Selenskyj kündigt Treffen mit Trump am 22. September in New York an
Nach einem Telefonat am Abend des 20. September kündigt Wolodymyr Selenskyj ein Treffen mit Donald Trump in New York an – nach Angaben seines Chefunterhändlers am Dienstag, dem 22. September. Hinter den Kulissen verlangt Trump, dass die Ukraine keine russischen Raffinerien mehr angreift.
Am Abend des 20. September 2026 telefonierten der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump. Wenige Stunden später schrieb Selenskyj auf der Plattform X, man habe sich auf ein Treffen in New York verständigt, und dieses Treffen „könnte vieles verändern“ – es gebe eine „diplomatische Dynamik“, wie der Bericht der tagesschau über die Ankündigung festhält. Den Termin nannte Selenskyjs Chefunterhändler Rustem Umerow: Das Treffen soll am Dienstag, dem 22. September, stattfinden – dem Tag, an dem Trump vor der 81. UN-Generalversammlung spricht.
Reibungslos verlief das Gespräch offenbar nicht. Dem Bericht von Axios über das Telefonat zufolge forderte Trump Selenskyj wiederholt auf, die ukrainischen Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen, weil diese die weltweiten Dieselpreise nach oben trieben. Eine mit dem Gespräch vertraute Quelle sagte dem Portal, das Wort „Diesel“ sei „viele Male“ gefallen. Auf die Forderung ging Selenskyj in seiner öffentlichen Botschaft nicht ein.
Umfrage
Lädt
Ein Treffen, das bis zuletzt offen war
Noch am Samstag, dem 19. September, hatte der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, Trumps New-York-Programm vorgestellt – mit bilateralen Treffen unter anderem mit dem britischen Premierminister Andy Burnham, Japans Regierungschefin Sanae Takaichi, den Golfstaaten und Venezuelas amtierender Präsidentin Delcy Rodríguez, aber ohne Selenskyj. Zwei hochrangige ukrainische Regierungsvertreter bestätigten dem Sender Suspilne, dass ein Treffen damals nicht bestätigt war.
Der Anlauf war lang. Bereits am 10. September hatte Selenskyj ein Treffen mit Trump in New York angekündigt – Thema sollte ein Paket zur Stärkung der ukrainischen Luftabwehr sein. Am 16. September berichtete Al Jazeera, ukrainische und US-Diplomaten arbeiteten „aktiv“ an einem „bedeutungsvollen“ Treffen am Rande der UN-Generalversammlung. Umerow sagte Axios, er arbeite seit Tagen mit Vertretern des Weißen Hauses an der Vorbereitung. In New York werden knapp 130 Staats- und Regierungschefs erwartet.
Von den Moskau-Gesprächen bis zum Telefonat mit Trump
5. September 2026
US-Gesandte in Moskau
Steve Witkoff und Jared Kushner treffen in Moskau Präsident Wladimir Putin.
6. September 2026
Erstmals in Kiew
Witkoff und Kushner besuchen in ihrer Vermittlerrolle erstmals Kiew und treffen Selenskyj; Sicherheitsberater aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien nehmen an einem Teil der Gespräche teil.
8. September 2026
Selenskyj rechnet mit Treffen
Er sagt, er erwarte ein Treffen mit Trump „in den Zwanzigern“ des Septembers, und braucht ein „Winterpaket“ mit Abfangraketen.
10. September 2026
Ankündigung in New York
Selenskyj kündigt öffentlich an, Trump Ende September in New York treffen zu wollen – Thema sei die ukrainische Luftabwehr.
14. September 2026
Energie-Waffenruhe zerfällt
Trump erklärt, Russland und die Ukraine hätten einen gegenseitigen Angriffsstopp auf Energieanlagen vereinbart; wenige Stunden später gibt es wieder Angriffe.
19. September 2026
Programm ohne Selenskyj
US-UN-Botschafter Mike Waltz stellt Trumps New-York-Programm vor – ohne bilaterales Treffen mit Selenskyj.
20. September 2026
Telefonat und Ankündigung
Selenskyj und Trump telefonieren am Abend, Selenskyj kündigt das Treffen an. Laut Axios fordert Trump ein Ende der Angriffe auf russische Raffinerien. Die Ukraine beschießt Moskau.
