Netflix stoppt Gary-Glitter-Doku drei Wochen vor dem Start
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True Crime

Netflix stoppt Gary-Glitter-Doku drei Wochen vor dem Start

Netflix nimmt die fertige Dokuserie „Hunting Gary Glitter“ drei Wochen vor dem Start aus dem Programm – wegen „neuer rechtlicher Informationen“. Hintergrund ist ein laufendes Verfahren gegen Paul Gadd (82), der in London in acht Anklagepunkten auf nicht schuldig plädiert hat.

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Netflix stoppt die dreiteilige Dokuserie „Hunting Gary Glitter“ drei Wochen vor dem geplanten weltweiten Start am 14. Oktober 2026 – und nennt dafür nur einen Grund: Man habe „neue rechtliche Informationen“ erhalten. Einen neuen Termin gibt es nicht. Die Absage bestätigte der Streamer am 23. September 2026.

Die Entscheidung fällt mitten in ein laufendes Strafverfahren gegen den früheren Glam-Rock-Star. Paul Gadd (82), wie Gary Glitter bürgerlich heißt, bekannte sich am 2. September 2026 vor dem Southwark Crown Court in London in acht Anklagepunkten für nicht schuldig.

Das Unternehmen teilte mit, es sei derzeit nicht in der Lage, weitere Details zu nennen, werde aber ein Update geben, sobald es dazu in der Lage sei. Worum es bei den „neuen rechtlichen Informationen“ geht, blieb offen.

Trailer gelöscht, neuer Termin fehlt

Erst am 16. September 2026 hatte Netflix die Serie angekündigt, Bilder und einen Trailer veröffentlicht und den 14. Oktober als Start genannt. Mit der Verschiebung verschwand der Trailer vom Netflix-YouTube-Kanal; wie Variety über die Absage und den gelöschten Trailer berichtet, sind auch die Werbematerialien von der Netflix-Media-Website entfernt.

Regie führt Sebastian Smith („Locked Up Abroad“, „The Devil on Trial“). Produzentin ist die britische Firma Voltage TV, die unter anderem die ITV-Doku „Savile: Portrait of a Predator“ verantwortete. Als Executive Producer werden Sam Starbuck („The Tinder Swindler“) und Sanjay Singhal („Scoop“) genannt.

Die Inhaltsangabe beschreibt eine Schar hartnäckiger Journalisten, die den flüchtigen Popstar von Kuba über Kambodscha bis Vietnam verfolgen und dabei von Überlebenden begleitet werden. Der inzwischen gelöschte Trailer zeigte Archivmaterial eines Fernsehinterviews: Auf die Bemerkung des Interviewers, wer in der Öffentlichkeit stehe, habe keine Geheimnisse mehr, antwortete Glitter:

„Ja, nun, ich habe noch ein paar Geheimnisse.“
Gary Glitter, früherer Popstar und Angeklagter

Acht Vorwürfe, eine Geschädigte

Die Vorwürfe: vier Fälle von „indecent assault“ an einem Mädchen unter 13 Jahren, zwei Fälle von Geschlechtsverkehr mit einem Mädchen unter 13 und zwei Fälle von „indecency with a child“ an einem Kind unter 13. Alle acht Punkte betreffen dieselbe Geschädigte und sollen sich zwischen dem 12. März 1978 und dem 31. Dezember 1981 zugetragen haben – als das Mädchen acht bis elf Jahre alt war.

Wie die BBC über die acht Anklagepunkte berichtet, soll Gadd dem Kind Schokolade gegeben und es in sein Haus in Kensington and Chelsea im Westen Londons eingeladen haben. Dort soll er das Mädchen dazu gebracht haben, seine Genitalien zu berühren, und Geschlechtsverkehr mit ihm gehabt haben. Die Vorwürfe sind nicht rechtskräftig geklärt.

