Luisa Neubauer soll bei Amnesty-Demo neben PFLP-nahem Redner gestanden haben
Bild: KI-generiert
Protestaktion

Luisa Neubauer soll bei Amnesty-Demo neben PFLP-nahem Redner gestanden haben

Neue Bilder und Videos sollen Luisa Neubauer in der ersten Reihe einer Amnesty-Kundgebung am 5. Juni 2025 zeigen – auf der auch der als PFLP-nah geltende Aktivist Ibrahim Ibrahim sprach. Die Aufnahmen tauchen mitten in der Debatte um den Linken-Abgeordneten Ferat Koçak auf; eine Bestätigung von Neubauer, Fridays for Future oder Amnesty fehlt bislang.

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Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer soll in der ersten Reihe einer Kundgebung gestanden haben, auf der ein als PFLP-nah geltender Aktivist sprach. Die Aufnahmen stammen vom 5. Juni 2025 – und sie treffen die Klimabewegung mitten in der Debatte um einen Linken-Abgeordneten, der sich mit genau diesem Aktivisten fotografieren ließ.

Zuerst berichtete das Portal NIUS am 23. September 2026 über das neue Bild- und Videomaterial. Einen Tag später griff der Bericht der Jungen Freiheit über die Aufnahmen den Vorgang auf; das englischsprachige NewsFire.GR übernahm ihn. Bestätigt ist bislang nichts davon: Weder Neubauer noch Fridays for Future Deutschland oder Amnesty International haben erklärt, dass die abgebildete Person tatsächlich die Klimaaktivistin ist.

Die Aufnahmen datieren auf die Protestaktion „Rote Linie: Völkerrecht“. Ein Bündnis aus humanitären und Menschenrechtsorganisationen hatte sie für den 5. Juni 2025 angesetzt, Beginn 11:30 Uhr, vor dem Auswärtigen Amt am Werderscher Markt in Berlin. Anlass war der Besuch des israelischen Außenministers Gideon Sa'ar.

Die Aktion war an die Proteste in Den Haag im Mai 2025 angelehnt; 17 Organisationen trugen sie, darunter Amnesty International Deutschland, Ärzte der Welt, IPPNW Deutschland, medico international, Oxfam Deutschland, pax christi und Terre des Hommes. Gefordert wurden ein sofortiger Stopp deutscher Rüstungsexporte an Israel, ein Waffenstillstand im Gazastreifen, das Ende der Hilfsblockade und die Freilassung der Geiseln.

Von der Ankündigung bis zu den neuen Aufnahmen

  1. 3. Juni 2025
    Ankündigung der Protestaktion

    Amnesty International Deutschland, Ärzte der Welt und IPPNW laden für den 5. Juni, 11:30 Uhr, vor das Auswärtige Amt.

  2. 5. Juni 2025
    Kundgebung „Rote Linie: Völkerrecht“

    Ibrahim Ibrahim hält vor dem Auswärtigen Amt eine Rede auf Arabisch. Laut den später veröffentlichten Aufnahmen steht Luisa Neubauer in der ersten Reihe.

  3. Juni 2025
    WerteInitiative fordert Prüfung

    Der Verein kritisiert den Auftritt des PFLP-nahen Aktivisten und verlangt eine Überprüfung der Gemeinnützigkeit von Amnesty Deutschland.

  4. 20. September 2026
    Wahlparty der Linken in Neukölln

    Nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl entsteht ein Foto von Ibrahim mit dem Linken-Abgeordneten Ferat Koçak.

  5. 22. September 2026
    Koçak zieht sich zurück

    Der Bundestagsabgeordnete lässt seine Parlamentsfunktionen bis zur vollständigen Aufklärung ruhen.

  6. 23. September 2026
    Neue Aufnahmen veröffentlicht

    NIUS berichtet über Bilder und Videos, die Neubauer in der ersten Reihe zeigen sollen; die Junge Freiheit greift den Vorgang einen Tag später auf.

Wie Ibrahim auf die Amnesty-Bühne kam

Nach Angaben der Jungen Freiheit hielt Ibrahim auf der Kundgebung eine Rede auf Arabisch, in der er Israel eine „systematische ethnische Säuberung“ vorwarf. Amnesty-Referentin Katja Müller-Fahlbusch habe ihm anschließend für den Auftritt gedankt; die Rede habe den Veranstaltern nach Angaben von Amnesty zuvor in deutscher Übersetzung vorgelegen.

Für Amnesty war Müller-Fahlbusch als Nahost-Expertin für O-Töne angekündigt. In der Ankündigung der Aktion formulierte sie die zentrale Forderung:

„Außenminister Wadephul hat kürzlich angekündigt, dass die Bundesregierung ihr Handeln gegenüber Israel – einschließlich der Fortführung der Rüstungsexporte – daraufhin überprüfen werde, ob Israel das humanitäre Völkerrecht in Gaza einhält. […] Deutschland muss die Exporte von Waffen und Rüstungsgütern umgehend stoppen.“
Katja Müller-Fahlbusch, Nahost-Referentin von Amnesty International Deutschland

Den Redner Ibrahim erwähnte Amnesty in der eigenen Ankündigung der Aktion nicht. Schon im Juni 2025, 15 Monate vor der aktuellen Debatte, hatte die Kritik der WerteInitiative an Amnesty International diesen Auftritt zum Gegenstand. Darin heißt es, ein „als PFLP-nah bekannter Aktivist Ibrahim I.“ sei bei „Rote Linie Völkerrecht“ gemeinsam mit Müller-Fahlbusch aufgetreten; zudem seien rot bemalte Hände gezeigt worden – eine Referenz auf den Lynchmord von Ramallah 2000 – und „Intifada“-Rufe zu hören gewesen.

