Schauspielpreise sind für Helen Mirren (81) eine Zumutung. Am Dienstagabend nahm die Oscar-Preisträgerin im Cinemaxx Dammtor den Douglas-Sirk-Preis des 34. Filmfest Hamburg entgegen, wie dem ZEIT-Bericht über die Preisverleihung zu entnehmen ist – eine Ehrung für ihr Lebenswerk, nicht für eine einzelne Rolle.
Die Auszeichnung ist eine gläserne Kristall-Trophäe; das Festival vergibt sie seit 1995. Die Laudatio hielt Mirrens langjährige Kollegin und Freundin Iris Berben (76). Anschließend feierte Anton Corbijns Film „Ein Talent fürs Morden“ Deutschlandpremiere, in dem Mirren die Krimiautorin Patricia Highsmith verkörpert.
Mirren zieht in ihrer Dankesrede eine scharfe Grenze: Preise für eine einzelne schauspielerische Leistung seien „unangenehm“, weil Schauspielen kein Rennen sei. Für das Lebenswerk geehrt zu werden, nannte sie dagegen „wunderbar“ – und widerspricht damit der Wettbewerbslogik, nach der Filmfestivals üblicherweise ihre Preise vergeben.
„Einen Preis für eine schauspielerische Leistung zu erhalten ist unangenehm. Weil Schauspielen kein Rennen ist. Man gewinnt nicht etwas, das gibt es nicht. Aber: Für das Lebenswerk geehrt zu werden – das ist wunderbar.“
Berben lobt Mirrens Widersprüche
Berben würdigte Mirren als „charismatische, wandlungsfähige, kluge, bescheidene“ Schauspielerin mit „so viel Witz und Humor“. Mirren spiele nicht einfach Königinnen, Ermittlerinnen oder Schriftstellerinnen, sagte Berben: Sie mache sie zu Menschen mit Stärke, Widersprüchen, Humor, Verletzlichkeit und Eigensinn.
Die Laudatorin lieferte die Begründung für den Lebenswerk-Preis gleich mit. Es gehe nicht darum, ob jemand eine Rolle spielt, sondern darum, ob jemand hinter ihr verschwindet – und genau das beherrsche Mirren auf unnachahmliche Weise, sagte Berben.
„Sie füllt diesen Beruf mit Leben. Ja, sie spielt nicht einfach Königinnen, Ermittlerinnen oder Schriftstellerinnen. Sie macht sie zu Menschen mit Stärke, mit Widersprüchen, mit Humor, mit Verletzlichkeit, mit Eigensinn.“
Eine Trophäe für den Kaminsims
So kritisch Mirren über Leistungspreise spricht, so offen freut sie sich über diese Ehrung. Die Trophäe gefällt ihr.
„Er ist wirklich ganz hübsch anzusehen, nicht so wie manch andere Preise, die manchmal sehr merkwürdig aussehen können. Diese Auszeichnung bekommt einen Ehrenplatz auf meinem Kaminsims.“
Das sagte Mirren in dem NDR-Gespräch über den Ehrenplatz auf dem Kaminsims, das am 30. September ausgestrahlt wurde. Sie nehme den Preis „mit großem Stolz“ an und wisse ihn „unglaublich zu schätzen“. Auch über Hamburg sprach sie in höchsten Tönen: Die Stadt sei „grün“, habe „schöne Architektur“ und sei „ruhig und kultiviert“ – sie liebe die Elbe „so sehr“.
Seit 1995 ein Preis für das ganze Werk
Der Douglas-Sirk-Preis wird seit 1995 vergeben. Benannt ist er nach dem in Hamburg geborenen Regisseur Douglas Sirk, 1897 als Hans Detlef Sierck geboren und 1987 gestorben. Mirren sagte, sie habe mit 20 Jahren begonnen zu arbeiten und seither kein Jahr ausgesetzt – auf diesen Preis sei sie stolz.
Festivalleiterin Malika Rabahallah begründete die Wahl mit Mirrens Rollen: Die seien „präzise, eigenwillig und immer überraschend“ – ob als Queen, als Ermittlerin oder nun als Patricia Highsmith. Die Auszeichnung fällt damit in ein Jahr, in dem Mirren erneut eine historische Figur verkörpert.
Wie Mirren nach Hamburg kam
Wie aufwendig es ist, einen Star dieses Formats für ein Festival zu gewinnen, beschrieb Rabahallah offen: Die Abstimmung von Terminen sei schwierig gewesen, am Ende habe es aber funktioniert.
„Das ist kompliziert, aber es hat gefruchtet. Diese Leute haben viele Termine und dann muss sie auch Lust haben und Zeit haben.“
Die Deutschlandpremiere von „Ein Talent fürs Morden“ war an die Preisverleihung gekoppelt: Der Film lief direkt im Anschluss an die Ehrung. Der deutsche Kinostart ist für den 5. November 2026 angesetzt, eine weitere Festivalvorführung stand für den 30. September um 21.30 Uhr im Passage Kino an. Das 34. Filmfest Hamburg hatte am 24. September mit „The Idiot(s)“ von Małgorzata Szumowska und Michał Englert begonnen.
Das Festival läuft noch bis zum 3. Oktober, dann mit dem „Tag des freien Eintritts“. Ob das deutsche Publikum Mirren auch als Patricia Highsmith annimmt, entscheidet sich ab dem 5. November – im Kino, nicht auf einer Bühne.
