Rund 2,37 Millionen Menschen sahen am Samstagabend die Sonderausgabe „Kleine Stars ganz groß“ der „Giovanni Zarrella Show“ von Moderator Giovanni Zarrella (48) – DWDLs Analyse des neuen Zarrella-Tiefstwerts zufolge so wenige wie nie zuvor bei einer Ausgabe der Reihe. Der bisherige Tiefstwert von 2,73 Millionen ist damit klar unterboten, die Drei-Millionen-Marke weit verfehlt.
Beim Gesamtpublikum kam die dreistündige Ausgabe laut AGF auf 13,2 Prozent Marktanteil, für ZDF-Verhältnisse ein solider Wert. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen schalteten dagegen nur 135.000 Menschen ein – das entspricht 4,7 Prozent Marktanteil. Im August hatte dieselbe Show in dieser Gruppe noch 9,1 Prozent erreicht.
Genau dort liegt der Konflikt dieses Abends: Das ZDF hatte die Ausgabe aus der Göttinger Lokhalle bewusst mit jungen Künstlern besetzt, um ein jüngeres Publikum zu gewinnen. Vor den Bildschirmen ist dieses Publikum trotzdem nicht angekommen – in der Zielgruppe halbierte sich die Quote sogar.
Zuschauer der „Giovanni Zarrella Show“ in Millionen
Ausgewählte Ausgaben 2026 im Vergleich
Ein Konzept als Antwort auf die Zuschauerkritik
Die Gästeliste folgte einem klaren Muster: Neben etablierten Namen wie Matthias Reim, Christin Stark, Unheilig, Laith Al-Deen, Nik P., Rolando Villazón und dem italienischen Popstar Nek traten Josh., Pia-Sophie, Alexander Eder, Florian Künstler und das Duo Fantasy auf.
Für die Talent-Schiene sorgten auch Kinder und Jugendliche: Klaws' erster TV-Auftritt mit Sohn Lenny gehörte dazu, Unheilig wurde vom Kinder- und Jugendchor Lucky Kids begleitet. Marijke Amado, einst Gastgeberin der „Mini Playback Show“, präsentierte junge Gesangstalente für Duette mit Matthias Reim, Beatrice Egli und Zarrella.
Auslöser für das Konzept war die Kritik nach der Sommerparty vom 29. August: Jene Ausgabe erreichte 2,90 Millionen Zuschauer und 16,8 Prozent – der beste Wert seit Anfang 2024 –, kam in der jungen Zielgruppe aber nur auf 250.000 Menschen und 9,1 Prozent. Beobachter werteten die Göttinger Ausgabe als Reaktion auf diese Kritik, auch wenn das Programm schon länger feststand.
Danach hieß es in den Kommentarspalten, die Show sei „nur für Leute über 60“; der Bericht über die wütenden Zuschauerkommentare hält fest, dass das Social-Media-Team des ZDF eingreifen und an die Netiquette erinnern musste – Beleidigungen würden gelöscht, Wiederholungstäter gesperrt.
Babylon Berlin liegt knapp vor Zarrella
Im Ersten startete am selben Abend die finale Staffel von „Babylon Berlin“, die die ARD in vier Folgen hintereinander zeigte. Die erste Folge erreichte 2,48 Millionen Zuschauer und 12,9 Prozent Marktanteil – damit lag die Serie beim Gesamtpublikum knapp vor der Zarrella-Show.
Im Verlauf des Abends verlor „Babylon Berlin“ deutlich Reichweite: Folge zwei sahen 2,26 Millionen, Folge drei 2,10 Millionen, die vierte nur noch 1,89 Millionen Menschen. Bei den 14- bis 49-Jährigen fiel der Marktanteil von 7,2 auf 3,7 Prozent.
Reichweite der vier „Babylon Berlin“-Folgen am 19. September
Zuschauer in Millionen, Folge 1 bis 4
The Voice punktet in der jungen Zielgruppe
Bei den Privatsendern lief es für eine andere Musikshow deutlich besser: „The Voice of Germany“ auf ProSieben kam insgesamt nur auf 1,27 Millionen Zuschauer und 6,9 Prozent Marktanteil, erreichte bei den 14- bis 49-Jährigen aber 11,9 Prozent (350.000 Zuschauer) – der erste zweistellige Wert dieser Staffel. In der erweiterten Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen lag die Show mit 10,2 Prozent auf einem Staffelbestwert.
Von dem schwachen Primetime-Duell profitierten auch die Dritten Programme. Das NDR Fernsehen erreichte mit „Kaum zu glauben! XXL“ bundesweit 1,45 Millionen Zuschauer und 7,6 Prozent Marktanteil. Das BR Fernsehen lag mit der Komödie „Leberkäsjunkie“ bei 1,06 Millionen Zuschauern und in der Zielgruppe 14 bis 49 mit 5,5 Prozent zeitweise sogar vor „Babylon Berlin“ und der Zarrella-Show.
In der Tagesrangliste blieb die Zarrella-Show mit 2,37 Millionen Zuschauern dennoch die viertmeistgesehene Sendung des Abends. Nur die „Tagesschau“, die „Sportschau“ und die erste Folge von „Babylon Berlin“ lagen davor.
Zarrella hatte Wow-Momente versprochen
Vor der Ausstrahlung hatte Zarrella in einem ZDF-Interview noch Zuversicht verbreitet und sich an seine eigenen Anfänge erinnert. Mit Blick auf die vielen Nachwuchskünstler versprach er, was die Zuschauer erwartet:
„Da entstehen extrem viele schöne, emotionale, unterhaltsame, lustige Wow-Momente.“
Gemessen an den AGF-Zahlen ist von diesen Wow-Momenten beim Publikum wenig angekommen: Mit 2,37 Millionen Zuschauern war die Ausgabe der schwächste Wert seit dem Start der Show am 11. September 2021. Das Branchenportal prisma.de führt das darauf zurück, dass der Show an diesem Abend die Anziehungskraft der zahlreichen etablierten Namen fehlte, die sonst auftreten.
Vorproduziert im April – ausgestrahlt im September
Die Ausgabe war keine Livesendung: Sie wurde bereits im April 2026 in der Lokhalle Göttingen vor Publikum aufgezeichnet, nur wenige Tage nach der Live-Ausgabe vom 25. April, die 2,88 Millionen Zuschauer und 15,2 Prozent Marktanteil erreicht hatte. Nach Angaben des ZDF geschah die Vorproduktion, um Kosten zu sparen.
In der ZDF-Mediathek war die Sendung ab dem 19. September abrufbar, die Frist endete am 18. Oktober 2026; ausgestrahlt wurde sie rund um den Weltkindertag am 20. September. Das Portal schlagerprofis.de nannte es „etwas peinlich“, dass das Opening mit dem Song „Phänomen“ ohne Helene Fischer und der Schlusstitel „Ein bisschen Frieden“ ohne Nicole liefen, und kritisierte, dass immer mehr Ausgaben nicht live laufen.
Ob es sich um einen Ausreißer der speziellen Kinder- und Talent-Ausgabe handelt oder um eine nachhaltige Veränderung des Zuschauerinteresses, ist bislang unbeantwortet. Eine offizielle Reaktion von ZDF-Verantwortlichen oder von Zarrella auf den Tiefstwert lag bis zum 21. September nicht vor.
