Macklemore (43) geht selbst auf Tour. Zehn Tage nach seinem Rauswurf aus dem Vorprogramm von Ed Sheeran (35) hat der US-Rapper eine eigene Konzertreihe unter dem Namen „Free Palestine“ angekündigt – mit drei Konzerten in Europa und sämtlichen Einnahmen für palästinensische Hilfsorganisationen.
Die Termine: 26. Oktober in der 3Arena in Dublin, 29. Oktober in der Accor Arena in Paris und 30. Oktober in der OVO Arena Wembley in London. Der Veranstalter Live Nation beschreibt die Reihe als Zusammenführung Macklemores mit Künstlern und Freunden, die Palästina und die Palästinenser in den Mittelpunkt stelle und humanitäre Hilfe unterstütze.
Der Vorverkauf beginnt am Montag, dem 28. September, um 10 Uhr Ortszeit über macklemore.com, der allgemeine Verkauf am Mittwoch, dem 30. September, ebenfalls um 10 Uhr Ortszeit. Die angekündigten Tourdaten und der Vorverkaufsstart kamen über eine Pressemitteilung von Live Nation; US-Konzerte und die Namen der mitwirkenden Künstler sollen später folgen.
Zwölf Organisationen teilen die Einnahmen
Sämtliche Erlöse der Konzerte sollen humanitären Zwecken zugutekommen. Als Empfänger genannt werden zwölf Organisationen:
- Anera
- Glia
- Gaza Soup Kitchen
- Taawon
- HEAL Palestine
- Palestinian Youth Movement
- Middle East Children's Alliance
- Jewish Voice for Peace
- Medical Aid for Palestinians
- Institute for Middle East Understanding
- Palestine Children's Relief Fund
- UNRWA USA
Die Auswahl repräsentiere laut Pressemitteilung die Bandbreite der Arbeit zugunsten der Palästinenser – medizinische Versorgung, humanitäre Hilfe, Bildung, Community-Arbeit, Advocacy und Medienarbeit.
Dass er die Bühne als politischen Ort begreift, macht Macklemore in seiner Erklärung zur Tour deutlich – und begründet damit auch, warum er nach dem Rauswurf nicht klein beigibt:
„Es ist 2026. Unpolitisch zu sein während eines Völkermords funktioniert nicht mehr. Die Menschen erwarten von Künstlern, dass sie da sind, sich bilden und Teil der Gemeinschaft sind. Die Bühne für mehr nutzen als Unterhaltung.“
Der Rauswurf, der die Tour auslöste
Auslöser der Reihe ist ein offener Machtkampf. Am 4. September trat Macklemore als Vorgruppe von Sheeran im MetLife Stadium im US-Bundesstaat New Jersey auf, rief „Free Palestine“ und spielte seinen Song „Hind's Hall“. Ein Hauptgrund für seine Teilnahme an der Sheeran-Tour sei gewesen, in einem solchen Stadion diese zwei Worte zu sagen. Zuvor hatte er seine Haltung verteidigt: Macklemore verteidigt Free-Palestine-Rufe bei Ed Sheeran.
Am 14. September entfernte der Veranstalter Messina Touring Group Macklemore von den verbleibenden Terminen der „Loop“-Tour. Mehrere Stadien hätten mitgeteilt, kein Konzert mit ihm im Line-up zuzulassen. Verantwortlich machte Macklemore den Milliardär Robert Kraft, Eigentümer der New England Patriots und des Gillette Stadium in Foxborough, wie der BBC-Bericht über den Rauswurf bei Ed Sheeran festhält. Kraft warf Macklemore eine längere Geschichte antisemitischer Rhetorik und Bildsprache vor.
„Viel Zeit und Aufmerksamkeit habe ich in den letzten zehn Jahren dem Kampf gegen Antisemitismus und Hass jeder Art gewidmet, und ich sehe mich in der Verantwortung, aufzustehen, wenn ich glaube, dass diese Grenze überschritten wurde.“
Macklemore antwortete mit Geld: Er kündigte an, seine komplette Netto-Gage von rund einer Million US-Dollar aus der Sheeran-Tour an sechs palästinensische Hilfsorganisationen zu spenden, und forderte Kraft auf, die Summe zu verdoppeln. Die Woche habe er damit verbracht, Künstler zu kontaktieren, die Solidarität mit den Palästinensern gezeigt hätten – ungeachtet der Konsequenzen.
