Der deutsche Schlager und Jazz verliert einen seiner vielseitigsten Entertainer. Peter Petrel (86) ist tot. Der Sänger starb am Freitag, dem 18. September 2026, in seiner Wahlheimat Koblenz im Kreise seiner Familie – nach mehr als 60 Jahren auf der Bühne.
Bestätigt hat den Tod am 19. September 2026 seine Ehefrau Tina Wulf. Ihre Bestätigung des Todes gegenüber der Bild-Zeitung ist die Grundlage für praktisch alle deutschen Unterhaltungsmedien – von t-online und RTL über Gala und Promiflash bis zu Merkur, Focus, TAG24 und osthessen-news.de. Auch die Familie gab den Tod bekannt.
„Peter schlief ganz friedlich ein. Vorher konnte er sich noch von seinem Sohn telefonisch verabschieden. Es war ganz harmonisch und er hatte keine Schmerzen.“
Das Zitat ist die einzige direkte Schilderung aus dem engsten Umfeld. Weil die Familie die letzten Stunden beschreibt, aber kein Leiden und keine Krankheit nennt, steht bislang nur fest, dass Petrel friedlich starb – eine Todesursache nennt keine der vorliegenden Meldungen.
Vom Jazzsänger zum Mann hinter „How Do You Do?“
Geboren wurde Peter Petrel am 14. April 1940 als Peter Sauer in Bad Frankenhausen. 1958 stand er erstmals öffentlich auf der Bühne, zunächst zwischen Skiffle und Jazz; ab 1960 gehörte er zur Johnny's New Orleans Jatzband.
1968 nahm er seine erste Single noch unter seinem bürgerlichen Namen auf und wurde im selben Jahr als bester Jazzsänger Deutschlands mit dem Goldenen Mikrophon ausgezeichnet. Vier Jahre später kam der größte Erfolg – mit fremdem Material.
1971 hatte das niederländische Duo Mouth & MacNeal „How Do You Do?“ veröffentlicht und damit in Deutschland Platz 5 erreicht. Petrel nahm den Titel mit der britischen Sängerin Jeannie McKinley neu auf; als deutsch-britisches Duo Die Windows kamen sie damit auf Platz 1. Die Fassung stand ab Februar 1972 acht Wochen an der Spitze der deutschen Charts und verkaufte sich millionenfach.
Stationen eines Musikerlebens
- 14. April 1940Geburt in Bad Frankenhausen
Peter Petrel kommt als Peter Sauer zur Welt.
- 1968Goldenes Mikrophon für den Jazzsänger
Erste Single unter bürgerlichem Namen, Auszeichnung als bester Jazzsänger Deutschlands.
- Februar 1972Acht Wochen Platz 1 mit „How Do You Do?“
Als Die Windows mit Jeannie McKinley gelingt der millionenfach verkaufte Hit.
- 1974Mitglied der Hamburger Rentnerband
Mit „Hamburger Deern“ folgt ein weiterer Charterfolg, 16 Wochen in den Charts.
- 1981Deutscher Schallplattenpreis
Auszeichnung für das Dixieland-Album „Happy Music Every Day“.
- 2015Schlaganfall hinter der Bühne
Kurz nach dem Nord Award für sein Lebenswerk bricht Petrel zusammen und kehrt nach Klinik und Reha zurück.
- 18. September 2026Tod in Koblenz
Petrel stirbt mit 86 Jahren im Kreise seiner Familie.
Rentnerband, Solohits und der Jazz im Rücken
1974 schloss sich Petrel der Hamburger Musikszene an und wurde Mitglied der Hamburger Rentnerband. Mit „Hamburger Deern“, einer deutschen Fassung von „Liverpool Lou“ der britischen Gruppe The Scaffold, hielt er sich 16 Wochen in den deutschen Charts. Geprägt wurde diese Zeit von der Szene rund um den legendären Club „Onkel Pö“.
Als Solokünstler folgten weitere Erfolge, oft mit einer gehörigen Portion Humor: „Ich bin viel zu bescheiden“ erreichte 1981 Platz 20 der Charts, dazu kamen „Ich fahr so gerne Rad“ und „Ein Mann wie ein Baum“. In der ZDF-Hitparade von Dieter Thomas Heck wurde er zum Dauergast, das ZDF widmete ihm zwei eigene Sendungen.
Dass der deutsche Schlager seine Stars lange nicht loslässt, zeigt der Fall Wolfgang Petrys Verzicht auf ein Live-Comeback zum 50. Bühnenjubiläum – statt einer Tournee gab es dort nur eine neue Single.
Trotz der Schlagererfolge blieb Petrel seinen Jazz-Wurzeln treu und wechselte mühelos zwischen Schlager, Swing, Dixieland und Pop. 1981 wurde er für das Dixieland-Album „Happy Music Every Day“ mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet, später trat er mit den Swinging Petrels auf, und im Jahr 2000 machte ihn die Stadt New Orleans zum Ehrenbürger.
Schlaganfall, Rückkehr und stiller Abschied
2015 traf Petrel ein schwerer gesundheitlicher Rückschlag: Kurz nachdem er für sein Lebenswerk mit dem Nord Award geehrt worden war, brach er hinter der Bühne mit einem Schlaganfall zusammen. Nach sechs Wochen Klinik und einer Reha kehrte er wieder auf die Bühne zurück.
Mitte der 2000er Jahre hatte er gemeinsam mit der Sängerin Tina Wulf das Duo Windows neu formiert und mehrere CDs veröffentlicht. Seit 2005 waren die beiden verheiratet – es war Petrels zweite Ehe.
Im Mai 2021 war er noch in der TV-Sendung „Schlager-Spaß mit Andy Borg“ zu sehen, im Sommer 2022 trat er beim Festival SummerJazz Pinneberg auf. Danach zog er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück; seine letzten Jahre verbrachte er in Koblenz.
Trauer und eine offene Frage
In der Schlagerwelt und bei den Fans ist die Trauer groß. Die Reaktionen der Schlagerwelt auf Petrels Tod reichen von Kolleginnen und Kollegen bis zu Kommentaren unter alten Auftritten. Dort zeigt sich die Wertschätzung für einen humorvollen Tausendsassa, der Schlager, Jazz, Dixieland, Swing, Blues, Gospel, Folk, Shanties und Pop bediente.
Offen bleibt die Todesursache: Keine der herangezogenen Quellen nennt sie, und alle Berichte stützen sich im Kern auf die Bestätigung der Ehefrau.
Uneinheitlich ist auch die Schreibweise der Duo-Partnerin, die mal Jeannie McKinlay, mal Jeanette McKinley heißt; das Veröffentlichungsdatum von „How Do You Do?“ wird mal mit Februar 1972, mal pauschal mit 1972 angegeben. Das OK! Magazin machte aus dem Welthit sogar „How Do You Know?“.
Mehr als 60 Jahre nach seinem Karrierestart gilt Petrel als einer der vielseitigsten Entertainer der deutschen Musikszene. Von ihm bleiben „How Do You Do?“, „Hamburger Deern“ und „Ich bin viel zu bescheiden“. Offizielle Angaben zu den näheren Umständen seines Todes stehen weiter aus.