Bei der Anhörung am 2. September 2026, zugeschaltet per Video-Link aus dem Gefängnis HMP Channings Wood in Devon, sagte Gadd mit verschränkten Armen zu zwei der acht Punkte „absolutely not guilty“, zu den übrigen sechs „not guilty“. Richter Tony Baumgartner setzte einen dreiwöchigen Prozess ab dem 22. November 2027 an; bis dahin bleibt Gadd in Untersuchungshaft.

Die Vorgeschichte reicht bis 1999 zurück

Das neue Verfahren hat eine Vorgeschichte. Die Vorwürfe wurden am 9. Januar 2025 erstmals bei der Metropolitan Police gemeldet, am 22. Juli 2025 wurde Gadd erstmals dazu vernommen. Im Juli 2026 klagte die Crown Prosecution Service ihn wegen vier weiterer historischer Sexualstraftaten an.

Am 5. August 2026 bestritt er diese Vorwürfe per Video-Link vor dem Westminster Magistrates‘ Court und erklärte, die Geschädigte nicht zu kennen. Die Staatsanwaltschaft wies damals ausdrücklich auf die laufenden Berichtsbeschränkungen hin.

Von der ersten Verurteilung bis zum neuen Prozess

  1. 1999
    Erste Verurteilung in Großbritannien

    Gadd bekennt sich in 54 Anklagepunkten wegen Besitzes indezenter Kinderbilder schuldig; rund 4.000 Bilder, vier Monate Haft.

  2. März 2006
    Urteil in Vietnam

    Ein vietnamesisches Gericht verurteilt ihn wegen obszöner Handlungen an zwei Mädchen zu drei Jahren Haft, danach wird er ausgewiesen.

  3. Februar 2015
    Operation Yewtree

    Wegen Sexualstraftaten an drei Schulmädchen aus den 1970er-Jahren verhängt das Gericht 16 Jahre Haft.

  4. Februar 2023
    Entlassung und Rückkehr in Haft

    Nach Verbüßung der Hälfte kommt er vorzeitig frei, im Folgemonat wird er wegen eines Verstoßes gegen Auflagen zurück ins Gefängnis gebracht.

  5. Juni 2025
    Bewährungsantrag abgelehnt

    Ein Antrag auf vorzeitige Entlassung scheitert.

  6. Juli 2026
    Vier weitere Anklagen

    Die Crown Prosecution Service klagt ihn wegen vier weiterer historischer Sexualstraftaten an, Tatzeitraum 1978 bis 1981.

  7. 2. September 2026
    Nicht schuldig in acht Punkten

    Per Video-Link aus dem Gefängnis plädiert Gadd auf nicht schuldig; der Prozess wird auf den 22. November 2027 angesetzt.

Ein faires Verfahren gegen eine fertige Serie

In Großbritannien gelten bei anhängigen Strafverfahren strenge Beschränkungen der Berichterstattung, damit Geschworene unbeeinflusst bleiben. Bethan David, stellvertretende Chefanklägerin der Crown Prosecution Service, mahnte, es dürfe keine Berichterstattung geben, die das Verfahren beeinträchtigen könnte – der Angeklagte habe Anspruch auf ein faires Verfahren.

Ob die Verschiebung mit diesen Regeln zusammenhängt, ließ Netflix offen; der Streamer bestätigte das auf Nachfrage nicht. Realistisch dürfte eine Veröffentlichung erst nach Abschluss des Verfahrens möglich sein.

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Der Markt für Dokumentationen über Glitter ist umkämpft: Nach Informationen von Metro arbeiten auch Amazon Prime Video und ITV an eigenen Produktionen über den Fall. Netflix reiht die Serie in True-Crime-Produktionen über britische Serientäter ein, zu denen „Jimmy Savile: A British Horror Story“ gehört.

Einen neuen Starttermin hat Netflix weiterhin nicht genannt. Offen ist damit auch, was aus der fertig produzierten Serie wird, sollte der Prozess am 22. November 2027 wie geplant beginnen – eine Ausstrahlung dürfte dann bis zu seinem Ende warten.