Antisemitismus-Vorwürfe: die Vorgeschichte
Die Kontroverse hat eine lange Vorgeschichte. 2014 trat Macklemore in einem Kostüm mit großer Hakennase, schwarzer Perücke und buschigem Bart auf; Kritiker sahen darin eine jüdische Karikatur. Er entschuldigte sich damals, die Anti-Defamation League nahm die Entschuldigung an. Der Zentralrat der Juden in Deutschland warf ihm Antisemitismus vor und warnte vor seinem Besuch des Deichbrand-Festivals; die Veranstalter verteidigten die Einladung.
Die ADL bezeichnet Macklemores Aktivismus als „performativen, voreingenommenen und hasserfüllten anti-israelischen Aktivismus“. Der Israeli-American Council forderte Sheeran auf, ihn aus der Tour zu nehmen. Rückhalt bekam der Rapper dagegen vom US-Senator Bernie Sanders und der Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez.
Von „Hind's Hall“ zum Rauswurf
- Mai 2014Kostüm-Auftritt und Entschuldigung
Macklemore tritt in einem Kostüm auf, das Kritiker als jüdische Karikatur werten; er entschuldigt sich, die ADL nimmt die Entschuldigung an.
- Mai 2024„Hind's Hall“ erscheint
Der pro-palästinensische Song ist eine Hommage an die Proteste an der Columbia University.
- Februar 2025Musikvideo mit Ghetto-Bild
Im Video zu „F – ed up“ steht ein Foto eines palästinensischen Kindes neben einem Holocaust-Bild aus dem Warschauer Ghetto – der Kern der Antisemitismus-Vorwürfe.
- 4. September 2026„Free Palestine“ im MetLife Stadium
Als Vorgruppe von Ed Sheeran ruft Macklemore die Parole und spielt „Hind's Hall“.
- 14. September 2026Rauswurf aus der „Loop“-Tour
Der Veranstalter Messina Touring Group nimmt ihn auf Druck mehrerer Stadionbetreiber von den restlichen Terminen.
Sheerans Kehrtwende und abgesagte Vorbands
Nach dem Rauswurf sagten alle verbliebenen Support-Acts der „Loop“-Tour ab – Finneas, der Bruder von Billie Eilish, Lukas Graham, der irische Songwriter Aaron Rowe und die irische Trad-Gruppe Beoga –, aus Solidarität mit Macklemore und Palästina. Sheeran erklärte, die Absetzung sei Entscheidung des Veranstalters und der Venues gewesen, nicht seine; er habe vergeblich versucht, eine Lösung zu finden.
Nach heftiger Kritik an seiner zunächst betont unpolitischen Haltung sprach Sheeran erstmals klar über den Konflikt – am 19. September in Philadelphia, ohne Vorbands, vor rund 50.000 Zuschauern. Er räumte Fehler im Umgang mit der Situation ein und entschuldigte sich bei den Fans:
„Was in Israel und beim Nova-Musikfestival am 7. Oktober passierte, war entsetzlich und hat jahrhundertelanges jüdisches Leid verstärkt. Was in Gaza geschieht, ist katastrophal, nicht zu rechtfertigen und unverhältnismäßig.“
Sheeran sagte außerdem, er sei tief besorgt darüber, dass Venues versuchten, Einfluss darauf zu nehmen, was Künstler auf der Bühne sagen dürfen. Laut Berichten verlor er im Zuge der Kontroverse rund eine halbe Million Follower in sozialen Netzwerken.
Gemischte Reaktionen und offene Fragen
Die Reaktionen auf die Ankündigung sind gespalten. Fox News dokumentierte harsche Kritik – „So f---in performative“ – und ebenso Lob: „Macklemore ist nichts als ein Held“. In Kommentarspalten großer US-Medien heißt es, die Spendenaktion diene vor allem der Selbstinszenierung; andere fragen, warum die Künstler nicht in palästinensischen Gebieten auftreten. Zahlreiche Fans forderten zusätzliche Termine in den US-Städten, in denen Macklemore zuvor für Sheeran spielen sollte.
Eine offizielle Reaktion von Robert Kraft, den Stadionbetreibern oder pro-israelischen Organisationen auf die konkrete Ankündigung war bis zum 25. September nicht öffentlich dokumentiert. Am Montag beginnt der Vorverkauf – ob Macklemore die angekündigten US-Termine nachliefert, wer tatsächlich mit ihm auf der Bühne steht und ob weitere Stadien ihn blockieren, ist offen.
