Dem US-Influencer Braden E. Peters (20) droht in Massachusetts eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren. Der Mann, der im Netz als „Clavicular„ auftritt und zu den bekanntesten Gesichtern der „Looksmaxxing“-Szene zählt, ist wegen Vergewaltigung und der Verabreichung einer Substanz zum Zweck des Geschlechtsverkehrs angeklagt – beides Verbrechen.
Dazu kommt ein Vergehen: Er soll einer Person unter 21 Jahren Alkohol beschafft haben. Ein Amtsrichter stellte am 4. September 2026 hinreichenden Verdacht („probable cause") fest, die Strafanzeige ging am 8. September 2026 beim Orleans District Court in Barnstable County ein. Ermittlungsbehörde ist die Polizei von Chatham; der Bericht von NBC News über die Anklage nennt die Details der Vorwürfe.
Bekannt wurden die Vorwürfe am 22. September 2026, zuerst berichtete das US-Portal The Bulwark. Peters ist nicht in Haft, er lebt in Florida. Vorgeführt werden soll er am 14. Oktober 2026. Bis zu einer Verurteilung gelten alle Vorwürfe als unbewiesen.
Was die Polizei von Chatham vorwirft
Die Anklageschrift nennt das Opfer nicht – der Bundesstaat schützt bei Sexualdelikten die Identität. Das Datum deckt sich jedoch mit den Vorwürfen der heute 18-jährigen Aleksandra Vasilevna Mendoza, die online als „Alorah" bekannt ist und in Florida zivil gegen Peters klagt.
Laut Polizeibericht hatten sich beide ab Mai 2025 über Instagram geschrieben. Peters soll sie dafür bezahlt haben, in seinen Looksmaxxing-Videos mitzuwirken – laut Zivilklage 1.000 Dollar für vier Videos – und gewusst haben, dass sie 17 war. Sie sollte seinen Zuschauern erzählen, sie sei 18, und der Wodka, den er ihr einschenkte, sei Wasser.
Am 23. Mai 2025 ließ sie sich per Rideshare zum Haus der Familie auf Morris Island in Chatham bringen, wo sie von Peters' Mutter und Großmutter begrüßt wurde, bevor er sie in sein Zimmer holte, in dem er gerade auf Twitch live streamte. Sie trank zwei bis drei Shots Wodka und fühlte sich zunehmend betrunken.
Ein Beamter, der Ausschnitte des Streams sichtete, gab an, die Frau habe gesagt: „Wait I'm so drunk though.„ Peters habe geantwortet: „It's OK“, bevor sich beide küssten. Nach dem Stream schlief sie in seinem Bett ein und wachte am nächsten Morgen laut ihrer Aussage auf, als er sie vergewaltigte. Sie habe nie eingewilligt, aber aus Schock geschwiegen. Danach sei er „so cold" gewesen und habe ihr einen Uber bestellt.
Die parallele Zivilklage in Florida
Die Vorwürfe sind nicht neu: Im April 2026 reichte Mendoza in Miami-Dade County eine Zivilklage ein – Körperverletzung, Betrug, vorsätzliche Zufügung emotionalen Leids, unbefugte Nutzung von Name und Bild. Im Juni 2026 ergänzte sie den Vorwurf der „sexual battery„ für die Begegnung auf Cape Cod. Ihr Anwalt Andrew Moss sagte: „Wir äußern uns derzeit nicht, da die zuständigen Behörden dies bearbeiten.“
Kern der zivilen Vorwürfe ist neben Cape Cod eine Injektion: In einem Livestream im November 2025 in Delray Beach soll Peters ihr ohne Zustimmung das nicht FDA-zugelassene Fettlösepräparat Aqualyx ins Gesicht injiziert haben, um „Fett an ihren Wangen zu schmelzen„. In der Klage heißt es, das Video zeige „Probleme beim Injizieren“, ihre rechte Wange sei „perforiert"; angedeutet habe er auch, die Spritze habe Methamphetamin enthalten.
