Flydubai-Flug mit 180 Passagieren landet nach Messerattacke in Tabuk
Bild: KI-generiert
Entführungssignal

Flydubai-Flug mit 180 Passagieren landet nach Messerattacke in Tabuk

Ein Flydubai-Flug von Dubai nach Tel Aviv sendet über Jordanien den Entführungscode 7500, Israels Luftwaffe lässt Kampfjets aufsteigen. Nach israelischen Angaben soll ein Pilot seinen Kollegen mit einem Messer attackiert haben; die Maschine landet in Tabuk in Saudi-Arabien.

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Der Flydubai-Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv hat am Mittwoch über Jordanien den Entführungscode 7500 gesendet – nach israelischen Angaben, weil einer der beiden Piloten seinen Kollegen mit einem Messer attackierte und die Kontrolle über die Boeing 737 MAX 8 übernehmen wollte.

An Bord der Maschine mit dem Kennzeichen A6-FKF waren nach Informationen der israelischen Zeitung Haaretz rund 180 Israelis; je nach Quelle zählte der Flug 150 bis 180 Passagiere, darunter 27 Kinder. Abgehoben war die Boeing um 07:05 Uhr Ortszeit in Dubai, planmäßige Ankunft in Ben Gurion war gegen 09:30 Uhr.

Rund anderthalb Stunden nach dem Start, beim Einflug in den jordanischen Luftraum, änderte sich der Flugverlauf. Die Maschine setzte den Transpondercode 7700 für eine allgemeine Notlage ab, kurz darauf folgte Code 7500 – das internationale Signal für unrechtmäßige Einflussnahme an Bord, also eine mögliche Entführung.

Squawk 7500: Kampfjets steigen auf

Flightradar24 zufolge wechselte der Squawk um 05:31 UTC auf 7700 und um 05:38 UTC auf 7500, während sich das Flugzeug über Jordanien dem israelischen Luftraum näherte.

Die israelische Luftwaffe ließ Kampfjets aufsteigen, um die Maschine abzufangen. Israels Luftraum wurde zeitweise geschlossen, am Flughafen Ben Gurion wurden alle Abflüge eingestellt und später wieder aufgenommen. Generalstabschef Ejal Zamir sagte eine geplante USA-Reise ab.

Zamir wollte in den USA den Generalstabschef Gen. Dan Caine und CENTCOM-Chef Adm. Brad Cooper treffen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz kamen zu Krisenberatungen zusammen; das Büro des Ministerpräsidenten erklärte, die Lage sei unter Kontrolle, und man unternehme alles, um die israelischen Passagiere sicher zurückzubringen.

16.450 Fuß in zwei Minuten

Während der Auseinandersetzung verlor die Maschine drastisch an Höhe. Laut Flightradar24 sackte der Flieger binnen zwei Minuten von 34.000 Fuß (10.363 Meter) auf 17.550 Fuß (5.350 Meter) ab – ein Höhenverlust von 16.450 Fuß oder rund 5.000 Metern.

CNN wertete die Flugverfolgungsdaten ebenfalls aus und kam auf einen Sinkflug von gut 10.000 auf etwa 5.000 Meter in etwas mehr als zwei Minuten; auch die Geschwindigkeit nahm drastisch ab. VOL.AT berichtet unter Berufung auf CNN-Daten von einem erneuten Anstieg auf 21.650 Fuß und einem weiteren Absinken unter 14.000 Fuß. Zeitweise konnten die israelischen Behörden keinen Kontakt zum Cockpit herstellen.

Höhenverlauf von FZ1073 nach dem Notfallsignal

Angaben in Fuß, rekonstruiert aus Flugverfolgungsdaten

Quelle: Flightradar24 und CNN, Angaben via VOL.AT

Messerattacke statt Entführung

Nach der Landung verdichteten sich die Hinweise, dass keine Entführung im klassischen Sinn vorlag, sondern eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen den beiden Piloten im Cockpit. Der Sender N12 berichtete zunächst von einer Prügelei zwischen einem russischstämmigen Piloten und einem Copiloten ukrainischer Abstammung – eine offizielle Bestätigung gab es nicht, wie auch der WELT-Bericht über die Prügelei im Cockpit festhält.

