Rentenerhöhung 2027 könnte 4,7 statt 4,4 Prozent betragen
Zwei Ökonomen erwarten zum 1. Juli 2027 ein Rentenplus von 4,7 Prozent oder mehr – die Deutsche Rentenversicherung bleibt bei 4,4 Prozent. Bei 1.500 Euro Bruttorente wären 4,7 Prozent 70,50 Euro mehr im Monat.
Rentnerinnen und Rentner in Deutschland können zum 1. Juli 2027 mit deutlich mehr Geld rechnen. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) erwartet ein Plus von 4,7 Prozent, die Deka-Bank hält eine Erhöhung von mehr als vier Prozent für realistisch. Die offizielle Zahl der Deutschen Rentenversicherung liegt darunter: 4,4 Prozent.
Damit sagen zwei unabhängig befragte Ökonomen ein höheres Plus voraus als die Rentenversicherung selbst – die Differenz beträgt 0,3 Prozentpunkte. Wie die Übersicht der Rentenprognosen für 2027 zeigt, hält die Rentenversicherung auf Anfrage der "Bild"-Zeitung an ihrer Frühjahrsprognose fest.
Zwei Ökonomen, zwei Vorhersagen
Konkret beziffert hat den Zuschlag bislang nur einer: Oliver Holtemöller, Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Der Ökonom nennt der „Bild“-Zeitung eine Zahl, die über der offiziellen Prognose der Rentenversicherung liegt.
„Wir gehen in unseren Berechnungen momentan von einem Anstieg der Renten um 4,7 Prozent aus“
Oliver Holtemöller, Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)
Vorsichtiger formuliert, aber in dieselbe Richtung argumentiert Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank: Die diskutierte Größenordnung von über vier Prozent halte er für realistisch, sagte er der „Bild“-Zeitung. Beide Ökonomen begründen ihre Schätzungen mit den vergleichsweise stark steigenden Verdiensten der Arbeitnehmer in diesem Jahr.
Die Löhne sind die Rechengrundlage
Die Logik dahinter: Die gesetzliche Rente folgt der Lohnentwicklung. Steigen die Einkommen der Beschäftigten, wirkt sich das mit zeitlicher Verzögerung auf die Altersbezüge aus. Genau darauf verweisen die beiden Ökonomen: Die Verdienste der Arbeitnehmer legen in diesem Jahr vergleichsweise stark zu.
Eins zu eins lässt sich die Erhöhung daraus trotzdem nicht ableiten. In die Rentenanpassung fließen weitere gesetzlich festgelegte Faktoren ein, weshalb der endgültige Wert von den heutigen Prognosen abweichen kann. Die Richtung ist derzeit klar, die Zahl nicht.
Umfrage
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Stärkster West-Zuwachs seit 2022
Ein Plus von 4,7 Prozent wäre im Westen die stärkste Rentenerhöhung seit 2022. Damals waren die Bezüge im Westen um 5,35 Prozent und im Osten um 6,12 Prozent gestiegen. 2023 folgte im Osten ein Plus von 5,86 Prozent, im Westen von 4,39 Prozent. Seit 2024 gilt bundesweit ein einheitlicher Rentenwert: 4,57 Prozent (2024), 3,74 Prozent (2025) und 4,24 Prozent zum 1. Juli 2026.
Rentenanpassungen seit 2024 und Prognosen für 2027
Bundesweit einheitlicher Rentenwert, Angaben in Prozent
Quelle: Deutsche Rentenversicherung; IWH und Deka (Prognosen)
4,7 Prozent in Euro: Bei 1.500 Euro Bruttorente wären es 70,50 Euro mehr im Monat (neu: 1.570,50 Euro), bei 2.000 Euro 94 Euro mehr (2.094 Euro) – 1.128 Euro brutto im Jahr. Wie die Beispielrechnung für 1.500 und 2.000 Euro Rente zeigt, entsprächen die 4,4 Prozent der Rentenversicherung 66 beziehungsweise 88 Euro im Monat. Netto bleibt weniger; Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge steigen mit.
Automatisch gezahlt, noch nicht beschlossen
Die Erhöhung erfolgt automatisch, ein Antrag ist nicht nötig. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Bund leben in Deutschland mehr als 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner – bei 83,5 Millionen Einwohnern (Stand Ende 2025) ist das mehr als jeder vierte. Beitragssatz (18,6 Prozent) und Nettorentenniveau (48 Prozent) sollen 2027 unverändert bleiben. Bei den Sozialabgaben werden für 2027 derzeit keine Änderungen beim Beitragssatz und beim Nettorentenniveau erwartet.
Für die Jahre danach rechnet die Rentenversicherung mit kleineren Schritten: 2,3 Prozent (2028), 2,8 Prozent (2029) und 2,9 Prozent (2030). Der Beitragssatz soll 2028 auf 19,9 Prozent und 2029 auf 20 Prozent steigen. Ob es zum 1. Juli 2027 am Ende 4,4 oder 4,7 Prozent werden, entscheidet sich im Frühjahr 2027, wenn die endgültigen Daten zur Lohnentwicklung vorliegen.