Peters beantragte im Juli 2026 die Abweisung mehrerer Klagepunkte; der Antrag war zuletzt anhängig. Seine Anwälte nannten die Vorwürfe einen „publicity grab" und erklärten, die Begegnung sei einvernehmlich gewesen. Seine Vernehmung (Deposition) war für den 1. Oktober 2026 angesetzt.
Der Fall Clavicular: Von Cape Cod bis zur Anklage
- 23. Mai 2025Mutmaßlicher Übergriff in Chatham
In einem Twitch-Livestream soll Peters der damals 17-Jährigen Wodka gegeben haben; sie erwachte laut Polizeibericht am Morgen des 24. Mai, als er mit ihr Sex hatte.
- November 2025Injektion im Livestream
Laut Zivilklage injizierte Peters Mendoza in Delray Beach ohne Einwilligung das nicht FDA-zugelassene Fettlösepräparat Aqualyx.
- April 2026Zivilklage in Miami-Dade
Mendoza klagt in Florida auf Körperverletzung, Betrug, emotionalen Schaden und unbefugte Nutzung von Name und Bild. Im selben Monat wird Peters nach einer mutmaßlichen Überdosis im Livestream ins Krankenhaus eingeliefert.
- Juni 2026Ergänzung um sexuelle Nötigung
Mendoza erweitert die Zivilklage um den Vorwurf der „sexual battery" für den Cape-Cod-Vorfall.
- 30. August 2026Peters meldet sich nicht bei der Polizei
Trotz mehrfacher Kontaktversuche hat sich Peters laut Strafanzeige bis zu diesem Datum nicht bei den Behörden gemeldet.
- 8. September 2026Strafanzeige in Orleans
Nach der Feststellung von „probable cause" am 4. September geht die Strafanzeige beim Orleans District Court ein.
- 14. Oktober 2026Erste Anhörung
Peters soll dem Bezirksgericht Orleans vorgeführt werden; die Vorwürfe gelten bis dahin als unbewiesen.
Peters bestreitet – und attackiert die Klägerin
Peters' Seite weist alles zurück. Ein Sprecher nannte die Strafvorwürfe „bogus„ und erklärte, sie gingen auf die nicht verglichene Zivilklage zurück; von den Anklagepunkten habe sein Team erst am Montag durch einen Reporter erfahren. Sein Anwalt Jeff Neiman nannte ihn gegenüber der „New York Times“ unschuldig.
Sein Repräsentant Mitchell Jackson verwies gegenüber Rolling Stone auf die Chronologie: Mendoza habe zunächst geklagt, ohne „sexuelle Nötigung als Klagegrund" zu nennen, diesen Punkt erst Monate später ergänzt; Briefe und Textnachrichten belegten, dass sie von den Injektionen gewusst habe. Erst danach hätten sie und ihr Anwalt sich an die Polizei gewandt. Gegenüber The Hollywood Reporter sagte Jackson, Peters sei nicht „physisch zugestellt", und das Portal übertreibe den Stand des Verfahrens, um Traffic zu machen.
Peters selbst reagierte am Abend des 21./22. September 2026 auf X, TikTok und Instagram: mit einem handschriftlichen Brief, den Mendoza ihm angeblich geschickt hatte („thankful for you helping me„), und Ausschnitten eines älteren Videos, in dem sie ihn „super nice“ nennt und die Aqualyx-Injektion „fun".
„Trying to get my attention in anyway possible, a lawsuit? Seriously… really petty of you“
In weiteren Postings erklärte er, es gebe „bessere Wege, Geld zu verdienen, als jemanden zu verklagen, weil er nichts von dir will„, und ergänzte mit Blick auf Mendoza: „Gier ist böse.“ Zugleich teilte ein Sprecher mit, Peters habe die Unterlagen bislang nicht persönlich erhalten. Genau dieser Ton ist der Kern des Streits: Die Zivilklage wirft ihm vor, ohne Zustimmung injiziert zu haben – im Netz deutet er die Klägerin als geldgierig.
