Eine für Reparaturzwecke bestimmte Schiffsladung mit Ersatzteilen des US-Tarnkappenjets F-35 ist auf dem Weg von Australien in die USA während der Pazifiküberquerung nach Hongkong umgeleitet worden – und gilt seither als verschwunden. In der Ladung steckte nach Angaben von zwei der drei Quellen eine Cockpithaube, die einen Teil der Tarnkappentechnik trägt.
Bekannt wurde der Vorgang erst durch einen Bericht der US-Plattform Politico vom Freitag, 18. September 2026, der sich auf drei mit dem Vorgang vertraute, anonym bleibende Personen stützt. Das Pentagon bestätigte das Verschwinden einzelner Komponenten; Hersteller Lockheed Martin verwies auf Sicherheitsgründe und versicherte, alle Vorschriften des US-Verteidigungsministeriums für den Transport von Flugzeugteilen einzuhalten.
Warum die Cockpithaube wertvoller ist als Glas
Der F-35 gilt als modernstes Kampfflugzeug der Welt und ist wegen seiner Form und Außenbeschichtung für gegnerisches Radar kaum zu entdecken. Die kuppelförmige Acrylhaube über dem Pilotensitz ist Teil dieses Konzepts: Sie trägt eine dünne, transparente Schicht radarabsorbierenden Materials. Diese Technik ist nur den USA und ihren Verbündeten zugänglich.
Käme ein Gegner in den Besitz einer solchen Haube, könnte er Material, Verarbeitung und Herstellungsverfahren untersuchen und die Technologie per Reverse Engineering nachbauen – oder frühere Erkenntnisse verifizieren und verfeinern. Das beschreibt der ZEIT-Bericht über die geheime F-35-Technik in Hongkong. Die Beschichtung altert und muss bei der wachsenden Flotte mit mehr als 1.300 gebauten Maschinen regelmäßig repariert oder ersetzt werden.
Der frühere Mitarbeiter des Sicherheitsausschusses des US-Repräsentantenhauses, J. J. Gertler, hält ein echtes Exemplar für wertvoller als reine Spionagedaten. Er warnt:
„Es ist kein Geheimnis, dass China aggressiv versucht hat, über elektronische Spionage und andere Mittel an F-35-Daten zu gelangen. Aber selbst wenn sie bereits Spezifikationen oder andere Daten über das Teil hätten, kann der Besitz eines echten Exemplars ihnen noch mehr Anhaltspunkte geben und bestätigen oder verfeinern, was sie bereits gelernt haben.“
Kongress informiert, Verbleib weiter offen
Wer die Ladung heute hat, ist unbekannt – ebenso, ob die Umleitung auf einen Fehler oder eine unautorisierte Handlung zurückgeht. Hongkong gehört als Sonderverwaltungszone zu China, wo Peking seinen Einfluss und seine nationalen Sicherheitsgesetze massiv ausgeweitet hat; die Teile gerieten damit potenziell in Pekings Einflussbereich. Einen öffentlichen Beleg, dass chinesische Behörden oder Militärs sie tatsächlich haben, gibt es nicht, wie die Analyse zum Verbleib der umgeleiteten F-35-Fracht festhält.
Von der Umleitung bis zum Bekanntwerden
- Juni 2026Erste Briefings im US-Kongress
Vertreter von Außenministerium und Pentagon informieren erstmals Mitarbeiter der Sicherheitsausschüsse; weitere Briefings werden angekündigt. Die ZEIT nennt abweichend den Juni auch als Zeitpunkt der Umleitung selbst.
- Sommer 2026Umleitung während der Pazifiküberquerung
Die für Reparaturzwecke bestimmte Lieferung ist von Australien in die USA unterwegs und wird nach Hongkong umgeleitet. Die Teile gelten seither als verschwunden.
- 18. September 2026Politico veröffentlicht den Bericht
Am selben Tag übergibt Lockheed Martin in Fort Worth den ersten F-35A an die Bundeswehr; Boris Pistorius nimmt ihn entgegen.
- 18./19. September 2026Pentagon bestätigt den Verlust
Das F-35 Joint Program Office kündigt an, die Komponenten zurückzuholen, den Vorfall zu untersuchen und Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Lockheed Martin verweist auf Sicherheitsgründe, die chinesische Botschaft erklärt, den Vorfall nicht zu kennen, das US-Außenministerium äußert sich nicht.
- kommende WochenWeitere Briefings erwartet
Die Untersuchung im US-Kongress läuft; die Sicherheitsausschüsse sollen erneut informiert werden.
Deutschlands heikles Timing
Am selben Freitag, 18. September 2026, nahm Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in Fort Worth im US-Bundesstaat Texas den ersten F-35A für die Bundeswehr entgegen. Deutschland plant bis zu 35 Maschinen, die die Tornado-Jets der Luftwaffe ersetzen sollen; die ersten Jets sollen im kommenden Jahr überstellt werden. Je nach Modell kostet eine Maschine zwischen 82,5 und 109 Mio. Dollar.
Pistorius ist in der Berichterstattung über den Hongkong-Vorfall kein Akteur – er liefert den deutschen Anlass für die Aufmerksamkeit. In den Kommentarspalten deutscher Medien dominierten Spott und Fassungslosigkeit über die Logistik des Vorfalls, etwa die Replik, das Flugzeug sei unsichtbar, „die logistische Kompetenz offenbar auch“.
Die Lücke im globalen Ersatzteilpool
Neben den US-Streitkräften haben 19 weitere Länder die Maschine bestellt, darunter Großbritannien, Israel, die Niederlande und die Schweiz. Die Ersatzteile lagern in einem gemeinsamen, globalen Pool; bis zum Einbau gehören sie dem US-Verteidigungsministerium, doch die Bestandsdaten führt Lockheed Martin, das für Transporte kommerzielle Frachtunternehmen nutzt. Verluste in Millionenhöhe kann das Pentagon deshalb kaum überprüfen.
Australien betreibt Wartungsdepots für die F-35, aber keines kann derzeit Cockpithauben reparieren – deshalb musste die Haube in die USA. Ein GAO-Bericht von 2023 stellte fest, dass in fünf Jahren mehr als eine Million F-35-Ersatzteile abhandenkamen, nach NDTV im Wert von über 85 Mio. Dollar; geprüft wurden weniger als zwei Prozent der Verluste. Ein GAO-Bericht von Juni 2026 sah weiterhin Probleme bei der Teileverfügbarkeit. Ungeklärt bleibt, wo die Haube ist und wer sie hält.
