312 km/h bei erlaubten 130: Ein Porsche 911 GT3 ist in der Nacht von Samstag, 26., auf Sonntag, 27. September auf der Autobahn A40 bei Vougy in Haute-Savoie gemessen worden. Die Gendarmerie spricht vom höchsten Tempoverstoß, der je auf Frankreichs Autobahnen registriert wurde.
Der festgestellte Verstoß liegt bei 182 km/h zu viel. Nach Abzug der in Frankreich üblichen technischen Messtoleranz von fünf Prozent blieben 300 km/h übrig, anerkannt wurden 170 km/h zu viel. Den Führerschein musste der Fahrer sofort abgeben, 1500 Euro Sicherheitsleistung hinterlegte er noch am Kontrollort.
Der Rekordwert selbst ist angreifbar: Die in Frankreich zugelassenen Laser-Handmessgeräte sind nur bis 300 km/h zertifiziert – gemessen wurde darüber.
Verfolgung über mehr als zehn Kilometer
Geblitzt wurde nicht von einem festen Radar. Eine Patrouille war unterwegs; ein Gendarme reagierte auf die plötzlich ausschlagende Messung und nahm die Verfolgung auf. Beteiligt waren die Équipe rapide d'intervention (ERI 74) und das motorisierte Peloton der Brigade de Bonneville.
Wie die Rekonstruktion der Verfolgung durch France 3 zeigt, stoppten die Beamten den Porsche erst an einer Autobahnausfahrt – nach mehr als zehn Kilometern. Der Fahrer habe nicht abgebremst, sagte Adjudant Alexandre Despledin, der für die ERI fliegende Gendarme, dem Sender France 2.
„Wir fahren los, um das Fahrzeug bei sehr hoher Geschwindigkeit abzufangen, und brauchen mehr als 10 km, um es einzuholen. Er hat nicht einmal abgebremst, das war ziemlich kompliziert, zumal sein Fahrzeug eine höhere Höchstgeschwindigkeit hatte als unser schnelles Einsatzfahrzeug.“
Den Wagen mussten die Gendarmes abschleppen lassen; er kam in die administrative Verwahrung. Der Fahrer musste laut BFMTV zu Fuß weiter.
87 Meter pro Sekunde
Bei 312 km/h legte der Porsche rund 87 Meter pro Sekunde zurück. Bei den erlaubten 130 km/h sind es etwa 36 Meter. Der Wagen war damit fast 2,4-mal so schnell wie erlaubt und bewegte sich laut Gendarmerie mitten unter den übrigen Verkehrsteilnehmern.
Tempo auf der A40 bei Vougy: Limit, alter Rekord, neuer Wert
Gemessen in km/h
Die französische Presse verglich das Tempo mit dem eines Formel-1-Wagens. Capitaine Joël Contal, stellvertretender Kommandeur des Escadron départemental de contrôle des flux, sagte gegenüber France 3: „Es ist eine Premiere in Haute-Savoie. Wir hatten schon 230 km/h, 290 km/h, aber so eine Geschwindigkeit haben wir noch nie gesehen. Das Radar jedenfalls irrt sich nicht.“
Im internationalen Vergleich lande Frankreich damit auf etwa Platz 6, berichtet BFMTV: In Texas wurden 2003 schon 389 km/h gemessen, in einer deutschen Baustelle im August 2025 waren es 321 km/h. Der bisherige französische Rekord fiel im Mai 2026 – ebenfalls auf der A40, mit 287 km/h in einem Audi RS3.
Der Messwert und seine Grenze
Die Zweifel an der Rekordmessung sind technischer Natur. Die Beamten fotografierten die Anzeige ihres Laserhandmessgeräts und veröffentlichten das Bild. Ein Bericht über die Zertifizierungsgrenze der Laser-Messgeräte weist darauf hin, dass diese in Frankreich nur bis 300 km/h zugelassen sind. Mehrere Beobachter sehen darin einen möglichen technischen Angriffspunkt für die Verteidigung.
Die Gendarmerie hält die Messung dagegen für unstrittig. Ihr Sprecher formulierte: „182 km/h: Das ist nicht die Geschwindigkeit, mit der dieser Autofahrer kontrolliert wurde, sondern der festgestellte Tempoverstoß.“
Am Montag, 28. September, machte die Gendarmerie de Haute-Savoie den Fall öffentlich – verbunden mit dem Satz: „Die Straße ist keine Rennstrecke.“ Sie bezeichnete den Verstoß als den extremsten, der je auf Frankreichs Autobahnen registriert wurde.
Was dem Fahrer jetzt droht
Am Steuer saß nach Angaben der Gendarmerie ein Ausländer. Französische und Schweizer Medien berichten übereinstimmend, er stamme aus der Schweiz; laut Tribune de Genève war sein Wagen dort immatrikuliert und er kam von einem Rallye in Haute-Savoie zurück.
Dem Fahrer drohen bis zu drei Monate Haft, 3750 Euro Geldstrafe, ein Fahrverbot in Frankreich, der Entzug von sechs Punkten und die endgültige Einziehung seines Fahrzeugs. Er muss sich demnächst vor dem Tribunal de Bonneville verantworten.
Extremverstöße auf der A40 in Haute-Savoie
- 29. Dezember 2025Neues Delikt-Recht in Frankreich
Jede Überschreitung um mindestens 50 km/h gilt schon bei der ersten Tat als Straftat – zuvor wurde sie erst bei Wiederholung zum Delikt.
- 19. April 2026Lamborghini mit 206 km/h gestoppt
In Haute-Savoie stoppt die Gendarmerie einen Lamborghini-Fahrer in einer auf 110 km/h begrenzten Zone.
- Mai 2026Audi RS3 setzt den alten Rekord
Auf der A40 werden 287 km/h gemessen – bis dahin der höchste Wert in Frankreich; im selben Département folgen Kontrollen mit 232 und 287 km/h.
- 26./27. September 2026Porsche 911 GT3 mit 312 km/h gemessen
Kurz vor Mitternacht erfasst die Messung den Wagen bei Vougy nahe Bonneville; erlaubt sind dort 130 km/h.
- 27. September 2026Stopp nach mehr als zehn Kilometern
Gendarmes der ERI 74 und des PMO Bonneville stoppen den Wagen an einer Autobahnausfahrt; Führerschein entzogen, Fahrzeug abgeschleppt, 1500 Euro Sicherheitsleistung hinterlegt.
- 28. September 2026Gendarmerie veröffentlicht den Fall
Die Behörde spricht vom extremsten je registrierten Verstoß; Medien in Frankreich, der Schweiz und Deutschland berichten.
- offenVerhandlung vor dem Tribunal de Bonneville
Der Fahrer muss sich vor Gericht verantworten; ihm drohen bis zu drei Monate Haft, 3750 Euro Geldstrafe, Fahrverbot und die Einziehung des Porsche.
In Frankreich ist eine solche Überschreitung seit dem 29. Dezember 2025 ein Delikt: Seither gilt in Frankreich schon die erste Überschreitung um mindestens 50 km/h als Straftat, nicht mehr erst die Wiederholung. Ob das Tribunal de Bonneville die 312 km/h verwertet oder wegen der Zertifizierungsgrenze der Messgeräte verwirft, entscheidet über Rekord, Fahrverbot und Fahrzeug.
