Putin stellt 91 Metro-Märkte unter russische Zwangsverwaltung
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Kreml-Dekret

Putin stellt 91 Metro-Märkte unter russische Zwangsverwaltung

Putin hat Metro Russland per Dekret unter Zwangsverwaltung gestellt – 91 Märkte, rund 10.000 Beschäftigte, fast neun Prozent des Konzernumsatzes. Der deutsche Handelskonzern verliert die Kontrolle über sein Russland-Geschäft.

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Wladimir Putin hat die russischen Vermögenswerte des Handelskonzerns Metro unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt. Dekret Nr. 302, das der russische Präsident am Montag, dem 28. September 2026, unterzeichnete und noch am selben Tag veröffentlichte, überträgt sämtliche Vermögenswerte des Düsseldorfer Konzerns in Russland an das russische Unternehmen UK Torg RUS.

Der Konzern bestätigte den Vorgang selbst. In der Mitteilung des Metro-Newsrooms zur Zwangsverwaltung hieß es: „Dekret Nr. 302 hat die russische Regierung METRO Russland mit sofortiger Wirkung unter vorübergehende Zwangsverwaltung gestellt.“ Einen Grund für den Schritt nennt das Dokument nicht. Metro verliert damit die operative Kontrolle über sein Russland-Geschäft – aus den russischen Geschäften wird der Konzern de facto enteignet.

91 Märkte und fast neun Prozent des Umsatzes

Nach übereinstimmenden Angaben betreibt Metro 91 Märkte in Russland; einzelne Berichte nennen bis zu 93 Großhandelsstandorte. Der Konzern war nach eigenen Angaben 2001 in den russischen Markt eingetreten. Bei der Beschäftigtenzahl gehen die Angaben auseinander: Rund 10.000 Mitarbeiter vor Ort nennt der Bericht der Tagesschau zu den Metro-Vermögenswerten, BR24 spricht von rund 9.000. Zuletzt erbrachte der russische Markt fast neun Prozent des Gesamtumsatzes.

Die russische Metro-Tochter teilte am Montag mit, der Betrieb laufe normal weiter und alle Verpflichtungen gegenüber Kunden würden erfüllt. Zu dem Dekret selbst äußerte sich das Unternehmen zunächst nicht direkt. Nach Angaben aus der Berichterstattung wird UK Torg RUS von Johannes Tolay geführt, dem bisherigen Chef von Metro Russland.

Warum Metro in Russland blieb

Metro war – anders als viele westliche Konzerne – nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 in Russland geblieben. Der Konzern begründete das mit der Verantwortung für seine Mitarbeiter vor Ort und für die Kunden. Wegen dieses Kurses stand Metro seit Langem in der Kritik seiner Aktionäre; auch die Ukraine setzte den Konzern zeitweise auf eine Liste von Unternehmen, die trotz des Kriegs in Russland aktiv blieben.

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Ein Muster seit 2023

Grundlage des Schritts ist ein Dekret, das Putin bereits im April 2023 erlassen hatte. Es erlaubt Russland, Vermögenswerte von Unternehmen aus sogenannten „unfreundlichen Staaten“ unter vorläufige externe Verwaltung zu stellen. Metro ist kein Einzelfall: Anfang September 2026 übernahm Russland bereits die Kontrolle über die russischen Vermögenswerte des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns Nestlé und des französischen Einzelhändlers Auchan. Moskau begründete das mit feindseligen Handlungen „unfreundlicher“ Staaten.

Von der Markteröffnung zur Zwangsverwaltung

  1. 2001
    Markteintritt in Russland

    Metro startet nach eigenen Angaben auf dem russischen Markt.

  2. Februar 2022
    Kriegsbeginn – Metro bleibt

    Der Konzern bleibt anders als viele westliche Wettbewerber im Land, mit Verweis auf Mitarbeiter und Kunden.

  3. April 2023
    Putins Dekret schafft die Grundlage

    Ein Präsidialdekret erlaubt die vorläufige externe Verwaltung von Vermögenswerten aus „unfreundlichen Staaten“.

  4. Anfang September 2026
    Nestlé und Auchan betroffen

    Russland übernimmt die Kontrolle über die Russland-Vermögenswerte des Schweizer Konzerns Nestlé und des französischen Händlers Auchan.

  5. 28. September 2026
    Dekret Nr. 302 trifft Metro

    Sämtliche Metro-Vermögenswerte in Russland gehen an UK Torg RUS, der Betrieb soll normal weiterlaufen.

Wie gründlich Russland vorgeht, zeigen Zahlen aus Moskau: Nach Angaben der Wirtschaftskanzlei Nektors, Saweljew und Partner wurden seit der russischen Vollinvasion im Februar 2022 bis Ende 2025 insgesamt 805 Firmen mit Vermögenswerten von über 6,5 Billionen Rubel beschlagnahmt – nach damaligem Wechselkurs rund 68 Milliarden Euro. Die Anwälte weisen darauf hin, dass der gesamte Enteignungsprozess etwa zwei Monate dauert und die Sache meist in einer einzigen Gerichtsverhandlung entschieden wird.

Der stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, forderte auf seinem Telegram-Kanal weitere Enteignungen. Er verwies auf die ersten Akte der Sowjetmacht, mit denen ausländische Fabriken unentgeltlich in Staatseigentum überführt worden seien, und erklärte, niemand habe jemals etwas zurückgegeben. Putin selbst nannte die übernommenen Russland-Töchter ausländischer Konzerne laut taz schon einmal ein „ziemlich gutes Erbe“ – vor allem mit Blick auf Ausrüstung, Infrastruktur, geschultes Personal und westliche Geschäftsprozesse.

Der Streit mit Berlin

Die Entscheidung fällt in eine Phase verschärfter Spannungen zwischen Moskau und Berlin. Deutschland wirft Russland einen versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle vor und ordnete die Schließung eines russischen Konsulats und eines Kulturzentrums in Berlin an. Am Wochenende vor dem Dekret trafen sich die Außenminister Sergej Lawrow und Johann Wadephul am Rande der UN-Vollversammlung in New York; nach 20 Minuten war das Gespräch beendet. Wadephul forderte Moskau auf, den Eskalationskurs zu verlassen – Lawrow sagte danach, er habe keine neuen Erkenntnisse gewonnen.

Für Metro fällt die Zwangsverwaltung in eine Umbruchphase: Zum 1. Oktober übernimmt Eric Riegger laut Finanzberichterstattung die Nachfolge von Steffen Greubel als Vorstandschef der METRO AG. Offen ist, ob der Konzern gegen das Dekret vorgeht, was aus den rund 10.000 Beschäftigten in Russland wird – und ob weitere deutsche Unternehmen dort mit demselben Schritt rechnen müssen.