Polizei räumt Whelford nahe RAF Fairford nach Sprengstoff-Festnahmen
Bild: KI-generiert
Terrorverdacht

Polizei räumt Whelford nahe RAF Fairford nach Sprengstoff-Festnahmen

Mehrere Männer werden nahe der US-Bomberbasis RAF Fairford festgenommen, ein ganzes Dorf wird evakuiert. Die Ermittlungen führt die Anti-Terror-Polizei – ein Zusammenhang mit der Basis ist bislang nicht belegt.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Die Polizei von Gloucestershire hat am frühen Sonntagmorgen mehrere Männer festgenommen und für die Umgebung des Dorfes Whelford ein „major incident“ ausgerufen. Die Männer stehen im Verdacht, gegen das britische Sprengstoffgesetz (Explosives Act) verstoßen zu haben.

Whelford liegt rund zwei Meilen vom Luftwaffenstützpunkt RAF Fairford entfernt. Mehrere Anwesen wurden evakuiert, die Bewohner kamen nach BBC-Angaben in ein Freizeitzentrum im etwa zehn Meilen entfernten Cirencester. Die Polizei sprach von einer „contained“, also unter Kontrolle gebrachten Lage.

Das Kampfmittelbeseitigungsteam der britischen Armee untersuchte mehrere Fahrzeuge. Auf Live-Aufnahmen war ein Räderroboter zwischen drei weißen Transportern zu sehen, bei zwei von ihnen standen die Hecktüren offen, daneben lagen große schwarze Gegenstände. Im Einsatz war auch ein Hazardous Area Response Team.

Rund 30 Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst standen nach übereinstimmenden Berichten in der Ortschaft Fairford bereit, ein Hubschrauber kreiste über dem Gebiet. Ein Augenzeuge berichtete, bewaffnete Polizisten hätten den Zugang zum Haupttor der Basis blockiert. Der Bericht über den Großeinsatz an der US-Bomberbasis nennt schwere Technik vor den Zufahrten.

Ein Anwohner wählte die 999

Ein Bewohner von Whelford habe in den frühen Morgenstunden drei verdächtige weiße Transporter gemeldet, sagte der Anwohner Julian Tudsbery, der seit 30 Jahren im Dorf lebt. Den Polizeiposten am Flugplatz habe der Anwohner telefonisch nicht erreicht und daraufhin die Notrufnummer 999 gewählt.

Tudsbery selbst wurde nach eigenen Angaben gegen 7 Uhr aus seinem Haus geholt. Diese Schilderung stammt von einem Privatmann und ist bislang nicht bestätigt. Im Tagesverlauf wurde der Cordon ausgeweitet und umschloss die Basis selbst; ein Betroffener sagte, Anwohner seien gefragt worden, ob sie für die Nacht eine Unterkunft hätten.

Die libdem-Abgeordnete Roz Savage, die den Wahlkreis South Cotswolds vertritt, nannte die Situation „worrying“, also besorgniserregend. Zugleich erklärte sie, sie setze auf die Zusicherung der Polizei:

„Ich habe die Polizei um weitere Informationen gebeten und mir wurde gesagt, dass der Vorfall nach ihrem Kenntnisstand unter Kontrolle ist. Ich möchte mich für die Arbeit bedanken, die dort gerade geleistet wird.“
Roz Savage, Libdem-Abgeordnete für South Cotswolds

Anti-Terror-Polizei führt die Ermittlungen

Die Ermittlungen führt die Anti-Terror-Polizei (Counter-Terrorism Policing). Das bestätigten mehrere britische Medien unter Berufung auf Whitehall-Quellen der Presseagentur PA. Nach übereinstimmender Darstellung war der Einsatz „not intelligence-led“ – die Ermittler hatten also vorab keine Kenntnis von einem möglichen Anschlagsplan.

Im Guardian-Bericht über die beschlagnahmten Materialien heißt es, bei den Festnahmen durch bewaffnete Beamte seien Stoffe nach dem Explosives Act sichergestellt worden. Sie werden nun analysiert, um festzustellen, wie gefährlich sie sind und ob sie sich technisch für einen Anschlag eignen.

Die Umstände der Festnahmen und die Nähe zu RAF Fairford hätten die Ermittler dazu veranlasst, prüfen zu lassen, ob ein Plan von Iran oder einem anderen Staat unterstützt worden sein könnte; Sicherheitskreise wollten sich auf diese Frage nach Guardian-Angaben nicht festlegen. Die Polizei bestätigte ausdrücklich keinen Zusammenhang zwischen den Festnahmen und dem Luftwaffenstützpunkt.

Umfrage
Lädt

Eine Bomberbasis im Krieg gegen Iran

RAF Fairford in den Cotswolds, an der Grenze von Gloucestershire und Wiltshire, ist seit Jahrzehnten ein vorgeschobener Standort der US-Luftwaffe: schon im Kalten Krieg vom Strategic Air Command genutzt, 1991 im Golfkrieg und 2003 für B-52-Einsätze gegen den Irak. Heute ist die Basis Standort des 501st Combat Support Wing, des einzigen Combat Support Wing der USAF, der von zehn Basen aus operiert.