Später meldeten israelische Medien abweichende Angaben: Der verdächtige Copilot stamme aus dem Oman, der Kapitän aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Herkunft der beiden Piloten blieb damit zunächst ungeklärt.

Nach einem Bericht der Jerusalem Post soll einer der Piloten seinen Kollegen mit einem Messer attackiert und danach versucht haben, die Maschine zu übernehmen. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte dem Jerusalem Post-Bericht über den vereitelten Absturzversuch, der Pilot habe möglicherweise einen Absturz beabsichtigt: „Eine große Katastrophe wurde verhindert.

Nach Angaben des israelischen Journalisten Amit Segal vom Sender N12 stuft Israel den Vorfall als versuchten Terroranschlag ein; Passagieraussagen zufolge soll der Copilot wiederholt auf den Kapitän eingestochen haben. IDF, Mossad und Shin Bet gingen von einer Terrorabsicht aus, geprüft wurde laut Times of Israel auch eine psychische Störung. Der tatverdächtige Copilot wurde von den saudischen Behörden verhört.

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Blut in der Kabine

Passagiere schilderten dramatische Szenen. Eine Frau sagte N12, nach Schreien im Flugzeug sei die Cockpittür geöffnet worden, woraufhin Blut sichtbar gewesen sei. Eine Passagierin namens Maryam sagte i24NEWS: „Wir haben Schreie gehört. Dann öffneten sie das Cockpit, wir sahen Blutmengen, und jemand stach mit einem Messer auf den Piloten ein. Wir hatten das Gefühl, gleich abzustürzen.

„Es gab Momente, in denen wir dachten, wir würden nicht lebend herauskommen.“
Passagierin an Bord von FZ1073, zitiert nach WELT, SRF und Tages-Anzeiger

Ein Arzt und eine Krankenschwester an Bord leisteten dem Piloten Erste Hilfe; nach Darstellung der Jerusalem Post behandelte ein israelischer Zahnarzt den schwer verletzten Kapitän und rettete ihm das Leben. Zwei weitere Piloten, die als Passagiere mitflogen, sollen die Maschine nach Tabuk gebracht haben. Yasmin Abu Kasis, deren Tochter Miriam an Bord war, berichtete von überall Blut.

Landung in einem Land ohne Beziehungen

Die Maschine drehte über Saudi-Arabien ab und landete sicher auf dem Flughafen Tabuk im Nordwesten des Landes – nach Flightradar24 gegen 06:45 UTC, nach anderen Angaben kurz vor 10 Uhr israelischer Zeit. Die Landung ist politisch bemerkenswert, weil Israel und Saudi-Arabien keine offiziellen diplomatischen Beziehungen unterhalten.

Flydubai bestätigte dem Sender Al-Arabija einen „Vorfall“ an Bord und erklärte, das Flugzeug sei sicher in Tabuk gelandet, alle Passagiere seien in Sicherheit und erfasst. Die Passagiere wurden angewiesen, sitzenzubleiben und das Flugzeug nicht zu verlassen; lediglich die beiden Piloten wurden von Bord gebracht.

Der Geschäftsführer von Flydubai informierte die israelischen Verkehrsbehörden, dass ein Ersatzflugzeug von Dubai nach Saudi-Arabien geschickt werde und von dort nach Israel weiterfliegen solle. Katz und Zamir erwogen zudem, israelische Militär- oder Zivilflugzeuge zu entsenden, um die Israelis heimzubringen. Die Fluggesellschaft leitete eine Untersuchung des Vorfalls ein.

Ungeklärt blieb zunächst, wer genau den Code 7500 auslöste und ob dies absichtlich geschah. Weder Flydubai noch die saudischen Behörden bestätigten die Berichte über eine Prügelei zwischen den Piloten. Eine Parallele gibt es bereits: Im September 2025 musste ein Flydubai-Flug von Dubai nach Tel Aviv wegen eines medizinischen Notfalls in Riad zwischenlanden. Offen ist nun, ob die saudischen Ermittler nach dem Verhör des Copiloten Ergebnisse vorlegen.