Bangkok kann das Wasser nicht mehr abführen. Am Samstag, dem 26. September 2026, rief die Stadtverwaltung für alle 50 Bezirke der thailändischen Hauptstadt den Katastrophenfall aus — nach fast 48 Stunden Dauerregen und knapp 300 Millimetern Niederschlag.
Seit Donnerstag gegen 16 Uhr Ortszeit hatte es über Bangkok beinahe ununterbrochen geregnet. Bis zum Samstagmorgen kamen nach Angaben von Gouverneur Chadchart Sittipunt fast 300 Millimeter zusammen, rund 300 Liter pro Quadratmeter. Das Kanalnetz der Metropole mit etwa 15 Millionen Einwohnern ist überlastet, trübes Wasser ergoss sich in Häuser, Restaurants, Geschäfte und Gassen.
Die Hauptkanäle im Osten der Stadt — Saen Saep, Prawet, Lat Phrao und Prem Prachakorn — sind voll und leiten kein Wasser mehr ab. Aus den Nachbarprovinzen Nonthaburi und Pathum Thani strömt zusätzlich Wasser nach Bangkok. Der Katastrophenfall gibt lokalen Organisationen Sonderbefugnisse, um schneller Notfallmaßnahmen zu ergreifen, wie Al Jazeera über die Ausrufung des Katastrophenfalls berichtet.
Fast 300 Millimeter in 48 Stunden
Der September ist in Bangkok eigentlich der Höhepunkt der Regenzeit — 2026 fiel deutlich mehr Wasser als üblich. Zwischen dem 1. und 25. September registrierte die städtische Abteilung für Entwässerung und Abwasserentsorgung 487 Millimeter Regen. Im gleichen Zeitraum der Jahre 1991 bis 2020 lag der Durchschnitt bei fast 269 Millimetern, wie der Bericht zu den Regenmengen in Bangkok zeigt.
An mindestens 13 Hauptstraßen der Stadt stand das Wasser, nach vietnamesischer Berichterstattung waren es 15. In Bang Bua reichte es den Menschen bis zu den Oberschenkeln, in On Nut füllten Anwohner Sandsäcke, auf der Phetchaburi Road strandeten Fahrzeuge. In mehreren Bezirken des Ostens wateten Menschen durch hüft- oder knietiefes Wasser oder schoben ihre Motorräder durch die Fluten.
Regenmengen in Bangkok im September 2026
Niederschlag in Millimetern
Die Kanäle sind voll
Im Zentrum der Krisenkommunikation steht Bangkoks Gouverneur Chadchart Sittipunt. Er nennt den Osten der Stadt als am stärksten betroffen, warnt vor weiteren Regenfällen und benennt die Menschen entlang der Kanäle als größte Gefahr: „Die Risikogebiete sind die, die nahe an Kanälen leben. Jeder Kanal ist jetzt voll.“
„Unser Problem ist, dass die Kanäle voll sind. Wir arbeiten mit benachbarten Provinzen zusammen und versuchen, das Wasser über andere Seiten abzuleiten, um die Menge, die nach Bangkok fließt, so gering wie möglich zu halten.“
Der Gouverneur rief die Bevölkerung zu konkreten Schutzmaßnahmen auf: Habseligkeiten in höher gelegene Bereiche bringen, Autos in Sicherheit bringen. Die öffentliche Nahverkehrsbehörde öffnete die „Park and Ride“-Parkhäuser der MRT kostenlos, dort können Anwohner ihre Fahrzeuge bis zum 2. Oktober abstellen. Wer auf medizinische Hilfe angewiesen ist, sollte sich laut Chadchart in ein Krankenhaus begeben.
Pumpen laufen auf Volllast
Rund 980 Menschen kamen nach Angaben des Gouverneurs in Notunterkünften unter, viele von ihnen in Schulen, die die Stadtverwaltung als Notquartiere ausgewiesen hatte. Die Armee richtete nach eigenen Angaben Unterkünfte und Feldküchen ein, die Stadt bereitete eine Million Sandsäcke zur Verteilung vor. 36 bettlägerige Patienten wurden in Krankenhäuser verlegt.
Supermärkte waren voll, weil die Menschen Vorräte kauften; in einigen Convenience-Stores waren die Regale bereits mittags leer. Die Stadtverwaltung bat die Einwohner, unnötige Wege zu vermeiden. Der Flughafen Suvarnabhumi arbeitete nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters normal, die Tourismusbehörde empfahl Reisenden jedoch, zwei bis drei Stunden zusätzlich einzuplanen.
Zum Mittag teilte die BMA mit, die Pumpstationen arbeiteten auf voller Kapazität und förderten zusammen rund 1.200 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Ohne weiteren Regen, so die Erwartung, sollte sich die Lage binnen sechs Stunden bessern. Am Samstagnachmittag erklärte Gouverneur Chadchart die Lage für „stabilisiert“; der Abfluss des Hochwassers werde zwei bis drei Tage dauern.
Premier bricht London-Reise ab
Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul brach wegen der Lage eine Auslandsreise ab. Er war seit dem 20. September in Tokio und bei der UN-Generalversammlung in New York gewesen und kürzte am 26. September den Aufenthalt in London, um nach Thailand zurückzukehren.
Die Entwarnung des Gouverneurs steht unter Vorbehalt: Der thailändische Wetterdienst warnte vor einem Tiefdruckgebiet über Ost-, Nordost- und Zentralthailand, das bis Sonntag, teils bis zum 28. September, weiteren Regen bringt. Der Katastrophenschutz warnte vor Sturzfluten, Waldabfluss, Schlammlawinen und über die Ufer tretenden Flüssen. Landesweit waren am Samstag in 21 Provinzen Überschwemmungen gemeldet, mit einem Todesopfer.
Bangkok liegt nur etwa 1,5 Meter über dem Meeresspiegel und ist auf ehemaligem Sumpfland erbaut — die Stadt tut sich schwer, Wasser abzugeben. Anwohner erklärten, Überschwemmungen seien in Bangkok nicht selten; einige sagten jedoch, es sei diesmal schlimmer als bei der großen Flut von 2011.
Damals kamen in Thailand mehr als 500 Menschen ums Leben, Millionen Häuser wurden zerstört. Wissenschaftler warnen, dass Intensität und Häufigkeit extremer Wetterereignisse durch den Klimawandel zunehmen. Entscheidend bleibt, ob der Regen nachlässt — fällt weiter Wasser auf die Stadt, zieht sich der Abfluss über die zwei bis drei Tage hinaus, und die 50 Bezirke bleiben länger Katastrophengebiet als von der Stadtverwaltung in Aussicht gestellt.
