27 Jahre ist es her, dass Wolfgang Petry (75) ein Konzert gespielt hat, vor 20 Jahren beendete er seine Karriere offiziell. Jetzt hat der Schlagerstar ein seltenes Interview gegeben – und darin erklärt, warum er nicht einmal mehr einkaufen geht.
„Ich habe keine Kreditkarte, also gehe ich nicht mehr einkaufen. Früher war das einfacher für mich, ich hatte zehn Mark in der Tasche, legte das Geld hin und ging wieder meiner Wege.“
Der Satz stammt aus dem schriftlichen Interview über sein letztes Album, das t-online am 24. September veröffentlichte – einen Tag vor dem Erscheinen der Platte.
Beinahe wäre es nicht dazu gekommen. Die Redaktion scheiterte im Sommer zunächst mit ihrer Anfrage. Erst Wochen später meldete sich Petrys Management und bot an, der Sänger beantworte gerne einige Fragen – allerdings nur schriftlich. Für den gebürtigen Kölner, bürgerlich Franz Hubert Wolfgang Remling, ist das die Ausnahme: Auftritte und Interviews sind rar.
Rosie hält den Alltag am Laufen
In der Podcast-Folge „Drews Cordalis Petry – Kids-Club“ mit Joelina Drews und Lucas Cordalis sprach sein Sohn Achim Petry (52) am 20. August über den Alltag seines Vaters.
„Mein Vater hat keine Kreditkarte, kein Handy, kein Garnix und wäre komplett lebensunfähig ohne meine Mutter.“
Gemeint ist Ehefrau Rosie, mit der Wolfgang Petry seit 1972 verheiratet ist. Sohn Achim kam 1974 zur Welt. In dem Podcast ging es auch um Geld: Achim Petry überlässt das gemeinsame Konto seiner Frau, Joelina Drews sagte, bei ihren Eltern Jürgen Drews und Ramona Drews habe ebenfalls die Mutter die Finanzen verwaltet. Lucas Cordalis und Daniela Katzenberger führen getrennte Kassen.
Petrys letztes Album erscheint am 25. September
Am 25. September erscheint bei Na Klar!/Sony Music sein Studioalbum „Ein Leben lang“ mit dem Untertitel „50 Jahre Freundschaft“ – drei Tage nach seinem 75. Geburtstag am 22. September. Es umfasst 13 Titel: elf neue Songs und zwei Bonustracks, darunter die Neuaufnahme „Sommer in der Stadt (50 Jahre Jubiläum)“ und die erste Kölsch-Single „Mr bruche keiner“.
Es ist das fünfte Studioalbum seit dem Bühnenabschied; zuvor erschienen „Auf das Leben“ (2021) und „Stark wie wir“ (2023). Mehr als 20 Millionen Tonträger will Petry bislang verkauft haben. Vorausgegangen war die Single „Morgen Gold“ vom 7. August, die zeitweise Platz 1 der Schlager Charts Top 20 erreichte.
Der Titel „Zehn Mark“ widmet sich der Sehnsucht nach seiner alten Welt. Petry sagt: „Ich werde kein neues Album mehr machen, aber Lieder schreibe ich weiter, Tag für Tag und das ist ein ganz großes Privileg.“ Damit endet eine Karriere, die am 21. Juni 1976 mit der Debütsingle „Sommer in der Stadt“ begann.
Wolfgang Petrys Weg von der Bühne ins Private
- 1972Hochzeit mit Rosie
Wolfgang Petry heiratet Rosemarie; 1974 kommt Sohn Achim zur Welt.
- 21. Juni 1976Debütsingle „Sommer in der Stadt“
Der Song steigt auf Platz 16 der deutschen Charts.
- 1999Tournee „Einfach geil“
Es bleibt Petrys bis heute letztes Konzert.
- 2006Rückzug von der Bühne
Nach seinem 30. Jubiläum beendet der Sänger seine aktive Bühnenkarriere.
- 2021 und 2023Alben ohne Live-Auftritte
„Auf das Leben“ und „Stark wie wir“ erscheinen.
- 25. September 2026„Ein Leben lang (50 Jahre Freundschaft)“
Das Album erscheint bei Na Klar!/Sony Music – laut Petry sein letztes.
Keine Rückkehr auf die Bühne
Für eine Comeback-Tournee gibt es keinerlei Anzeichen. Petrys Manager Christian Wolff sagte dem Schlagerportal Schlagerpuls.com: „Wolfgang sagt immer, alles hat seine Zeit und aus seiner Sicht sind die Zeiten für Liveauftritte oder Touren durch Deutschland lange vorbei.“
In der Berichterstattung zur Veröffentlichung heißt es knapp, für eine „von tausenden Fans herbeigesehnte, große Tournee“ gebe es aktuell keine Anzeichen. Die Fans kennen das schon: Schon im Juli spekulierten sie auf eine große Tournee und bekamen eine Single statt eines Live-Comebacks.
Stolzer Opa, kein Politsänger
Ein großer Teil des Gesprächs dreht sich um die Familie. 2006 und 2008 kamen seine Enkel Giorgio und Giuliano zur Welt. Für das neue Album nahm Petry erstmals mit drei Generationen einen Song auf: „Weiter immer weiter“ mit Sohn Achim und Enkel Giorgio. „Ich bin ein stolzer Opa“, sagt er. „Meine beiden Enkel Giorgio und Giuliano stehen mit einer guten Einstellung mitten im Leben.“
Sorgen macht er sich um deren Entwicklung nicht. Als Familienoberhaupt wolle er Zusammenhalt vorleben: „Ich denke als Ältester sollte man für einen guten Zusammenhalt stehen und ich versuche das vorzuleben.“ Zu seinem eigenen Älterwerden sagt der 75-Jährige: „Mit 75 Jahren erlebe ich die Zeit noch sehr bewusst und bemühe mich, diese auch noch ein bisschen zu dehnen.“
Auf die Frage nach der Angst vor dem Tod antwortet er: „Ich weiß, dass das Leben endlich ist und gebe der Angst kaum Möglichkeiten, in mich einzudringen! Bis jetzt ist mir das gut gelungen.“ Neben Familie und Musik äußert er sich auch zu gesellschaftlichen Entwicklungen – auffällig zurückhaltend. Er vermisse „die kleinen Dinge im Alltag, manchmal etwas mehr Freundlichkeit oder auch ein bisschen mehr Fleiß“.
Auf die Frage, ob in Deutschland das Füreinander-Einstehen verlernt worden sei, sagt er: „Ich glaube ja. Kinder werden im Alltag oft allein gelassen, mit ihren Problemen, mit ihren Computern, mit ihrem Essverhalten und mit ihrer sozialen Einstellung zum Leben.“ Zugleich stellt er fest, die Menschen hätten „große Angst vor gesellschaftlichem Abstieg“ – als Beispiele nennt er Strom- und Spritpreise.
Eine politische Rolle lehnt er für sich ab: „Ich bin kein Politsänger und kann nur kleine Ratschläge geben.“ Und: „Es wäre vermessen von mir, Menschen zu belehren. Den Weg des Lebens kann und sollte jeder für sich finden!“
Am 25. September liegt „Ein Leben lang“ in den Läden – einen Auftritt dazu wird es nicht geben. Wie sehr die Fans den Abschied mittragen, zeigt sich ab dem 22. Oktober: Dann startet in Lüneburg die Tribute-Show „Wahnsinn – Die Show“ mit einer Liveband, Videoaufnahmen des Abschlusskonzerts von 1999 und 18 Terminen bis zum 14. November.