Vereins-Sprecherin Nelly Eliasberg erklärte, Amnesty habe „eine rote Linie überschritten“, und forderte unter Verweis auf § 52 der Abgabenordnung eine Überprüfung der Gemeinnützigkeit von Amnesty International Deutschland.

Ein Aktivist im Umfeld der PFLP

Ibrahim tritt seit Jahren im Umfeld der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) auf. Die PFLP steht seit 2002 auf der Terrorliste der Europäischen Union, auch die USA führen sie als Terrororganisation; der Berliner Verfassungsschutz stuft sie als extremistisch ein.

Der Verein Democ, der zu Antisemitismus und Extremismus arbeitet, ordnet Ibrahim dem PFLP-Umfeld zu. Er habe den 2024 von der israelischen Armee getöteten Hamas-Anführer Jahja Sinwar öffentlich als „standhaften Führer“ und „Märtyrerhelden“ bezeichnet, gibt der Verein an.

Ibrahim tritt zudem als Vertreter des „Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees“ (VPNK) auf. Der Berliner Verfassungsschutz führt dieses Bündnis in der Kategorie „Islamismus/islamistischer Terrorismus“ und beschreibt es als Dachstruktur, in der Anhänger von Hamas und PFLP zusammenarbeiten.

Der Auslöser: die Wahlparty in Neukölln

Öffentlich wurde die Frage nach Neubauers Platz in der ersten Reihe durch eine andere Debatte. Bei der Berliner am 20. September 2026 wurde Die Linke stärkste Kraft. Auf der öffentlichen Wahlparty in Neukölln ließ sich Ibrahim mit dem Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak fotografieren.

Auf derselben Feier war der Clanchef Issa Remmo anwesend. Die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp sagte im ZDF, Remmo sei nicht eingeladen und wieder von der Veranstaltung verwiesen worden; mit organisierter Kriminalität habe ihre Partei nichts zu tun.

Koçak erklärte, er habe an diesem Abend auf den Wahlpartys mehrere Hundert Fotos gemacht:

„Wenn Menschen auf unseren Wahlpartys auf mich zukommen und ein Foto mit mir machen möchten, gehe ich zunächst davon aus, dass das in Ordnung ist. Von gewalt- oder terrorverherrlichenden Aussagen der genannten Person distanziere ich mich ausdrücklich.“
Ferat Koçak, Bundestagsabgeordneter Die Linke

Am 22. September 2026 teilte die Linksfraktion mit, Koçak ziehe sich bis zur vollständigen Aufklärung aus seinen Parlamentsfunktionen zurück und nehme vorerst nicht an Sitzungen des Bundestags-Innenausschusses teil.

Rückzug und Reaktionen

Der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz nannte Antisemitismus und Nähe zur Organisierten Kriminalität „Ausschlusskriterien für Regierungsverantwortung“. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, forderte SPD und Grüne auf, eine Regierungsbeteiligung der Linken nicht zu ermöglichen. Der Berliner SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach und SPD-Bundesvorsitzende Bärbel Bas verlangten eine klare Distanzierung der Linken vom Antisemitismus.

Die Linken-Vorsitzenden Heidi Reichinnek und Eralp verwiesen dagegen auf die Offenheit der Feier und eine „rote Haltelinie“ der Partei. Ibrahim ließ über die Junge Freiheit eine Dankes- und Glückwunschbotschaft verbreiten: „Ich bin stolz darauf, dass wir bereits im vergangenen Jahr eine klare Entscheidung getroffen haben, Die Linke zu unterstützen.“

Neubauer und die offene Frage

Die Junge Freiheit führt Neubauers mögliche Teilnahme in eine bestehende Kritiklinie ein: Sie stehe als „deutsches Gesicht von Fridays for Future“ schon länger in der Kritik, sich nicht von den „radikal-antisemitischen Umtrieben“ der FfF-Gründerin Greta Thunberg zu distanzieren.

Neubauer hatte bereits im Oktober 2023 im Namen von Fridays for Future Deutschland antisemitische Inhalte auf internationalen FfF-Kanälen verurteilt: „Unsere volle Solidarität gilt den Jüdinnen und Juden weltweit, und wir verurteilen scharf den Terror der Hamas.“

Eine Reaktion Neubauers oder ihrer Organisation auf die nun veröffentlichten Bilder ist nicht bekannt. Auch eine unabhängige Prüfung des Materials durch eine Redaktion, die sich nicht auf NIUS stützt, liegt bislang nicht vor.

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Koçak will seine Funktionen ruhen lassen, bis der Fall vollständig aufgeklärt ist. Offen ist, ob Neubauer, Fridays for Future oder Amnesty sich zu den Aufnahmen erklären – und ob eine unabhängige Redaktion das Material verifiziert.