Suzanne von Borsody wird 69 und ist raus aus dem Rollenkampf
Suzanne von Borsody wird am 23. September 69 Jahre alt. Die Schauspielerin hat sich aus dem Wettbewerb um die großen Rollen für Frauen ab 45 verabschiedet – und kann das, weil sie mit 19 fürs Alter vorgesorgt hat.
Suzanne von Borsody (69) feiert am 23. September ihren 69. Geburtstag – und sie spielt nicht mehr mit. Die Schauspielerin hat sich aus dem Wettbewerb um die großen Fernsehrollen verabschiedet und begründet das offen: Für Frauen ab 45 sei der Rollenkuchen fast verteilt, nur ein kleines Stück bleibe für sie und ein paar gleichaltrige Kolleginnen.
Ausgesprochen hat sie das am 28. Juni 2025 bei der Eröffnung des Filmfestes München, wo sie mit ihrem Mann, dem Goldschmied Jens Schniedenharn, auftrat. Ihre Analyse richtet sich an eine Branche, die Schauspielerinnen ab Mitte 40 nach ihrer Darstellung kaum noch Hauptrollen anbietet:
„Ich bin raus aus dem großen Spiel um die umkämpften Rollen für ab 45 Jahren. Von dem Kuchen gibt es für mich nur noch ein kleines Stück. Diese Spielwiese teile ich mir mit ein paar gleichaltrigen Kolleginnen. Aber es ist alles gut so.“
Suzanne von Borsody, Schauspielerin
Vorsorge mit 19 – die Freiheit, Nein zu sagen
Von Borsody kann sich diese Haltung leisten. Auf Anraten ihrer Mutter, der 2013 gestorbenen Schauspielerin Rosemarie Fendel, habe sie schon mit 19 Jahren fürs Alter vorgesorgt, sagte sie in dem Gespräch mit Bild über ihre Altersvorsorge. Ihr Fazit: „Ich muss mich nicht erpressen lassen.“
Für ihren Alltag heißt das: Auf dem Bildschirm ist sie nur noch selten zu sehen, ihr Arbeitsleben bestreiten Lesungen und Programme für ihr Publikum. Ob Sender Frauen ab 45 mehr Hauptrollen schulden, wird in der Branche seit Jahren diskutiert – von Borsody beantwortet die Frage für sich mit Rückzug.
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Erst das Schauspielhaus Frankfurt, dann der Bildschirm
Angefangen hat alles auf der Bühne: Von Borsody besuchte nur kurz eine Schauspielschule, dann holte sie ein Engagement am Schauspielhaus Frankfurt. Unter Johannes Schaaf spielte sie die Lucile in Büchners „Dantons Tod“ und die Anja in Tschechows „Der Kirschgarten“. Von 1987 bis 1993 war sie fest am Schillertheater Berlin engagiert; ihre Wikipedia-Biografie nennt die Bühnenstationen.
Ihren ersten Fernsehauftritt hatte sie 1964 mit sieben Jahren in der Folge „Der Fahrplan“ der Serie „Das Kriminalmuseum“, an der Seite ihrer Mutter. 1979 brachte ihr die Titelrolle in „Beate S.“ die Goldene Kamera, 1981 folgte eine ehrende Anerkennung beim Adolf-Grimme-Preis. Bekannt wurde sie 1998 als Frau Jäger in Tom Tykwers „Lola rennt“; für „Männertreu“ gab es 2014 den Deutschen Fernsehpreis und 2015 den Grimme-Preis.
Fünf Jahrzehnte im Beruf
23. September 1957
Geburt in München
Suzanne von Borsody kommt als Tochter der Schauspieler Hans von Borsody und Rosemarie Fendel zur Welt.
1964
Erste Fernsehrolle
Mit sieben Jahren steht sie in der Folge „Der Fahrplan“ der Serie „Das Kriminalmuseum“ vor der Kamera, an der Seite ihrer Mutter.
1979
Titelrolle in „Beate S.“
Die Rolle der jungen Frau, die in eine Sekte gerät, bringt ihr die Goldene Kamera; 1981 folgt eine ehrende Anerkennung beim Adolf-Grimme-Preis.
1987 – 1993
Festengagement in Berlin
Von Borsody gehört fest zum Ensemble des Schillertheaters; nach der Schließung wechselt sie fast vollständig zu Film und Fernsehen.
1998
Frau Jäger in „Lola rennt“
An der Seite von Franka Potente wird sie in Tom Tykwers Erfolgsfilm einem internationalen Publikum bekannt.
28. Juni 2025
Absage an den Rollenmarkt
Bei der Eröffnung des Filmfestes München sagt sie, sie sei raus aus dem Spiel um die umkämpften Rollen für Frauen ab 45.
23. September 2026
69. Geburtstag
Von Borsody wird 69 Jahre alt; auf dem Bildschirm ist sie nur noch selten zu sehen.
Lesungen statt Drehplan
Seit 2006 tourt von Borsody deutschlandweit mit dem Vortrag von Briefen der Malerin Frida Kahlo. Daneben liest sie Heinrich Heine in der musikalischen Lesung „Heine trifft Jazz“ sowie das Blumen-Programm „Flower Tales – Lasst Blumen sprechen“. Im Dezember 2025 präsentierte sie im Opernhaus des Theater Magdeburg das Weihnachtsprogramm „Tannen lächeln elektrische Liebe“ mit dem Duo Feliz.
Dazu kommt ihr soziales Engagement: Sie ist UNICEF-Botschafterin, Botschafterin der Vereine N.I.N.A. und Hand in Hand for Africa/Children und seit 2005 Mentorin des Kinderprojekts LILALU. 2013 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz I. Klasse; sie führt die deutsche Fernsehjury des CIVIS-Preises.
Seit April 2014 ist von Borsody mit dem Goldschmied Jens Schniedenharn verheiratet, ihrem langjährigen Lebensgefährten; getraut wurde das Paar in Frankfurt am Main, es lebt in München und Berlin. Zuvor war sie von 1990 bis 1999 mit dem Schauspieler Heino Ferch liiert. Eigene Kinder hat sie nicht – sie verweist auf rund 700 Kinder in Afrika, die ihr Verein versorge, und zwei Patenkinder in Deutschland. Über ihren Mann sagt sie:
„Jens ist meine andere Hälfte. Mittlerweile sind wir nicht nur gedanklich zusammengewachsen. Wenn wir beieinander sind, kann uns nichts passieren.“
Suzanne von Borsody, Schauspielerin
Der nächste Termin steht schon fest
Für den 5. November 2026 ist „Flower Tales – Lasst Blumen sprechen“ im Standhaus Westewitz in Großweitzschen angekündigt, einen Tag später ein Auftritt in der Empore Buchholz. Ob von Borsody noch einmal eine große Fernsehrolle annimmt, bleibt offen – der nächste sichere Termin ist eine Lesung.