Nach Beginn des US-israelischen Kriegs gegen Iran am 28. Februar 2026 änderte sich die Rolle grundlegend: Am 1. März 2026 erlaubte der damalige Premierminister Sir Keir Starmer den USA „defensive“ Angriffe auf iranische Raketenstellungen von britischen Basen aus, vier US-Bomber landeten in Fairford. Nach BBC-Informationen starteten von dort B-52-Bomber mit AGM-158-Cruise-Missiles sowie B-1B-Bomber mit bunkerbrechenden GBU-31-Bomben; eine Mission dauerte je nach Zielort zwölf bis 15 Stunden.

Irans Islamische Revolutionsgarden warnten Großbritannien im Juli 2026, jede Basis, von der aus Angriffe auf Iran gestartet würden, sei ein legitimes Ziel – nach Angaben der halbamtlichen Nachrichtenagentur Tasnim ausdrücklich mit Verweis auf Bomberflüge von Fairford. Die britische Regierung antwortete damals, die Streitkräfte seien „ready to keep the United Kingdom safe from any kind of attacks“.

Die Royal International Air Tattoo, die größte Militärflugschau der Welt mit jährlich rund 170.000 Besuchern, war im Mai 2026 wegen der Militäroperationen abgesagt worden. Anwohner berichteten, in den Wochen zuvor seien schwere Traktoren hinter den Crash-Gates sowie große Betonwände an der Dunfield Loop und der Whelford Road postiert worden.

Von der Golfkriegsbasis zur Bomberbasis gegen Iran

  1. 28. Februar 2026
    US-israelischer Krieg gegen Iran beginnt

    Die USA und Israel greifen Iran an.

  2. 1. März 2026
    London genehmigt Angriffe von britischen Basen

    Premierminister Keir Starmer erlaubt „defensive“ Angriffe auf iranische Raketenstellungen; vier US-Bomber landen in Fairford.

  3. Mai 2026
    Flugschau RIAT abgesagt

    Die Militäroperationen machen die Royal International Air Tattoo in Fairford unmöglich.

  4. Juli 2026
    Iran droht britischen Basen

    Die Revolutionsgarden nennen jede für Angriffe genutzte Basis ein legitimes Ziel – mit Verweis auf Fairford.

  5. 24./25. September 2026
    Sicherheitsring wird enger

    Zusätzliche Militärfahrzeuge erreichen die Basis, Crash-Gates werden blockiert, die Polizeipräsenz steigt, Spotters hören Warnungen über die Tannoy-Anlage.

  6. 27. September 2026, früh
    Festnahmen und Evakuierung

    Die Polizei nimmt mehrere Männer nach dem Explosives Act fest und ruft ein „major incident“ aus.

FPCON Delta bleibt unbestätigt

Berichte, wonach die US-Seite die Schutzstufe in Fairford nach „specific and credible intelligence“ auf die höchste Stufe FPCON Delta anhob, blieben offiziell unbestätigt. FPCON Delta ist die restriktivste Stufe des Pentagon-Systems und gilt, wenn ein Anschlag unmittelbar droht oder gerade stattgefunden hat. RAF Lakenheath in Suffolk bestätigte dagegen die zweithöchste Stufe Charlie. Die US-Luftwaffe verwies zu konkreten Maßnahmen auf „operational security reasons“; der 501st Combat Support Wing bleibe „vigilant“.

Premierminister Andy Burnham hielt sich wegen des Labour-Parteitags in Liverpool auf, wurde nach Regierungsangaben fortlaufend informiert und sagte ein Fußballspiel zwischen Journalisten und Politikern ab, um Telefonate zur Lage zu führen. Ein Regierungssprecher erklärte, man sei „grateful to the emergency services“; weitere Kommentare seien bei laufenden Ermittlungen „inappropriate“. Innenministerin Shabana Mahmood dankte den Rettungskräften für ihre „swift response“ und die Zusicherung, die Lage sei unter Kontrolle.

„Ich möchte allen Notfall- und Spezialteams danken, die wegen des Vorfalls in Gloucestershire so schnell gehandelt haben. Wir können darauf vertrauen, dass die Lage bearbeitet wird – und genau dafür stehen unsere Notfallteams und Streitkräfte rund um die Uhr bereit.“
Wes Streeting, britischer Verteidigungsminister

Offen blieb am Sonntag die genaue Zahl und Identität der Festgenommenen, ob tatsächlich Sprengstoff gefunden wurde und ob ein konkretes Anschlagsziel existierte. Die Polizei kündigte für 12:45 Uhr britischer Zeit eine Erklärung an, die ein ranghoher Beamter ohne anschließende Fragen verlesen sollte. Der Cordon umschloss am Nachmittag die Basis selbst – ob eine ausländische Beteiligung nachgewiesen werden kann, ist weiterhin unbelegt.