Javier Bardem hat am Montag, dem 21. September 2026, in seinen Instagram-Stories mehrere Beiträge geteilt, die zur Unterzeichnung einer Online-Petition aufrufen. Ihr Ziel: Die Sängerin Pink soll ihr Amt als Botschafterin des UN-Kinderhilfswerks UNICEF verlieren. Der spanische Oscarpreisträger setzt die Organisation damit öffentlich unter Druck – sie muss entscheiden, ob sie an ihrer prominenten Repräsentantin festhält.
Bardem unterstützt die Petition nicht nur mit dem Teilen. Bei der Oscar-Verleihung im März 2026 sagte er während der Präsentation des Preises für den besten internationalen Film „No to war and free Palestine“; in Cannes sprach er im Mai 2026 von einem „Genozid“. Israel weist den Vorwurf eines Völkermords zurück. Gegenüber dem US-Portal The Intercept begründete der 57-Jährige seinen Vorstoß gegen Pink mit einem einzigen Satz:
El mundo ya conoce como la mayoria del estado de Israel ha deshumanizado a la poblacion palestina para apoyar y ocultar el constante genocidio sostenido durante decadas de los palestinos. Financiado por USA y apoyado por la mayoria de los países occidentales. Gracias a documentos como NAZA pronto los asesinos tendran que pagar por sus crímenes. Gracias por dotarnos de tan extraordinarias e importantes películas como “No Other Land” y “NAZA”. Vuestro compromiso con la humanidad será siempre recordado y honrado. ————— The world already knows how much of the Israeli state has dehumanized the Palestinian population in order to support and conceal the ongoing genocide of the Palestinian people, sustained over decades. Funded by the United States and supported by the majority of Western countries. Thanks to documents such as NAZA, the perpetrators will soon have to answer for their crimes. Thank you for bringing us such extraordinary and important films as No Other Land and NAZA. Your commitment to humanity will always be remembered and honored.
„Sie kann keine Kinderrechte verteidigen, ohne den Genozid in Gaza zu verurteilen.“
Die Petition und ihre Unterschriften
Die Petition zur Abberufung Pinks als UNICEF-Botschafterin wurde am 11. September 2026 von einer Gruppe namens „Swifties Against Genocide“ gestartet und richtet sich an UNICEF USA. Die Initiatorinnen und Initiatoren schreiben, Pinks jüngste Kommentare seien „nicht nur unglücklich, sondern unvereinbar mit der Rolle einer UNICEF-Botschafterin“ – eine Person, von der erwartet werde, dass sie humanitäre Werte über persönliche Vorurteile stellt.
Die Zahl der Unterzeichnenden wuchs innerhalb weniger Tage rasant. Je nach Publikation und Redaktionsschluss werden unterschiedliche Stände genannt: rund 60.000 am 21. September, 172.000 bei The Independent, mehr als 179.000 bei NME, Rolling Stone Deutschland und Sweden Herald am 23. und 24. September.
Unterschriften für die Petition gegen Pink
Unterschiedliche Stände je nach Medium und Redaktionsschluss
Der Auslöser: Macklemore bei Ed Sheeran
Ausgangspunkt war der Auftritt des US-Rappers Macklemore als Voract von Ed Sheerans US-Tournee „Loop Tour“. Am 4. und 5. September 2026 trat er im MetLife Stadium in New Jersey auf, rief „Free Palestine“ und sagte, die Menschen in Gaza und im Westjordanland sollten wissen, dass sie nicht vergessen wurden. Während seines Songs „Hind’s Hall“ wurden Bilder aus Gaza auf den Screens hinter ihm gezeigt.
Die Organisation StopAntisemitism kritisierte den Auftritt scharf: Jüdische Fans hätten Karten gekauft, um Ed Sheeran zu hören, „nicht um von Macklemores antiisraelischer Propaganda überfallen zu werden“. Pink teilte diesen Beitrag zunächst ohne eigene Einordnung. Wenige Tage später wurde Macklemore aus dem weiteren US-Vorprogramm gestrichen; Sheerans Begleitband und die übrigen Voracts zogen sich aus Solidarität mit ihm zurück.
Von Macklemores Auftritt zur Petition gegen Pink
- 4. September 2026Macklemore ruft im MetLife Stadium „Free Palestine“
Der Rapper tritt als Voract von Ed Sheerans „Loop Tour“ in New Jersey auf; beim Song „Hind’s Hall“ laufen Gaza-Bilder auf den Screens. Eine zweite Show folgt am 5. September.
- 5. September 2026Pink teilt einen Post von StopAntisemitism
Die Sängerin verbreitet den Beitrag, der Macklemores Auftritt als „antiisraelische Propaganda“ bezeichnet.
- kurz nach dem 5. September 2026Macklemore fliegt aus dem US-Vorprogramm
Sheerans Begleitband und die übrigen Voracts verlassen die Tour aus Solidarität mit dem Rapper.
- 11. September 2026Petition gegen Pink startet auf Change.org
Die Gruppe „Swifties Against Genocide“ fordert UNICEF USA auf, Pink als Botschafterin zu entfernen.
- 19. September 2026Ed Sheeran spielt erstmals ohne Band
In Philadelphia nennt er die Lage in Gaza „katastrophal, unvertretbar und unverhältnismäßig“.
- 21. September 2026Javier Bardem teilt die Petition
Der Schauspieler wirbt in seinen Instagram-Stories für die Unterschriftensammlung.
Pink wehrt sich und nennt die Hamas terroristisch
Gegen die wachsende Kritik verteidigte sich Pink ausführlich. Sie habe sich nicht gegen die Parole „Free Palestine“ gerichtet und nie verlangt, Macklemore zum Schweigen zu bringen oder von der Tour zu werfen. „Ich habe nie verlangt, dass ein anderer Künstler zum Schweigen gebracht wird, und ich verlange es auch nicht“, schrieb sie. „Ein Repost ist keine Aussage, und ein Meme ist kein Rückgrat.“
Als jüdische Mutter wolle sie sagen dürfen, „dass mich das erschreckt hat und es Menschen erschreckt hat, die ich liebe“. Zugleich betonte sie, sie spreche nicht für Israel, bezeichnete die Hamas als Terrororganisation und erklärte, Palästinenserinnen und Palästinenser verdienten eine Zukunft, „die ihre Menschlichkeit und ihre Hoffnungen respektiert“. Den Vorwurf, sie sei mit einem Genozid einverstanden, wies sie zurück.
UNICEF hält an Pink fest – noch
UNICEF USA führt die Sängerin weiterhin als Botschafterin. Pink ist seit 2015 für die Organisation im Amt und besuchte 2015 UNICEF-Projekte in Haiti. Anfragen von Pink, UNICEF und Change.org blieben zunächst ohne Antwort; die Recherche zur Petition gegen Pink ordnet die Kampagne als Versuch ein, den Druck auf Institutionen im US-Kulturbetrieb zu erhöhen.
Raed Jarrar, Advocacy Director der Organisation Democracy for the Arab World Now, fordert ihren Rücktritt: „Pink sollte zurücktreten. UNICEF selbst hat Gaza einen Friedhof für Kinder genannt. Seine Botschafter sollen für diese Kinder sprechen, nicht die angreifen, die es tun.“ Tariq Kenney-Shawa vom Think Tank Al-Shabaka U.S. sieht in der Petition den Versuch, „eine neue Grenze zu ziehen“. Ob UNICEF Pinks Botschafterinnentitel beendet, entscheidet die Organisation selbst – bislang hat sie es nicht getan.
