusammen und gibt für deren Futter nach eigenen Angaben rund 1.000 Euro im Monat aus.
Über die Künstlersozialkasse bezieht sie etwa 1.000 Euro Rente. Einen Duettwunsch hätte sie noch, am liebsten mit Roland Kaiser oder Howard Carpendale – „Aber die machen mit mir kein Duett“, sagte sie t-online.
Ob Baginsky nach dieser Ausgabe wieder regelmäßig in den großen Schlagershows auftritt, ist offen. Die nächste reguläre Ausgabe läuft am 24. Oktober; ob sie dann erneut dabei ist, ist nicht bekannt.
