Stallone spricht erstmals über Bulimie und Panikattacken
Sylvester Stallone (80) legt offen, was Rocky, Rambo und jahrzehntelanger Körperkult gekostet haben: Bulimie, Steroide, neun Rückenoperationen. Sein erster schwerer Anfall mit 36 Jahren endete damit, dass er zusammenklappte.
Mit 36 Jahren saß Sylvester Stallone (80) in einem dunklen Vorführraum und sah frisch gedrehtes Rohmaterial seiner eigenen Aufnahmen. Plötzlich stellten sich ihm die Nackenhaare auf, ihm wurde heiß – dann verlor er die Kontrolle über seinen Körper und klappte zusammen. Nur ein Gedanke schoss ihm durch den Kopf:
„Ich sterbe. Das war's. Jetzt ist es vorbei mit mir.“
Sylvester Stallone, Schauspieler
Ausgelöst hat diese Schilderung ein Interview, das die New York Times am 26. September 2026 in ihrer Magazin-Ausgabe veröffentlichte, begleitet von seinen Memoiren „The Steps“. Am 27. und 28. September griffen Medien in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA die Aussagen auf, darunter Bericht der Süddeutschen Zeitung. Stallone sagt darin, er habe seinen Körper „missbraucht“.
Panik vor vollen Räumen
Stallone selbst nennt diese Episoden nicht ausdrücklich Panikattacken. Er beschreibt Momente lähmender Angst, die danach „immer und immer wieder“ zurückkamen. Besonders schlimm wurde es in vollen Räumen: Wenn er mit seiner Frau Jennifer Flavin eine Kunstausstellung besuchte und sich der Raum mit Menschen füllte, spürte er die Panik aufsteigen. Oft flüchtete er gerade noch rechtzeitig nach draußen.
Vor allem vor großen Fernsehauftritten kehrten die Attacken wieder, berichtet Fox News. Für einen Mann, der jahrzehntelang als Inbegriff körperlicher Unbesiegbarkeit galt, ist das der Kern des Geständnisses: Bild beschreibt ihn als Kämpfer gegen einen Gegner, den er mit seinen Fäusten nicht besiegen kann – sein eigener Körper.
Bulimie für den perfekten Körper
Für jede „Rocky“-Fortsetzung wollte Stallone noch definierter werden. Vorbild war kein massiger Bodybuilder, sondern ein Jaguar: „wild und aggressiv und sehr geschmeidig und athletisch“, nicht „groß wie Arnold (Schwarzenegger)“. Aus Ehrgeiz wurde Besessenheit. „Es ging so weit, dass ich bulimisch wurde“, zitiert die FAZ den Schauspieler. Beim Dreh zu „Rocky III“ sank sein Körperfettanteil auf 2,6 Prozent.
Er habe „nichts bei sich behalten können – oder ich wollte es nicht behalten, weil ich so besessen davon war, diesen Fitnesszustand zu halten“, sagt Stallone. Er spricht von einer „regelrechten obsessiven Körperverehrung“ und einer „zwanghaften Körperanbetung“. Dass dieser Zustand ohne verbotene Mittel zu erreichen war, bestreitet er selbst.
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Neun Operationen und viele Tabletten
„Ohne Zusatzstoffe und Drogen geht das nicht, Punkt“, sagt Stallone über den Körper, den er für Rambo und Rocky brauchte. Fox News über Stallones Steroid-Zyklen für die Rambo-Rolle zitiert ihn konkreter: Steroide habe er „sechs Wochen an, sechs Wochen aus“ genommen. Auch das habe „einen schrecklichen Preis“ gefordert.
Die Bilanz liest sich heute wie eine Krankenakte: neun Rückenoperationen, zwei Schulteroperationen und mehrere Eingriffe an der Halswirbelsäule, darunter laut Bild drei Halswirbelversteifungen. Er sei „noch einigermaßen in Form“, nehme aber „eine Menge Tabletten, um dranzubleiben“. Wie prekär sein Zustand ist, fasst ein Satz zusammen, den Stallone für Bild gewählt hat.
„Alles wird nur noch von Draht zusammengehalten.“
Sylvester Stallone, Schauspieler
Rocky, Rambo und der Preis
Stallone landete 1976 mit dem selbst geschriebenen Boxer-Drama „Rocky“ seinen Durchbruch – er spielte Rocky Balboa selbst. Ein Jahr später wurde der Film zur Oscar-Sensation: drei Academy Awards aus zehn Nominierungen, darunter die Trophäe für den besten Film. Mit „Rambo“ folgte 1982 die zweite Kultfigur – und der Beginn jener Körper-Obsession, die er heute als Rüstung beschreibt.
Vom Durchbruch zur späten Beichte
1976
Durchbruch mit „Rocky“
Stallone schreibt das Boxer-Drama selbst und übernimmt die Hauptrolle des Rocky Balboa.
1977
Drei Oscars für „Rocky“
Aus zehn Nominierungen werden drei Academy Awards, darunter die Trophäe für den besten Film.
1982
Rambo macht den Körper zur Rüstung
Mit der Rolle des Rambo beginnt jene Körper-Obsession, die Stallone heute als lebenslangen Kampf beschreibt.
um 1982/1983
2,6 Prozent Körperfett und Bulimie
Beim Dreh zu „Rocky III“ sinkt sein Körperfettanteil auf 2,6 Prozent, nach eigener Aussage wird er bulimisch.
2026-09-26
Interview und Memoiren
Die New York Times veröffentlicht das Gespräch, begleitet von Stallones Memoiren „The Steps“.
2026-09-27/28
Internationales Medienecho
Bild, SZ, FAZ, n-tv, ORF, blue News, Salzburg24 und Fox News greifen die Aussagen auf, Fachleute reagieren.
International hat die Offenlegung Reaktionen ausgelöst. Brian Pollack, klinischer Sozialarbeiter und Experte für Essstörungen, nannte Stallones Schritt „unglaublich bewundernswert“. Die Psychologin Giulia Suro sprach von einem „Game-Changer“, weil Essstörungen weiterhin fälschlich als primär weibliche Erkrankung verstanden würden. Offen ist, ob die Branche daraus Konsequenzen zieht – Stallone selbst sagt, er brauche bis heute Tabletten, um durchzuhalten.