Iran verurteilt STELP-Gründer Serkan Eren zu zehn Jahren Haft
Nach Angaben seiner Organisation hat ein iranisches Gericht den Stuttgarter Helfer Serkan Eren zu zehn Jahren Haft verurteilt. Prominente Weggefährten reagieren bestürzt – offiziell bestätigt ist das Urteil bislang nicht.
Ein iranisches Gericht hat den Gründer der Stuttgarter Hilfsorganisation STELP, Serkan Eren (42), nach Angaben der Organisation zu zehn Jahren Haft verurteilt. Zur Last gelegt wird ihm der Kontakt zu einem Land, das der Iran als feindlich einstuft. Welcher Staat damit gemeint ist, ließ STELP offen. Offiziell bestätigt ist das Urteil bislang nicht – weder von iranischen noch von türkischen Behörden.
STELP machte das Urteil am Dienstag, 22. September 2026, öffentlich und beruft sich dabei auf Erens Rechtsbeistand im Iran. Die Organisation nennt es „schockierend“ und verweist auf den SWR-Bericht zur Verurteilung von Serkan Eren: Das Strafmaß werde den „Umständen des Falls nicht gerecht“. Eren sitzt seit Juni 2025 in iranischem Gewahrsam, mehr als ein Jahr lang war sein Schicksal unklar.
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Ein Schock für enge Weggefährten
Unter den ersten, die öffentlich reagierten, war Timo Hildebrand, ehemaliger Torhüter des VfB Stuttgart, enger Freund Erens und Mitglied des erweiterten STELP-Vorstands. Er sagte der Stuttgarter Zeitung, die Nachricht sei ein Schock, und er wolle sich gar nicht ausmalen, was zehn Jahre in einem iranischen Gefängnis bedeuten.
„Das Fast-Worst-Case-Szenario ist eingetroffen. Das will keiner von uns erleben.“
Timo Hildebrand, ehemaliger VfB-Torhüter und enger Freund von Serkan Eren
Neben Hildebrand meldeten sich weitere Weggefährten zu Wort. Der in Stuttgart geborene Musiker Max Herre wandte sich an Erens Ehefrau: „Unsere Gedanken sind bei dir und Gulia und eurer Familie. Nur Liebe.“ Der Rapper Kool Savas schrieb: „Wir denken an dich und lieben dich Bruder.“ Solidarisch äußerten sich auch Musiker und Unternehmer Fynn Kliemann, die Popmusikerin MIVA und der Esslinger Künstler Tim Bengel.
Vom Bundesverdienstkreuz in den iranischen Gewahrsam
Serkan Eren gründete STELP 2015 nach einem ersten, auf eigene Faust organisierten Hilfseinsatz an der mazedonischen Grenze; der Name steht für „STuttgart hELPs“. Laut FAZ entstand die Organisation gemeinsam mit Steffen Schuldis. 2023 zeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Eren mit dem Bundesverdienstkreuz aus.
Eren ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, besitzt aber die türkische Staatsangehörigkeit – davon hängt ab, welche Behörden sich für ihn einsetzen können. STELP organisiert Hilfseinsätze in zahlreichen Ländern, darunter die Ukraine, die Türkei, Nepal und der Jemen; bekannt wurde die Organisation auch durch schnelle Hilfe im türkischen Erdbebengebiet im Februar 2023.
Nach Darstellung der Organisation reiste Eren am 23. Juni 2025 über die türkische Grenze in den Iran, um mit Spenden aus der Region Stuttgart Menschen in einer Notlage zu unterstützen. Er wollte noch am selben Tag wieder ausreisen. Wie der IranWire-Bericht zum Fall des deutschen Helfers festhält, wurde er an der Ausreise gehindert und in Gewahrsam genommen; seither gibt es keinen Kontakt mehr zu seiner Organisation.
Von der Gründung bis zum Urteil
2015
STELP entsteht nach einem Hilfseinsatz an der mazedonischen Grenze
Serkan Eren organisiert laut FAZ gemeinsam mit Steffen Schuldis erste Hilfe für Geflüchtete; daraus wird die Stuttgarter Organisation STELP.
2023
Bundesverdienstkreuz für Serkan Eren
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeichnet den STELP-Gründer aus.
23. Juni 2025
Eren reist in den Iran und wird festgehalten
Er will Spenden verteilen und noch am selben Tag ausreisen; stattdessen wird er in Gewahrsam genommen. HRANA nennt den 24. Juni 2025.
22. September 2026
STELP meldet zehn Jahre Haft
Die Organisation beruft sich auf Erens Rechtsbeistand im Iran; das Urteil nennt Kontakte zu einem feindlichen Land als Grund.
23. September 2026
Auswärtiges Amt verweist auf die Türkei
Der Fall sei bekannt, zuständig seien wegen Erens türkischer Staatsangehörigkeit die türkischen Behörden.
Auswärtiges Amt verweist an die Türkei
Die Zuständigkeit im Fall Eren liegt nicht in Berlin: Weil er die türkische Staatsangehörigkeit besitzt, verweist das Auswärtige Amt auf die türkischen Behörden – das teilte das Ministerium dem SWR am Mittwoch mit. Auch das Bundesverdienstkreuz ändere an dieser Zuständigkeit nichts.
Der Iran erhebt den Vorwurf des Kontakts zu einem feindlichen Land seit Jahren gegen viele ausländische Menschen. Seit dem Krieg zwischen USA, Israel und dem Iran hat das Land nach Einschätzung des SWR-Journalisten Paul Jens eine Verhaftungswelle gestartet. Zugleich verhängt der Iran laut Amnesty International weltweit die meisten Todesstrafen. Jens nannte dennoch einen Hoffnungsschimmer: Eine deutsch-iranische Aktivistin sei ebenfalls zu zehn Jahren Haft verurteilt, aber nach vier Jahren freigekommen.
STELP vertraut darauf, dass die türkischen Behörden „alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen, um sich für Serkan Eren einzusetzen“; ihn sicher nach Hause zu bringen, habe „oberste Priorität“. Weitere Informationen wollen Organisation und Weggefährten „zum Schutz von Eren“ nicht öffentlich machen. Offen bleibt, ob gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt werden können, wie seine Haftbedingungen sind und ob die Türkei bereits diplomatisch tätig wurde – eine behördliche Bestätigung des Urteils steht weiter aus.