Morten Harket (67) kann seine Gesangsstimme nicht mehr steuern wie früher – und nimmt trotzdem ein neues Album auf. „Human Grace“ erscheint am 27. November 2026 bei Warner Records, auf CD, schwarzem und beigem Vinyl sowie bei den Streamingdiensten.
Zwei Songs darauf konnte der Frontmann von a-ha nicht selbst fertig singen. Für „Hold Me“, die erste Single am 25. September 2026, holte er Tochter Tomine Harket (33) als Duettpartnerin ins Studio; auf „Falling Down“ ist Tochter Karmen Poppi A. Harket (18) zu hören. Wie dem Bericht über das Album trotz Erkrankung zu entnehmen ist, kann er seine Stimme nicht mehr wie früher kontrollieren.
Die Ankündigung lief am 24. September 2026 – auf der Bandseite mit einem Porträt des a-ha-Biografen Jan Omdahl, zeitgleich mit einem dpa-Interview, das die deutschen Medien aufgriffen. Angetrieben hat Harket die Krankheit selbst. Er sagt:
„Offenbar musste ich erst Parkinson bekommen, um das hier zu machen. Mit einem Mal wurde alles dringlicher. Ich musste etwas tun, das wirklich zählt.“
Die Stimme kommt zurück – aber nicht weit genug
Die Diagnose selbst hatte Harket „einige Jahre zuvor“ erhalten, öffentlich machte er sie erst am 4. Juni 2025 – über einen Artikel des Biografen Jan Omdahl auf a-ha.com. Er habe „kein Problem damit, die Diagnose zu akzeptieren“, sagte er damals; er nutze, „was auch immer funktioniert“.
Schon damals war bekannt, dass die Erkrankung auch seine Stimme trifft. Harket hatte sich zudem neurochirurgisch behandeln lassen; ihm wurden Elektroden ins Gehirn implantiert. Auf a-ha.com beschreibt er: „Die Stimme, die ich jetzt habe, ist nicht nur durch Parkinson selbst bedingt, sondern auch durch die Medikamente und ihre Nebenwirkungen.“
„Es ist eine sehr komplexe Balance. Schlimmstenfalls war sogar meine Sprechstimme weg. Flach, unmusikalisch, ohne erkennbare Emotionen. Tot, fast.“ Inzwischen sei die Stimme „zu einem gewissen Grad“ zurück – aber nicht so weit, dass er sie als Sänger einsetzen könne, „schon gar nicht auf Tournee, wo viele Menschen darauf angewiesen sind, dass du lieferst“.
Was das praktisch bedeutet, sagt er in einem Satz.
„Ich bin gezwungen, von Tag zu Tag zu leben.“
Pläne mit anderen kann er nicht machen, weil er nicht weiß, in welcher Verfassung er an einem Tag sein wird. Eine Tournee zum Album ist damit ausgeschlossen, eine Rückkehr auf die Bühne ebenfalls.
Zehn Titel, gesammelt seit 2014
„Human Grace“ ist Harkets siebtes Soloalbum. Das Material stammt zu großen Teilen aus den Jahren nach seinem letzten Soloalbum „Brother“ (2014) – ein Gemisch aus Demos und Studioaufnahmen. Zusammen mit dem schwedischen Produzenten und Multiinstrumentalisten Peter Kvint sichtete Harket den Fundus neu.
Kvint war bereits an a-has „Cast in Steel“ sowie an Harkets Platten „Out of My Hands“ und „Brother“ beteiligt. Laut dem Porträt über Harkets Rückkehr ins Studio stammen die Gesangsaufnahmen überwiegend aus der Zeit vor der Erkrankung; Instrumentierung, Arrangements und einzelne Gesangs-Overdubs wurden zwischen Juli 2025 und Juli 2026 neu eingespielt. Die zehn Titel:
- Human Grace
- Hold Me (feat. Tomine Harket)
- Falling Down (feat. Karmen Poppi A. Harket)
- Lord, I Can't Help You Now
- Now Your Heart Is Broken
- Shot of Fear
- Did I Leave You Behind
- What Is It You Want with Me
- The Old Church
- If I Ever See Your Face Again
Beteiligt waren schwedische und norwegische Sessionmusiker, das Stockholm Studio Orchestra, Harkets langjähriger Keyboardpartner Kjetil Bjerkestrand sowie Erik Ljunggren, a-has Live-Keyboarder, der die Postproduktion übernahm. Jonas Kroon mischte das Album, sechs der zehn Songtexte schrieb Harket erneut mit dem Lyriker Ole Sverre Olsen.
