Zentralrat der Juden warnt vor Koalition mit der Linken
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Antisemitismus-Vorwürfe

Zentralrat der Juden warnt vor Koalition mit der Linken

Die Linke gewinnt Berlin mit 25,7 Prozent, doch SPD und Grüne zögern. Nach der Wahlparty in Neukölln werden immer mehr Kontakte zu Clan-Größen und PFLP-Unterstützern bekannt – der Zentralrat der Juden warnt vor einer Koalition.

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25,7 Prozent, ein klarer Sieg. Die Berliner Linke hat die Abgeordnetenhauswahl am 20. September gewonnen, Spitzenkandidatin Elif Eralp will Regierende Bürgermeisterin werden. Doch die Partei, die zur Bewegung werden will, stößt auf Widerstand: SPD und Grüne sollen nicht mit ihr regieren – das fordert der Zentralrat der Juden, und die CDU will den Verfassungsschutz einschalten.

Auf der Wahlparty der Linken in Neukölln feierte Issa Remmo mit, ein Chef des Remmo-Clans. Sein Sohn Firas Remmo veröffentlichte danach Chats mit dem Linke-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak, in denen sich beide als „Bruder“ ansprechen.

Zwei Social-Media-Aktivisten des palästinensischen Barbakh-Clans feierten dort ebenfalls mit, wie der Tagesspiegel über weitere Clan-Gäste berichtet: Einer interviewte Linke-Politiker, der andere filmte den Aktivisten Ibrahim Ibrahim, der dem Umfeld von Hamas und PFLP zugerechnet wird.

Ibrahim posierte auf der Feier mit Koçak und der Abgeordneten Vanessa Emde. Dieser Auftritt fällt mitten in die Sondierungen, zu denen die Linke SPD und Grüne eingeladen hat.

Vom Intifada-Rap bis zur Wahlparty

Die Vorfälle reichen weiter zurück als der Wahlabend. Am 28. August rappte Dahab Flex bei einer Linke-Feier in Neukölln „Yalla Yalla Intifada“ und „Death to the IDF“. Einen Tag nach der Wahl machte Firas Remmo den Chatverlauf mit Koçak öffentlich.

Die Vorgeschichte der Berliner Linken

  1. 7. Oktober 2023
    Hamas-Massaker in Israel

    Der Angriff und der beginnende Gaza-Krieg gelten laut FAZ für Teile der Linken als „politisches Erweckungserlebnis“.

  2. Oktober 2025
    Linke-Politiker beschimpft israelischen Bürgermeister

    Der Neuköllner Linke-Politiker Ahmed Abed nennt den Bürgermeister von Bat Yam, Tzvika Brot, einen „Völkermörder“.

  3. 28. August 2026
    Intifada-Rap bei Linke-Feier

    Bei einer Feier in Neukölln rappt Dahab Flex „Yalla Yalla Intifada“ und „Death to the IDF“.

  4. 20. September 2026
    Wahlsieg und Wahlparty

    Die Linke holt 25,7 Prozent. Auf der Neuköllner Wahlparty feiern Issa Remmo und der PFLP-nahe Aktivist Ibrahim Ibrahim mit.

  5. 21. September 2026
    Chatverlauf veröffentlicht

    Firas Remmo macht Chats mit dem Linke-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak öffentlich. Der Zentralrat der Juden warnt vor einer Koalition.

  6. 25. September 2026
    Parteitag stimmt Sondierungen zu

    Ein Sonderparteitag macht den Weg für Gespräche mit SPD und Grünen frei; Eralp nennt die Vorwürfe „Stimmungsmache“.

  7. 29. September 2026
    Weitere Clan-Gäste bekannt

    Der Tagesspiegel berichtet über zwei Barbakh-Aktivisten auf der Wahlparty; die Linke stellt Unterlassungserklärungen an Katherina Reiche und Magdalena Finke zu.

Wie radikal die Partei inzwischen ist, beschäftigt bundesweit die Medien: die stern-Titelgeschichte über die neue Linke zeichnet den Wandel nach. Der Landesverband bestreitet die Vorwürfe und nennt sie auf dem Sonderparteitag am 25. September „Stimmungsmache“. Gegen Berichte ging die Partei juristisch vor.

Zentralrat: Keine Koalition mit dieser Partei

Der Zentralrat der Juden hält die Linke für unglaubwürdig und appelliert an SPD und Grüne, keine Koalition einzugehen. Präsident Josef Schuster sagt: „In der Bekämpfung des Judenhasses, den diese Partei in ihren Reihen duldet und frei gewähren lässt, besitzt die Linke keinerlei Glaubwürdigkeit mehr.“

Aus der SPD kommt eine klare Bedingung. Der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Sebastian Fiedler, verlangt Antworten auf die Frage, ob die Kontakte Einzelfälle sind oder strukturelle Ursachen haben. Fiedler sagt:

„Es stellt sich die Frage, ob wir nur die Spitze des Eisbergs gesehen haben oder ob es strukturelle Themen sind. Und solange die nicht beantwortet sind, ist mit der Linken in Berlin kein Staat zu machen.“
Sebastian Fiedler, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion

Die CDU fordert eine Prüfung durch den Verfassungsschutz. Ob die Behörde die Berliner Linke tatsächlich beobachtet, ist nicht entschieden.

Eralps Jahre bei der beobachteten Roten Hilfe

Auch die Spitzenkandidatin selbst steht im Zentrum der Debatte. Nach Parteiangaben war Eralp mehrere Jahre passives Mitglied des Vereins „Rote Hilfe“, den der Verfassungsschutz beobachtet; 2025 trat sie aus. Vorwürfe, sie habe mit organisierter Kriminalität zu tun, weist sie zurück: „Mit organisierter Kriminalität haben wir nichts zu tun.“ Zu den weiteren Vorwürfen sagt Eralp:

„Diese Vorwürfe sind keine differenzierte Kritik, sondern haben eine zerstörende Dimension erreicht.“
Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken in Berlin

Zweiter Streitpunkt neben den Personalien: Die Linke will große Wohnungskonzerne enteignen und 220.000 Wohnungen in kommunale Hand bringen. Für SPD und Grüne ist das ein weiteres Hindernis auf dem Weg zu einer gemeinsamen Regierung.

150 Juden stellen sich vor die Linke

Zugleich verteidigt ein Teil der jüdischen Community die Partei. 150 Jüdinnen und Juden schreiben in einem Offenen Brief, die Antisemitismus-Vorwürfe seien eine „zynische politische Instrumentalisierung“. Sie stellen sich damit gegen den Zentralrat.

Wie uneinig die jüdische Öffentlichkeit ist, beschreibt die Deutsche Welle. Der Künstler Scott Grabell hält den Kritikern entgegen: „Antisemitismus ist real – wir wissen das. Aber drei Jahre Genozid sind auch real.“

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Ob SPD und Grüne überhaupt Sondierungsgespräche aufnehmen, ob der Verfassungsschutz die Linke ins Visier nimmt und ob Elif Eralp Regierende Bürgermeisterin wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen – mit der Partei als Wahlsiegerin und ohne Mehrheit gegen sie.