Die AfD hat die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen – und die CDU fliegt zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik aus einem Landesparlament. Die AfD kommt auf 38,2 Prozent (388.026 Stimmen) und stellt 32 der 71 Abgeordneten, mehr als eine Verdopplung ihres Ergebnisses von 2021 (16,7 Prozent).
Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig fällt mit 35,5 Prozent (360.393 Stimmen) erstmals seit 1998 auf Platz zwei. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Landtagswahl in MV erhalten Linke (6,5 Prozent) und Grüne (5,7 Prozent) je fünf Sitze. Die Wahlbeteiligung lag bei 78,1 Prozent; erstmals durften auch 16- und 17-Jährige wählen.
Zweitstimmenanteile in Mecklenburg-Vorpommern
Vorläufiges amtliches Ergebnis der Landtagswahl vom 20. September 2026
CDU und BSW scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde
Für die CDU ist es ein historischer Einschnitt: 49.629 Stimmen, 4,9 Prozent, null Mandate. Ihr bis dahin schlechtestes Landtagswahlergebnis hatte sie 1951 in Bremen mit neun Prozent erzielt. Auch das BSW von Sahra Wagenknecht verpasst mit 4,8 Prozent (49.036 Stimmen) den Einzug in den Landtag, die FDP landet bei 1,0 Prozent.
CDU-Landeschef und Spitzenkandidat Daniel Peters nannte das Ergebnis „katastrophal“ und sprach während des Abends von einem „Überlebenskampf“. Der eigene Spitzenkandidat sei vielen Menschen unbekannt geblieben. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schloss Peters aus; die Frage nach persönlichen Konsequenzen ließ er offen.
„Wir wurden hier in dem hoch polarisierten Wahlkampf zerrieben.“
Die stärkste Kraft hat keinen Partner
Die AfD ist stärkste Kraft, kann daraus aber keine Regierung bilden: Alle anderen Parteien haben eine Zusammenarbeit mit ihr ausgeschlossen. Spitzenkandidat Leif-Erik Holm erklärte am Wahlabend in Schwerin, seine Partei habe den Regierungsauftrag und werde auf alle Parteien zugehen. Bundeschef Tino Chrupalla sprach von einem „ganz klar“ bei der AfD liegenden Auftrag.
AfD-Co-Chefin Alice Weidel sagte, ihre Partei habe „die CDU als Volkspartei verdrängt“. Der Linke-Politiker Dietmar Bartsch hielt dagegen: „Die AfD hat in diesem Land keinen Regierungsauftrag, die AfD wird hier nicht regieren.“ Ohne Koalitionspartner würde die AfD zur einzigen Oppositionspartei im neuen Landtag.
Für Schwesig geht es nur noch mit den Grünen: SPD (29 Sitze), Linke (5) und Grüne (5) kommen zusammen auf 39 der 71 Sitze, die Mehrheit beginnt bei 36. Schwesig sagte, sie stehe für eine „stabile demokratische Regierung“ bereit: „Die AfD wird keine Regierung stellen können.“ Die Linke-Spitzenkandidatin Simone Oldenburg zeigte sich für Gespräche offen, die Grünen für eine Beteiligung.
Von der Sachsen-Anhalt-Wahl bis zur Frist in Schwerin
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Merz nennt das Ergebnis ein Desaster - und bleibt
Bundeskanzler Friedrich Merz trat kurz nach 18 Uhr im Konrad-Adenauer-Haus vor die Presse und nannte das Ergebnis ein 'Desaster', das man nicht schönreden könne. Die CDU habe gekämpft, sei aber 'am Ende zerrieben worden zwischen der Zuspitzung zwischen SPD und AfD'. Zugleich kündigte er an, im Amt zu bleiben: Merz will trotz des Desasters an Reformen festhalten.
Der Druck auf Merz ist groß. Chrupalla, Weidel und Bartsch verlangten Konsequenzen bis zum Rücktritt. Hamburgs CDU-Chef Dennis Thering forderte: 'Bundeskanzler Merz und sein Kabinett müssen jetzt liefern.'
Bis zum 17. November muss Schwerin liefern
Der neue Landtag muss bis spätestens 17. November mit absoluter Mehrheit einen Regierungschef wählen; scheitert das, kann bis zum 1. Dezember die Auflösung des Landtags beschlossen werden. Auch in Berlin fehlt es an Stabilität: Vizekanzler Lars Klingbeil signalisierte einen Kurswechsel, Schwesig verlangte Korrekturen an den Reformen. Ob rot-rot-grün in Schwerin zustande kommt und wie lange Merz Kanzler bleibt, ist offen.