Von „Brother“ zum neuen Album
- 2014Letztes Soloalbum „Brother“
Vor „Human Grace“ erscheint Harkets sechstes Soloalbum – ein großer Teil des Materials für die neue Platte entsteht in den Jahren danach.
- 4. Juni 2025Parkinson-Diagnose wird öffentlich
Harket macht die Erkrankung über einen Artikel des Biografen Jan Omdahl auf a-ha.com bekannt.
- Juli 2025 bis Juli 2026Neuaufnahme des Materials
Instrumentierung, Arrangements und einzelne Gesangs-Overdubs werden mit Sessionmusikern, dem Stockholm Studio Orchestra und Erik Ljunggren eingespielt.
- 24. September 2026Album und Interview
a-ha.com veröffentlicht Omdahls Porträt; zeitgleich erscheint das dpa-Interview, in dem Harket „Human Grace“ ankündigt.
- 25. September 2026Single „Hold Me“
Das Duett mit Tochter Tomine erscheint samt offiziellem Musikvideo.
- 27. November 2026Album erscheint
„Human Grace“ kommt bei Warner Records auf CD, schwarzem und beigem Vinyl sowie im Streaming heraus.
Die Töchter als Ausweg
Weil Harket zwei Lieder gesanglich nicht fertigstellen konnte, fragte er seine Töchter. Tomine singt „Hold Me“ mit und ist am Songwriting beteiligt, Karmen Poppi ist auf dem bittersüßen „Falling Down“ zu hören.
Seine Begründung: „Ich wollte diese Songs auf dem Album, wusste aber, dass ich die Vocals nicht würde fertigstellen können. Dann fiel es mir ein: Warum frage ich nicht meine Töchter? Danach habe ich mich gefragt, warum ich das nicht schon früher getan habe.“
Der dpa sagte Harket, beeindruckt habe ihn, „wie schnell sie reagieren und wie sie sich in einem Aufnahmestudio bewegen“. „Falling Down“ beschreibt er als Gespräch zwischen zwei Menschen, die einander lieben – „es könnten ein Vater und eine Tochter sein“ – und das davon handelt, dass wir die Fähigkeit zu kommunizieren und zu vertrauen zu verlieren drohten.
Kein Parkinson-Album – und eine offene Tür zu a-ha
Harket wehrt sich gegen die Deutung, sein neues Werk sei ein Krankheitsalbum: „Ich habe Parkinson, und ich habe das Album mit seinen Einschränkungen gemacht, wie auch immer die aussehen. Aber die Krankheit als Werbethema vorzuführen wäre ein Gimmick, und daran bin ich nicht interessiert.“
Inhaltlich kreist die Platte laut Ankündigung um Liebe, Verbundenheit, Natur, Verantwortung und die Frage, was es heißt, Mensch zu sein. Der Titelsong entstand in der Zeit vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine und richtet sich gegen ein verzerrtes Menschenbild, wie Medien und soziale Netzwerke es vermitteln.
Eine Rückkehr ins Studio schließt Harket nicht aus, auch nicht mit a-ha: „Ich suche ständig nach einem Weg zurück, meine Stimme für Aufnahmen zu nutzen. Ich habe einige neue Vocals auf dieser Platte gemacht, aber bei weitem nicht genug, um zu sagen, dass ich es geschafft habe.“ Und: „Ich hoffe, dass ich dahin komme, und das könnte sogar bedeuten, wieder mit der Band ins Studio zu gehen, mit a-ha.“
Laut dem Bericht hat es im Sommer und Herbst 2026 „gute Gespräche“ innerhalb von a-ha gegeben. Auf die Jahre mit Magne Furuholmen und Pål Waaktaar-Savoy blickt Harket mit Dankbarkeit zurück: „Ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht und gemacht haben. Und die Zeit wird zeigen, was noch passieren wird.“