Wer ist „Clavicular"?
Peters wuchs in New Jersey auf und lebt heute in Florida. Er zählt zu den bekanntesten Figuren des „Looksmaxxing" – eines Trends, bei dem vor allem junge Männer ihr Aussehen mit allen Mitteln verbessern wollen. Seine größten Reichweiten erzielt er auf TikTok, Instagram und Kick, auf Instagram rund eine Million Abonnenten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP streamt er fast täglich aus Clubs und Partys.
Die taz ordnet die Szene als stark von Sexismus, Rassismus und rechtsextremer Ideologie geprägt ein: Beim „Bonesmashing„ schlügen sich Anhänger mit Hämmerchen auf Kiefer- oder Wangenknochen, beim „Hardmaxxing“ griffen sie zu kosmetischen Eingriffen. Die Zeitung nennt eine Nähe von Peters zu Andrew Tate und dem rechtsextremen Aktivisten Nick Fuentes. Peters hat eine Nähe zur Incel-Community stets bestritten und erklärt, es gehe um Selbstverbesserung.
Früher hat er geprahlt, sich mit einem Hammer Knochen im Gesicht gebrochen zu haben. Die neue Anklage ist nicht sein erster Kontakt mit der Justiz: Bereits 2024 wurde er von der Sacred Heart University in Connecticut exmatrikuliert, nachdem die Campus-Polizei Steroide in seinem Wohnheimzimmer gefunden hatte – CT Insiders Bericht über die Exmatrikulation nennt den Hinweis aus einem Looksmaxxing-Forum als Auslöser.
Danach folgten weitere Verfahren:
- Februar 2026: Anklage in Arizona wegen Besitzes gefälschter Ausweispapiere und verschreibungspflichtiger Medikamente, darunter ein orales Steroid und Adderall; das Verfahren wurde später fallen gelassen.
- März 2026: Verhaftung im Osceola County in Florida wegen Körperverletzung nach einem Vorfall in einem gemieteten Airbnb in Kissimmee; laut Sheriff-Behörde soll er eine Schlägerei zwischen zwei Frauen angezettelt und im Netz veröffentlicht haben. Er kam gegen Kaution frei.
- März/Mai 2026: Anklage wegen unerlaubten Schusswaffengebrauchs, weil er im Everglades-Naturschutzgebiet in einem Livestream auf einen Alligator schoss; er legte ein „no contest"-Geständnis ab und erhielt sechs Monate Bewährung und 20 Stunden gemeinnützige Arbeit.
- April 2026: Krankenhausaufenthalt nach einer mutmaßlichen Überdosis während eines Livestreams.
Was jetzt passiert
Peters befindet sich nicht in Haft und wohnt weiter in Florida. Die Polizei von Chatham versuchte mehrfach, ihn zu erreichen; bis zum 30. August 2026 meldete er sich nicht bei den Behörden. Ein forensisches Sexual-Examen fand laut Strafanzeige nicht statt. Mendoza sagte zunächst aus, einer Freundin von dem Vorfall erzählt zu haben, räumte später aber ein, niemandem „das volle Ausmaß" geschildert zu haben.
Am 14. Oktober 2026 soll Peters in Orleans erstmals dem Gericht vorgeführt werden. Bei einem Schuldspruch drohen für die Vergewaltigung bis zu 20 Jahre Haft und die Pflicht zur Registrierung als Sexualstraftäter; für das Drogendelikt nennt t-online einen Strafrahmen von zehn Jahren bis lebenslänglich.
Offen ist, ob die Strafanklage denselben Vorfall betrifft wie Mendozas Zivilklage: Die Strafunterlagen nennen die Frau nicht und legen nicht fest, ob es sich um dieselbe Person handelt. Eine mit dem Fall vertraute Quelle bestätigte gegenüber NBC News den Zusammenhang; ob die Anklage vor Gericht Bestand hat, entscheidet sich ab dem 14. Oktober.