Kiews Angebot, Washingtons Bedingung
Selenskyj nannte nach dem Telefonat Ideen für Deeskalationsschritte und grundlegende Sicherheitsfragen: Energiesicherheit, Ernährungssicherheit und den Schutz von Menschenleben. „Der Friedensprozess hat höchste Priorität“, sagte er mit Blick auf den Besuch der US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner – am 5. September in Moskau, am 6. September erstmals in Kiew.
„Es gibt Vorschläge für Maßnahmen zur Deeskalation und zur Bewältigung grundlegender Sicherheitsprobleme – Energiesicherheit, Ernährungssicherheit und den Schutz von Menschenleben. Wir arbeiten mit dem amerikanischen Team zusammen und sind bereit, wirklich entschlossene Schritte zu unternehmen.“
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Außenminister Andrij Sybiha zufolge könnte ein Waffenstillstand im Energiesektor und im Schwarzen Meer eines der Hauptergebnisse des Treffens werden. Die Ukraine hatte zuvor signalisiert, Angriffe auf russische Energieanlagen auszusetzen, wenn Moskau im Gegenzug verbindliche Garantien gegen Angriffe auf ukrainische kritische Infrastruktur gibt – Trumps umstrittene Energie-Waffenruhe vom 14. September. Umerow sagte Axios, die Streitpunkte seien von Dutzenden auf „ein oder zwei Kernfragen“ geschrumpft; einen Bericht über Kiewer Frust über Witkoff nannte er falsch.
Sanktionen und 2,7 Milliarden Dollar
Das Treffen folgt auf zwei Entscheidungen Washingtons, auf die Kiew monatelang gedrängt hatte. Trump unterzeichnete ein weitreichendes Russland-Sanktionsgesetz – in der Ukraine als „Sanctions from hell“ bekannt, benannt nach dem republikanischen Senator Lindsey Graham –, das dem Präsidenten unter anderem Zölle von bis zu 100 Prozent auf Länder erlaubt, die weiter russische Energie kaufen.
Zudem genehmigte das US-Außenministerium einen Rüstungsverkauf an die Ukraine im Wert von fast 2,7 Milliarden Dollar zur Modernisierung der Luftverteidigung – nach Darstellung von Reuters das größte US-Waffenpaket für Kiew seit Trumps Amtsantritt. Selenskyj dankte Trump ausdrücklich für beides. Kiew hofft nun auf US-Lizenzen für die Produktion von Patriot-Abfangraketen und auf ein „Winterpaket“ gegen ballistische Raketen; Nato-Generalsekretär Mark Rutte ist während des UN-Treffens ebenfalls in New York.
Diplomatie bei täglichen Angriffen
Die Ankündigung fällt in eine Phase zunehmender Gewalt. Die Ukraine griff am Sonntag, dem 20. September, mit Raketen Moskau an und traf eine Ölraffinerie; Russland beschießt seit Wochen fast täglich Kiew und andere Großstädte. Nach Selenskyjs Angaben setzte Russland allein in dieser Woche mehr als 2.000 Drohnen, 1.700 Gleitbomben und 19 Raketen ein. In der Nacht zum Montag zerstörten russische Angriffe nach ukrainischen Angaben ein Einkaufszentrum in Saporischschja und beschädigten mehrere neunstöckige Wohnblocks; Selenskyj sprach von fünf Verletzten.
Russische Angriffe in der Woche vor dem New-York-Treffen
Von Russland gegen die Ukraine eingesetzte Waffen
Quelle: Angaben von Präsident Selenskyj, 20. September 2026
Beobachter dämpfen die Erwartungen: Es gibt keine Anzeichen für einen sofortigen Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen als Ergebnis des Treffens. Der frühere US-Diplomat Brett Bruen sagte der taz, er erwarte bei der Generaldebatte „eher oberflächliche Initiativen“. Trump wird in seiner Rede am Dienstag voraussichtlich auch Wahlkampf betreiben – weniger als zwei Monate vor den US-Kongresswahlen – und am Abend nach Washington zurückkehren. Offen bleibt, ob das Treffen mehr hervorbringt als die Zusage eines weiteren Gesprächs.