450.000 verkaufte Tickets, zehn Stadionabende – und der erste endet ohne eine einzige Zugabe. Die Backstreet Boys haben am 25. September ihre Residency in der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena eröffnet. Nach 26 Liedern war gegen 21:50 Uhr Schluss, während sich das Stadiondach öffnete und Feuerwerk zu „Everybody“ den Himmel erleuchtete.
Genau dieses Ende irritierte Teile des Publikums. Die NRZ titelte „Nach erstem Backstreet-Boys-Konzert: Fans irritiert – was war das für ein Ende?“, DerWesten meldete „Abruptes Ende! Enttäuschung bei Backstreet-Boys-Fans“. Beschwerden gab es auch über lange Wartezeiten beim Einlass und an den Toiletten.
Als die Band die Show eröffnete, war der Ärger laut WDR sofort vergessen. Die Liveberichterstattung zitiert zufriedene Besucherinnen, die die Show „super“ fanden und die Sitzplätze lobten. Eine aus Rostock angereiste Anhängerin fand das Bühnenbild dagegen „etwas zu minimalistisch“ und den Abschied der Band „etwas zu schnell“. Nach dem Konzert bildeten sich lange Schlangen am Bahnsteig.
Aus sechs Shows wurden zehn
Ursprünglich waren sechs Konzerte angekündigt, wegen der hohen Nachfrage kamen vier weitere Termine hinzu. Die Reihe „Into The Millennium – Homecoming: Live in Germany“ läuft vom 25. September bis zum 7. Oktober 2026 – zehn Shows in 13 Tagen, jede beginnt um 20 Uhr. Es sind die einzigen Europa-Auftritte der Band in diesem Jahr.
Den Schlusspunkt setzt der 7. Oktober: Der zehnte und finale Termin wurde am 19. Januar 2026 angekündigt, der Vorverkauf dafür startete am 23. Januar um 10 Uhr. Live Nation begründete den Zusatztermin mit „überwältigender Nachfrage von Fans aus aller Welt“.
Wie viele Karten tatsächlich weg sind, ist umstritten. Unmittelbar vor dem Auftakt sprach Visit Düsseldorfs Mitteilung zu 400.000 Tickets von „mehr als 400.000“; zum Auftakt berichteten der Tagesschau-Bericht über zehn Düsseldorfer Konzerte und SWR3 von „rund 450.000“. Reguläre Karten kosteten rund 110 bis 570 Euro.
Dass zehn Abende in einer Arena kein Selbstläufer sind, zeigt der Blick auf andere Künstler: Bei Jan Böhmermann wurden alle zehn Termine der Arena-Tour gestrichen – ersatzlos.
Von der Ankündigung bis zum Auftakt in Düsseldorf
- 19. Januar 2026Zehnter Termin angekündigt
Die Backstreet Boys bestätigen den finalen Zusatztermin für den 7. Oktober; der Vorverkauf startet am 23. Januar um 10 Uhr.
- 16. September 2026Hotels fast ausgebucht
Das Düsseldorfer Hotelbenchmarking (62 Hotels) misst für den 25. und 26. September je 94 Prozent Zimmerauslastung – im Vorjahr 57 und 56 Prozent.
- 22. September 2026400.000 Tickets
Visit Düsseldorf meldet „mehr als 400.000“ verkaufte Tickets für zehn Stadionkonzerte in 13 Tagen.
- 24. September 2026Pop-up-Store öffnet
Der „Backstreet Boys DUS Terminal“ in der Alten Kämmerei am Marktplatz öffnet; am Abend fährt ein Rheinbahn-Partyzug mit Fans durch die Stadt.
- 25. September 2026Auftakt ohne Zugabe
Die Tore öffnen um 18:25 Uhr, die Show beginnt um 20:06 Uhr mit „Larger Than Life“ und endet gegen 21:50 Uhr mit Feuerwerk – ohne Zugabe.
Warum die Band „Homecoming“ sagt
Der Titel „Homecoming“ verweist auf die frühe deutsche Erfolgsgeschichte: Deutschland sei der erste Ort gewesen, der die Backstreet Boys überhaupt willkommen geheißen habe, heißt es in der Tourankündigung. Während die Band Mitte der 1990er-Jahre in den USA noch weitgehend unbekannt war, brachten deutsche Fans den Song „I’ll Never Break Your Heart“ in die Top 10 der deutschen Charts.
„Wenn wir davon sprechen, dass dies eine Heimkehr ist, dann deshalb, weil in Deutschland für uns alles ins Rollen gekommen ist. Dort hat sich unser Traum in Realität verwandelt. Mit diesen Konzerten schließt sich für uns der Kreis!“
Inhaltlich steht das 1999 erschienene, fünffach für den Grammy nominierte Album „Millennium“ im Mittelpunkt, ergänzt um Hits wie „I Want It That Way“ und „Larger Than Life“. Nach Angaben der Merkur Spiel-Arena hat die Band weltweit über 130 Millionen Tonträger verkauft.
Surfbretter und schmale Hotelbetten
Die Außentore der Arena öffneten um 18:25 Uhr – 25 Minuten später als geplant. Vor den Eingängen warteten Fans seit Stunden, viele in weiß-babyblauen Outfits, zu denen die Band vorab aufgerufen hatte. Ab 18:50 Uhr kamen im Minutentakt volle U-Bahnen der Linie U78 mit Fans an.
Um 20:06 Uhr eröffneten die Backstreet Boys die Show mit „Larger Than Life“ und schwebten auf Surfbrettern über die Bühne. Nach den ersten drei Songs betonte Kevin Richardson: „Germany, you were our first love.“ Die Band zeigte ein altes Bravo-Cover und Ausschnitte früherer Konzerte mit wenigen hundert Fans.
Die Musiker erinnerten an schmale Hotelbetten und Fans, die nachts vor dem Hotel sangen und sie nicht schlafen ließen. Kevin Richardson kommentierte: „We did not schlafen gut!“
„Ich weiß nicht, ob das so ein europäisches Ding ist oder so. Aber die waren echt klein.“
Ruhigere Töne gab es, als sich Kevin Richardson an einen weißen Flügel setzte. Zum Finale öffnete sich das Stadiondach, während die Band „Everybody“ sang und ein Feuerwerk den Himmel erleuchtete.
Ein Konzert als Städtereise
Düsseldorf inszeniert die Reihe unter dem Marketing-Dach „City of Live“ als Städtereise-Anlass. Seit dem 24. September ist der offizielle Pop-up-Store geöffnet: der als „Terminal“ gestaltete „Backstreet Boys DUS Terminal“ in der Alten Kämmerei am Marktplatz, direkt gegenüber dem Rathaus.
Der Eintritt ist frei, für VIP-Karteninhaber mit Early Shopping Access öffnet der Laden um 9 Uhr, für alle anderen um 10 Uhr. Vor dem Eingang bildeten sich lange Schlangen. Zur Reihe erscheinen zudem die „Millennium 2.0 Vinyl (Düsseldorf Edition)“ mit 13 Bonustracks sowie erstmals seit der Erstveröffentlichung wieder eine 7″-Vinyl von „I Want It That Way“ – beide zunächst exklusiv in Düsseldorf.
Dazu kommen 90er-Themenpartys, Aftershow-Partys, ein Warm-up der Hausbrauerei Uerige und Stadtführungen. Die Rheinbahn setzte einen Partyzug ein; das Konzertticket gilt als KombiTicket für Bus und Bahn, die Arena ist über die U78 erreichbar.
Die Stadt rechnet mit vollen Hotels
Nach dem Düsseldorfer Hotelbenchmarking (Stichtag 16. September 2026, Stichprobe 62 Hotels) waren für den 25. und 26. September jeweils 94 Prozent der verfügbaren Zimmerkapazitäten gebucht – im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 57 beziehungsweise 56 Prozent.
Hotelauslastung in Düsseldorf an den ersten Konzerttagen
Gebuchte Zimmerkapazität in Prozent, Vergleich mit dem Vorjahr
Visit-Düsseldorf-Geschäftsführer Jens Ihsen nannte für die Veranstaltungstage eine Hotelauslastung von 95 Prozent. D.LIVE-Chef Michael Brill erwartete Fans aus etwa 50 Ländern, darunter Deutschland und andere europäische Staaten, die USA und südamerikanische Länder, vereinzelt sogar Australien.
Visit Düsseldorf ordnet das Phänomen als „Gig-Tripping“ ein – das gezielte Reisen für ein außergewöhnliches Konzerterlebnis. Die Brasilianerin Maisa Pimenta reist mit einer Gruppe von rund 30 Fans an, um drei der zehn Shows zu sehen. Für ihr teuerstes Ticket zahlte sie 499 Euro, fast doppelt so viel wie der monatliche Mindestlohn in Brasilien.
Streit um die Klimabilanz
Kritik entzündet sich an zwei Punkten. Erstens an der Konzentration auf einen einzigen Standort: Wer nicht nach Düsseldorf reisen kann oder will, sieht die Band 2026 gar nicht – die zehn Abende sind die einzigen Europa-Shows des Jahres. Zweitens an den Folgen für das Klima.
Sarah Lüngen, Gründerin des Beratungsunternehmens The Changency, das Klimabilanzen von Live-Konzerten erstellt, unter anderem für Seeed und Die Ärzte: „60 bis 90 Prozent der Emissionen einer Tournee entstehen durch die Anreise der Fans – und natürlich sind diese Emissionen bei einer Residency sehr viel höher.“ Ihre Schlussfolgerung: „Eigentlich braucht kein Act eine Residency.“
Auf der anderen Seite steht die Qualität der Show. Harry Styles begründet seine Residency in New York damit, dass man am festen Standort „etwas auf die Beine stellen“ könne, „bei dem man nicht jeden Abend weiterreisen muss. Ich finde, die Show selbst ist dadurch besser“. Die Residency erlaube es ihm zudem, besser auf sich selbst zu achten.
Michael Herberger, Geschäftsführer der Popakademie Baden-Württemberg, rechnet trotz der Kritik nicht mit dem Ende der Tournee: „Die Fans müssen in Gänze bespielt werden. Ich glaube, wir werden in Zukunft beides haben.“ Steigende Ticketpreise für Großveranstaltungen könnten Fans allerdings Geld für kleinere Clubkonzerte nehmen.
Wie es weitergeht
Bis zum 7. Oktober stehen neun weitere Abende in Düsseldorf an. Die Setlist des ersten Abends umfasste nach Angaben von RP Online und setlist.fm 26 Lieder. Weder Band noch Veranstalter haben eine über die Düsseldorfer Residency hinausgehende Europatournee angekündigt.
Offen ist, ob die Band auf die Kritik am abrupten Ende reagiert. Der Unmut aus der ersten Nacht ist in den Medien angekommen – und bis zum Finale am 7. Oktober bleiben neun Gelegenheiten, es anders zu machen.
